so_feuerwehrJPG18_201221_4c
+
Wolf-Christopher Gramatte, Brandschutzerziehungs-Koordinator in Diensten das Landkreises, demonstriert an dem Spielzeughaus, wie und vor allem wie schnell sich Rauch in einem Gebäude ausbreitet.

Wissen, was bei Feuer zu tun ist

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
    schließen

Wie funktioniert das mit der Notrufnummer 112? Und warum kann ein Feuerwehrmann durchs Feuer gehen? Das und viel mehr sollen Kinder in der Brandschutzerziehung in der Grundschule lernen. Der Landkreis Gießen ist da in Hessen ganz vorne mit dabei.

Geht es nach Anita Schneider, dann wird Brandschutzerziehung im Schulunterricht ebenso verbindlich verankert wie die Verkehrserziehung. Denn die Landrätin ist von der Bedeutung dieser präventiven Arbeit überzeugt, um Gefahren vielfach gar nicht erst entstehen zu lassen.

Deshalb ist der Landkreis Gießen einer der »Piloten« in Hessen gewesen, um schon frühzeitig an einem Brandschutzerziehungs-Konzept für Vorschulkinder und Grundschüler mitzuarbeiten. Und hat dies jetzt verstetigt.

Das Ziel: Die möglichst flächendeckende Sensibilisierung und Unterweisung der Kinder in Kindertagesstätten und (Grund-) Schulen. Der richtige Umgang mit Feuer, das Verhalten im Brandfall, etc. als Daueraufgabe. Erreicht werden sollen jedes Jahr rund 1500 Kinder, idealerweise aus allen dritten Klassen im Kreis Gießen; zudem die Vorschulkinder. Erhoffter positiver Nebeneffekt: Dass sich Kinder dadurch motivieren lassen, vielleicht selbst in die Freiwillige Feuerwehr zu gehen.

Verantwortlich zeichnet Wolf-Christopher Gramatte. Seit knapp einem Jahr ist er Brandschutzerziehungs-Koordinator in Diensten des Landkreises. Und bringt als Wehrführer in Langsdorf sowie als Leiter der dortigen Minifeuerwehr reichlich Erfahrung für diese Arbeit mit.

Landrätin Anita Schneider begrüßt den Dreiklang in der Brandschutzerziehung durch das Zusammenspiel von Land, Kreis und Kommunen: »Die Arbeit hat dadurch eine neue Qualität bekommen.«

Zuschüsse aus dem Landeshaushalt

Ein Teil des Konzepts ist das Feuerwehr-Auto, mit dem die Brandschützer bei Kitas und Grundschulen vorfahren. An Bord sind neben Feuerlöscher und Schläuchen zum Anschluss an einen Hydranten die gesamte Ausrüstung eines Feuerwehrmannes sowie neben vielem anderen Erste-Hilfe-Rucksack, Pavillon und Festzeltgarnitur, so dass der »Unterricht« auch im Freien oder bei Veranstaltungen der Feuerwehren stattfinden kann.

Dazu gibt es einen Koffer mit Utensilien für Brand- und Rauch-Experimente oder beispielsweise ein Rauchhaus. An diesem wird veranschaulicht, wie schnell sich giftige Rauchgase in einem Haus ausbreiten. Hinzu kommt eine Menge lehrreiches Anschauungs- und Unterrichtsmaterial, das Lehrern, Erzieherinnen und Kindern an die Hand gegeben werden kann.

Erst sieben solcher Fahrzeuge gibt es in Hessen - eines davon steht bei der Kreisverwaltung. Das Ziel des Landes ist, in allen 27 hessischen Kreise einen Koordinator wie Gramatte zu installieren und weitere zwei Dutzend Mobile bereitzustellen.

Wiesbaden beschafft diese, stattet sie aus und bezuschusst die Arbeit in den ersten drei Jahren mit jeweils 20 000 Euro. Danach gibt es stetig per anno 10 000 Euro. Für die Kreise bleiben die Personalkosten zu tragen.

Das Konzept soll nicht bereits bestehende und funktionierende Brandschutzerziehung durch die Freiwilligen Feuerwehren in den Städten und Dörfern ersetzen. Es soll deren Arbeit vielmehr unterstützen, erleichtern und vielleicht verbessern. Rund 80 ehrenamtlichen Brandschutzerziehern aus den Freiwilligen Feuerwehren im Kreis hat Gramatte die Materialien bereits vorgestellt; eine Schulung, die überaus gut ankam

Der Brandschutzerziehungs-Koordinator schreibt jeweils zu Jahresbeginn die Leiter aller Grundschulen an und bietet den Einsatz des besonderen Feuerwehrautos vor Ort an - idealerweise im Kontext einer Unterrichtseinheit »Feuerwehr« und verbunden mit einem Besuch im örtlichen Gerätehaus. Fürs kommende Jahr haben bereits 20 der 44 Grund- und Förderschulen im Kreis Gießen ihr Interesse bekundet.

Ziel: Teil des Unterrichtskanons

Wobei insgesamt noch die Verbindlichkeit fehlt: Es ist der jeweiligen Schulleitung anheimgestellt, ob und in welchem Umfang von dem Angebot Gebrauch gemacht wird. Aber da ist Landrätin Schneider guten Mutes, angesichts der positiven Erfahrungen bald einen Schritt weiterzukommen. Im Hessischen Landkreistag, dem Schneider angehört, wird daran gearbeitet, die Brandschutzerziehung fest im Unterrichtskanon zu verankern - so wie den Fahrradführerschein.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare