Daniel Viale
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Daniel Viale

"Wir stehen in den Startlöchern"

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Die Landesregierung hat am Dienstag entschieden, dass in Hessen ab kommender Woche Besuche in Pflegeheimen wieder möglich sein sollen, zunächst für eine Stunde je Bewohner und Woche. Ist das aus Ihrer Sicht eine gute Nachricht?

Seit Ende vergangener Woche wussten wir: Da wird etwas kommen. Grundsätzlich wird eine Lockerung mit Blick auf unsere Bewohner von uns begrüßt. Ich persönlich finde es aber etwas unglücklich, dass die Maßnahme für die kommende Woche verkündet wurde und noch ein Feiertag dazwischenliegt. Auch für unsere Einrichtung ist das eine große Herausforderung, und ich sehe uns da weiter in der Pflicht, den Schutz der Bewohner zu gewährleisten. Nun warten wir noch auf die genaue Verordnung des Landes Hessen sowie die finale Fassung des Musterschutzkonzepts für Besuchsmöglichkeiten in stationären Pflegeeinrichtungen. Solange wir die nicht haben, gilt bis auf Weiteres das Besuchsverbot.

Das heißt, mit Besuchen schon am Montag im Lollarer AWO-Heim könnte es schwierig werden?

Wir stehen in den Startlöchern und bereiten uns intensiv darauf vor, dass wieder Besucher kommen. Auch auf AWO-Bezirksebene wird an Schutzkonzepten gearbeitet. Es kann aber sein, dass wir kommende Woche noch zwei, drei Tage brauchen, bis wir für die Öffnung bereit sind. Hier steht für uns der Schutz unserer Bewohner und Mitarbeiter im Vordergrund.

Ob die Besuche nun ab Montag oder erst später starten: Wie können Sie sicherstellen, dass dann der Infektionsschutz für die Bewohner gewährleistet ist?

Bei Bewohnern, die mobil sind, sollen die Besuche nicht im eigenen Zimmer stattfinden, sondern in separaten Räumen. Auch ausreichende Belüftung ist wichtig. Und für Bewohner und Angehörige wird es getrennte Zuwege geben. Außerdem muss weiterhin auf den Abstand von mindestens 1,5 Metern geachtet werden. Und wir haben natürlich Desinfektionsmittel da. Was Masken betrifft, sind wir momentan noch nicht in der Lage, sie flächendeckend für alle Angehörigen zur Verfügung zu stellen. Dies ergibt sich daraus, dass nach jetzigem Wortlaut OP-Masken für die Besucher vorgeschrieben sein sollen. Diese gelten weiterhin als Mangelware und sind vor allem medizinisch-pflegerischem Personal vorbehalten. Wir sind aber in der Lage, Stoffmasken in ausreichender Menge zur Verfügung zu stellen.

Seit etwa sechs Wochen sind Pflegeheime quasi von der Außenwelt abgeschnitten. Wie haben die Bewohner des AWO-Pflegeheims in Lollar das aus Ihrer Sicht bislang verkraftet?

Bis vor etwa anderthalb Wochen - und das war auch für uns erstaunlich - vor allem mit Gelassenheit. Seither hat sich die Vereinsamung teils schon verstärkt. Neben dem Besuchsverbot besteht eine große Einschränkung darin, dass Gruppenangebote sowie auch die übliche Einnahme der Mahlzeiten in der gewohnten Gesellschaft nicht mehr stattfinden können. Außerdem tragen nun alle einen Mundschutz, was weiter zu Befremdlichkeiten sowie einer Verstärkung der Isolation führt. All das hat dazu geführt, dass die sozialen Kontakte für die Menschen hier noch notwendiger werden. Aber noch weitergehende Lockerungen als die jetzt beschlossenen kann ich mir derzeit nicht vorstellen. jwr/Foto: pm

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