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Neben und hinter der Feuerwehr von Wißmar (rechts) soll gebaut werden. Was, das ist noch offen.

Wißmarer Aufregerthema

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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»Kirmes in Gefahr?« Allein diese Frage erregt die Gemüter vieler Wißmarer. Die Kirmes bleibt, versichert die Politik. Doch angrenzend an den Festplatz soll neu gebaut werden.

Die Wißmarer hängen an ihrem Traditionsfest. Die Kirmes ist eine der wenigen verbliebenen großen Veranstaltungen ihrer Art im August. Seit 1972, also fast seit 50 Jahren, wird die Kirmes auf dem Festplatz zwischen Feuerwehr und Grundschule ausgerichtet.

Doch mit der - wohlgemerkt nicht neuen - Idee, zwei Grundstücke hinter dem Feuerwehrgerätehaus unweit des Festplatzes für eine Bebauung vorzusehen, ist jetzt Gesprächsstoff im Dorf gegeben.

Als die CDU-Fraktion sich am Samstag um 11 Uhr bei einem Lokaltermin kundig machte, da strömten mehrere Dutzend Bürger herbei.

Mit der Frage »Kirmes in Gefahr?« auf Facebook hatte der aus Wißmar stammende Bürgermeisterkandidat Marc Nees Mitte Februar das Aufreger-thema auf eine öffentliche Plattform gehoben und damit neuen Drive gegeben.

Die Sorge der Freunde der Kirmes: Werde die Bebauung dichter und rücke näher an den Festplatz heran, könnte es zu Problemen führen. Etwa wenn ein neuer Anwohner dann wegen Lärmbelästigung gegen das Volksfest vorgehe. Andere wiederum sehen einen mikrolokalen Grünzug in Gefahr, sprechen gar von einer »grünen Lunge« in Wißmar.

Wobei der Wunsch nach mehr bezahlbarem Wohnraum auch für Wißmar quer durch alle politischen Gruppierungen unstrittig ist. 2018 bereits war die jetzt zur Diskussion stehende Fläche dafür in den Blick genommen worden. Die Gemeinde hatte die Grundstücke durch Tausch erworben. Mit in die Überlegungen einbezogen ist neben den Gärten unterhalb der Feuerwehr auch eine Fläche direkt hinterm Spritzenhaus. Die Freien Wähler und die CDU hatten dies im November 2018 angeregt. Es wurde gemeinsam von allen Fraktionen in der Gemeindevertretung beschlossen. Partner für eine Wohnbebauung könnte die Gießener Wohnungsbaugenossenschaft 1894 sein.

Kirmes sichern

Genauso unstrittig ist derweil in der Kommunalpolitik, dass die Kirmes nicht gefährdet werden darf. Die Sozialdemokraten hatten dieser Tage sogar laut darüber nachgedacht, am Festplatz eine öffentliche Toilettenanlage zu bauen, die auch bei der Kirmes genutzt werden könnte.

Jüngste Idee: Auf der fraglichen Fläche, die die Gemeinde erworben hat, keine Wohnhäuser zu bauen, sondern stattdessen einen großen Kindergarten. Dies als Ersatz für die Kita »Pfiffikus« im Lollarer Weg, die in die Jahre gekommen ist. Sven Hofmann aus der SPD-Fraktion hat eben dies zur Diskussion gestellt. Der Vorschlag hat hier und da bereits Anerkennung gefunden: Grundschule, Altenheim, Bürgerhaus, Feuerwehr und dann noch ein Kindergarten - das könnte ein infrastrukturelles Kernstück von Wißmar abrunden.

Lärmschutzfragen seien baulich und rechtlich lösbar, so die Einschätzung von Bürgermeister Thomas Brunner hinsichtlich der Wohnbebauung. Doch auch den Vorschlag, dort eine Kita zu bauen, findet er »sehr gut«, da die Gesamtfläche die richtige Größe für das Projekt habe und die Lärmschutzthematik dann keine Rolle spiele. Bezahlbarer Wohnraum könnte dann auf der Altfläche der Kita am Lollarer Weg entstehen.

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