Was wird aus den Kunstrasenplätzen?

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Gießen (so). Welche Zukunft ist den Kunstrasenplätzen beschieden, nachdem sie unter ökologischen Aspekten nachvollziehbar in die Kritik geraten sind? Müssen diese Sportanlagen, die zwischen 500 000 und einer Million Euro kosten, geschlossen werden?

Die erste Partei, die im Kreis Gießen bei dieser Problematik nachhakt, ist die FDP. Wolfgang Greilich hat mehrere Fragen aufgeworfen. So will er wissen, wer der Eigentümer der 17 Kunstrasenplätze im Kreis sind und wie viel Geld von Vereinen, Land oder Kommunen in den Plätzen steckt. Vor allem aber ist für ihn von Interesse: In welchen Fällen muss mit einer Stilllegung der Plätze gerechnet werden?

Der Hintergrund ist folgender: Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) hat ein EU-weites Verbot von Kunstrasengummigranulat bis spätestens 2022 empfohlen. Greilich stellt daher die Frage: "Ist der Kreisausschuss bereit, sich gegebenenfalls mit Hilfe des Landkreistages dafür einzusetzen, dass Bund und Land bei der EU dafür kämpfen, zumindest fertiggestellte und bereits im Bau befindliche Kunstrasenplätze für ihre Restnutzungsdauer von dem drohenden Verbot auszunehmen?" Eben um hier kein Steuergeld zu verbrennen. Kunstrasenplätze sind normalerweise für eine Nutzungsdauer von 15 Jahre angelegt.

Greilichs Anregung: Der Landkreis solle sich dafür einzusetzen, dass Bund und Land Hessen jeweils zur Hälfte eventuell anfallende vorzeitige Umrüstungskosten der Kunstrasenplätze übernehmen.

Die Dimension des Themas ist immens: In Deutschland stehen den Amateursportlern in Fußball- und Hockeyverbänden circa 6000 Kunstrasenplätze zur Verfügung. In Hessen sind es 440, im Landkreis Gießen 17 und in der Stadt Gießen fünf Kunstrasenplätze.

Die Sorge des FDP-Manns ist, dass die enormen finanziellen Anstrengungen von Vereinen und Steuerzahlern bei einem Verbot ohne Übergangsregelung oder Bestandschutz zunichte gemacht würden. Denn die Kunstrasenplätze, die 2022 noch für viele Jahre nicht abgeschrieben sind, könnten dann weder von Kommunen noch von Vereinen ersetzt werden. Gefährdet sieht Greilich in diesem Fall zudem den Jugendspielbetrieb.

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