Mit Maske und Abstand treffen sich mehr als 30 Gastronomen aus der Region auf Burg Gleiberg. Sie wollen Klarheit über ihre Zukunft.
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Mit Maske und Abstand treffen sich mehr als 30 Gastronomen aus der Region auf Burg Gleiberg. Sie wollen Klarheit über ihre Zukunft.

Gastronomie im Corona-Lockdown

Kreis Gießen: Wirte hoffen auf den 22. März – Gleichbehandlung gefordert

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Die Gastronomen in der Region leiden unverändert unter der Schließung ihrer Betriebe. Sie haben sich zum Erfahrungsaustausch getroffen - und denken über eine Groß-Demo nach. Ihr Ziel: Gleichbehandlung.

Wir sind die Letzten, die aufmachen dürfen!«, zürnt Axel Horn. Der Burgwirt vom Gleiberg spricht seinen Kollegen aus der Seele. Mehr als 30 Restaurantbetreiber und Gastwirte haben sich gestern bei Horn im Burghof versammelt. Und alle blicken voller Sorge auf die kommenden Wochen. Vor allem auf den 22. März. Diesen Stichtag haben Bund und Länder ausgegeben, um zu entscheiden, wie es mit der Gastronomie weitergeht.

Gastronomie im Kreis Gießen: Feiern werden weniger verschoben, sondern abgesagt

Für die meisten Wirte und Restaurantbetreiber ist klar: Sie wollen aufmachen. Aber sie fühlen sich teils hilflos, ratlos und von der Politik alleingelassen. Das macht viele von ihnen wütend. So wütend, dass sie im zweiten Lockdown und nach bald sieben Monaten Schließung seit letztem März daran denken, auf die Straße zu gehen. Die Mittelhessen-Wirte wollen ihre Interessenvertretung, den Deutschen Hotel- und Gaststättenverband, dazu ermutigen, eine Groß-Demo in Wiesbaden zu organisieren.

Denn anders als noch im ersten Lockdown 2020, als die Menschen ihre Feste, Feiern und Veranstaltungen verschoben haben, haben auch die keine Geduld mehr. Sie sagen diese zunehmend ab. Das trifft vor allem Betriebe hart, die von Familienfeiern, Hochzeiten, Konfirmationen, runden Geburtstagen et cetera leben.

Corona-Lockdown: Wirte aus dem Kreis Gießen fordern Gleichbehandlung mit anderen Branchen

»Unsere Politiker haben keine Ahnung von der Praxis«, sagt ein Wirt. Und ein anderer formuliert es noch deftiger: »Wir fühlen uns verarscht!«

Was für Unverständnis sorgt: Dass man nicht mit anderen Branchen gleich behandelt wird. Viele Gastronomen haben in ihren Gasträumen Lüftungsanlagen installiert. Sie haben im Wissen um die Verantwortung für Gäste und Mitarbeiter ausgefeilte Konzepte entwickelt. »Mehr Hygiene geht nicht«, bringt es Markus Müller vom Landhaus Klosterwald in Arnsburg auf den Punkt. Er will zum 22. März einen »richtigen, verbindlichen Fahrplan, wie es weitergeht«. Denn nochmals ohne Ostergeschäft »ist es das zweite Katastrophenjahr hintereinander«, sagt Müller

Vor allem die Abhängigkeit von der Sieben-Tage-Inzidenz wird von den Wirtsleuten kritisch gesehen. Wer will schon öffnen und drei Tage später bei höheren Werten in der Region wieder dichtmachen müssen? So lässt sich nicht planen, lautet die Kritik.

Und Schnelltests? »Ich werde nicht den Nasenbohrer spielen und meine Gäste mit Schnelltests kontrollieren«, sagt Axel Horn.

Kreis Gießen: Kann die Gastronomie ab dem 22. März wieder öffnen?

Unterstützung erfahren die Gastronomen gleichwohl aus Teilen der Politik. Der ehemalige Wettenberger Bürgermeister und Gleibergvereins-Vorstand Gerhard Schmidt appellierte, nicht aufzugeben: »Der Kampf geht weiter! Sie haben ihre Hausaufgaben gemacht«, brach Schmidt gestern eine Lanze für die Gastronomie. Die aktuellen Einschränkungen kämen quasi einem Berufsverbot gleich.

»Gaststätten sind ein wesentlicher Faktor für Kultur und Lebensfreude in der Region. Wir vermissen die Gastlichkeit und das Miteinander«, unterstrich Schmidt die Rolle der Gastronomie in der Gesellschaft. Auch er plädiert dafür, dass Gastronomie ab dem 22. März wieder öffnen kann - und zwar nicht nur mit Außenbewirtung. Mit den erarbeiteten Hygienekonzepten gehe von der Gastronomie keine Gefährdung aus. Der Wettenberger Bürgermeister Thomas Brunner sicherte den Gastronomen ebenfalls die Unterstützung der Kommunen zu: Beispielsweise mit dem Testcenter, das in den nächsten Tagen in Wißmar öffnet, könne man einen Beitrag leisten. »Uns ist wichtig, dass kulturelles Leben und Gastronomie wieder zum Laufen kommen. Das ist Teil unserer Identität.«

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