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Der Wocheneinkauf und die Rücksicht

  • vonPatrick Dehnhardt
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Die Pandemiezeit dauert nun bald elf Monate an. Für viele Menschen bedeutet sie erhebliche Einschränkungen. Man darf Freunde und Verwandte kaum noch sehen - nicht nur, weil das Vorschriften verbieten, sondern weil man sie auch schützen will.

Gerade die jüngeren Menschen zahlen im Kampf gegen Covid-19: Der Schulunterricht läuft seit einem Jahr praktisch im Notbetrieb. Viele müssen um ihre Arbeitsplätze fürchten, andere kriegen keine Ausbildungsstellen. Und Freizeitangebote, mit denen man sich ablenken könnte, gibt es fast auch nicht mehr: Mannschaftssport? Freunde bei einer Party treffen? Mit Kumpels ins Hallenbad gehen? Geht alles nicht.

Während sich viele Jugendliche Sorgen um ihre Zukunft machen, müssen junge Familien die Kinderbetreuung mit ihrem Berufsleben unter einen Hut bekommen - wenn Kitas und Schulen mal wieder schließen oder eine Notbetreuung angeboten wird, die man nur in absoluten Notfällen in Anspruch nehmen soll.

Die jungen Menschen tun hier viel aus Solidarität mit den älteren Mitbürgern. Schaut man sich die Statistiken an, wird klar, dass der Großteil der Corona-Toten über 60 Jahre und älter ist. Und dann fragt man sich, warum einige Mitglieder genau dieser Risikogruppe 60+ anscheinend noch immer den Schuss nicht gehört haben. Ein Beispiel: Im Supermarkt gilt Einkaufswagenpflicht - pro Besucher ein Wagen. Als eine Marktmitarbeiterin einen Senior anspricht, warum er dennoch ohne Wagen unterwegs ist, wird dieser pampig.

Anderes Beispiel, wieder Supermarkt: Rentner haben eigentlich die Zeit, nicht zu den Stoßzeiten einkaufen gehen zu müssen. Dennoch geht ein Rentnerehepaar ausgerechnet am Samstagmorgen den Wocheneinkauf erledigen - zu zweit und mit zwei Wagen. Vor dem Markt warten derweil Kunden, die aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen alle einzeln einkaufen, auf einen freien Einkaufswagen. Kunden, die berufstätig sind und unter der Woche nicht einkaufen konnten.

Wenn andere derzeit ganz andere Einschränkungen tragen müssen, kann es doch nicht zu viel verlangt sein, dass man seinen traditionellen Wocheneinkaufstermin auf einen anderen Werktag verlegt und so seine Mitmenschen entlastet.

In Island gibt es übrigens pro Tag eine Stunde, in der nur Risikopersonen in die Geschäfte dürfen - übrigens werktags von 9 bis 10 Uhr. Wäre doch auch mal eine Idee für Deutschland, um Kontaktrisiken zu minimieren. pad/FOTO: DPA

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