»Wir verweigern keine Gespräche«

  • vonStefan Schaal
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Rabenau/Gießen (srs). Nach Berichten in dieser Zeitung über Hürden für Eltern im Kreisgebiet, ihre Kinder auf eine andere Grundschule als zugeteilt zu schicken, wehrt sich der Leiter des Staatlichen Schulamts gegen Vorwürfe. »Gewiss ist es nicht so, dass meine Behörde Gespräche verweigert«, erklärt Norbert Kissel.

Eltern in Rabenau hatten im Sommer vergangenen Jahres das Schulamt auf Kindeswohlgefährdung verklagt. Die Familie wollte, dass ihr Sohn Paul ( Name von der Redaktion geändert ) auf die Rabenschule in Londorf geht. Das Schulamt bestand darauf, dass der Junge die Schule im Nachbardorf Rüddingshausen besucht, die Familie gehöre nun mal zu diesem Schulbezirk.

Eine Behörde entscheide unter Berücksichtigung aller Interessen, erklärt Kissel, »aber auch auf der Grundlage gesetzlicher Vorgaben«. Die Entscheidung des Schulamts in dem Fall in Rabenau sei von zwei Gerichten bestätigt worden. Glücklicherweise handle es sich um Einzelfälle, fügt Kissel hinzu. »Die Kinder bekommen den Ärger der Eltern ja auch mit und werden hierdurch belastet. Das soll nicht sein.« In der Regel könne man mit den Eltern eine Einigung finden, »weil man auch mit den Menschen am Staatlichen Schulamt Gespräche führen kann.«

Die Eltern Pauls hatten beklagt, »dass es kein persönliches Gespräch mit dem Schulamt gegeben hat«. Weitere Eltern hatten sich an diese Zeitung gewandt und ähnliche Vorwürfe erhoben.

»Der Mangel an persönlicher Kommunikation ist Taktik des Schulamts«, erklärte eine Gießenerin, die vor vier Jahren ihren Sohn auf die wesentlich näher zur Wohnung der Familie gelegene Ludwig-Uhland-Schule schicken wollte, der Junge musste die Goetheschule besuchen. Die Familie zog bis vor das Verwaltungsgericht in Kassel und gab schließlich auf, weil der Gerichtstermin auf den Tag der Einschulung fiel und die Mutter für ihren Sohn weitere rechtliche Konflikte vermeiden wollte.

Es komme bisweilen zu Entscheidungen, »mit denen Menschen nicht einverstanden sind«, sagt der Schulamtsleiter. »Damit muss eine Behörde leben.« Der Besuch einer anderen Schule sei nur bei wichtigen Gründen möglich, wenn die Aufnahmekapazität der gewünschten Schule nicht erschöpft ist. Wichtige Gründe können eine schwierige Verkehrssituation auf dem Schulweg, eine Erleichterung für die Eltern in ihrer Berufstätigkeit sowie gewichtige pädagogische Argumente und besondere soziale Umstände sein.

In Rabenau verzichtete die Familie auf weitere Schritte, um den Sohn nicht zu belasten, zumal er sich in der Klasse in Rüddingshausen zunehmend wohlfühle. Auch Kissel betont: »Paul geht’s an seiner Schule gut, er ist angekommen. Nur das zählt.«

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