In den mittelhessischen Schunk-Standorten werden über 150 Auszubildende für mehr als ein Dutzend unterschiedliche Berufe qualifiziert. FOTOS: PM
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In den mittelhessischen Schunk-Standorten werden über 150 Auszubildende für mehr als ein Dutzend unterschiedliche Berufe qualifiziert. FOTOS: PM

"Wir sind sehr stark aufgestellt"

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Schunk ist einer der größten Arbeitgeber in der Region. Der Konzern komme gut durch diese schwierige Zeit, sagt Arno Roth, Vorsitzender der Unternehmensleitung. Und: "Wir wollen gestärkt aus der Krise hervorgehen." Ein Gespräch über kurzfristige Reaktionen und langfristige strategische Planungen.

Herr Dr. Roth: Wie geht es Schunk in diesen Tagen?

Wir sind sehr stark aufgestellt. Die Schunk Group hat die vergangenen Jahre genutzt, um finanzielle Ressourcen aufzubauen. Wir können alles an Investitionen umsetzen, was wir uns vorgenommen haben, und zwar ohne Abstriche.

Investitionen in Zeiten der Krise, wo vieles zurückgefahren wird?

Ja. Schunk kann da einen sehr langen Atem haben. Wir planen langfristig. Und das können wir unverändert weiterführen. Was nicht heißt, dass man nicht auch kurzfristig auf Entwicklungen reagieren muss.

Wie also geht eine Unternehmensgruppe wie Schunk mit der Ausnahmesituation um?

Das erste, was wir machen mussten, war, unser Krisenmanagement zu aktivieren. Wir haben da ohnehin ein dauerndes Monitoring. An jedem unserer Standorte weltweit gibt es dafür etablierte Teams. Alle Informationen laufen dann in einem zentralen Team für die gesamte Gruppe in Heuchelheim zusammen. So können wir zentrale Themen vorgeben und Lösungen austauschen, die dann aber jeweils lokal angepasst umgesetzt werden.

Was heißt das bitte konkret?

Am Anfang galt unsere größte Sorge den Logistikketten. Werden wir noch beliefert? Können wir selbst noch liefern? Heute, nach acht Wochen, können wir sagen: Wir haben keinerlei substanzielle Probleme in unseren Zulieferketten. Sicher gibt es da auch Fragestellungen: Schauen Sie zum Beispiel auf Weiss Technik, da ist der Service in Teilen vom Shutdown betroffen. Es gibt eben Kunden von Weiss, die lassen derzeit keine externen Kräfte auf ihr Unternehmensgelände, um etwa an den von uns gelieferten Klima-Kammern den Service vorzunehmen. Unser großer Vorteil ist, dass wir extrem diversifiziert sind. Ist man wie Schunk breit aufgestellt, dann sind nicht alle Teile der Gruppe gleichermaßen betroffen.

Und wie sieht das in der Schunk-Gruppe aus?

Unsere Hygiene-Regelungen und Vorsichtsmaßnahmen haben gegriffen: Etwa auch, dass wir derzeit rund 1800 Mitarbeiter im Homeoffice haben. Bei mehr als 9000 Mitarbeitern weltweit haben wir ganze drei diagnostizierte Corona-Fälle.

Zum Beginn des Shutdowns kündigten Sie das Prüfen aller Optionen an - von Gleitzeit über Urlaubsregelungen bis zu Kurzarbeit. Was wurde davon umgesetzt?

Alles. Das war alles nötig. Wenngleich von Standort zu Standort in unterschiedlichem Ausmaß. Rund 40 Prozent unserer Geschäftsbeziehungen führen in die Autoindustrie. Da ist man stärker betroffen. Wenn da Werke geschlossen werden, dann gehen Aufträge massiv zurück. Die großen Konzerne fahren jetzt erst langsam ihre Produktion wieder hoch. Die Nachfrage ist noch nicht wieder da. Aber wir nutzen die Zeit, um Lagerbestände aufzubauen. Wenn wir da aus der Krise wieder rauskommen, wird Schunk sofort liefern können.

Aber es gibt auch bei Schunk Kurzarbeit?

Ja. Auch das. Zuerst wurden Gleitzeitkonten massiv abgebaut. Dann haben wir die Urlaubspläne auf den Prüfstand gestellt. Es ist nicht praktikabel, dass jetzt ein jeder versucht, seinen Urlaub im zweiten Halbjahr zu nehmen, in der Hoffnung, dann wieder reisen zu können. Die Zielvorgabe war klar, dass in jedem Halbjahr, also auch jetzt, Urlaub zu nehmen ist, um die Produktion nicht zu beeinträchtigen. Und ja: Wir haben auch Kurzarbeit beantragt. Am Standort Heuchelheim in einer Größenordnung von etwa 20 Prozent.

Sie sprachen von Investitionen. Wo wird investiert?

In Heuchelheim und in Reiskirchen entstehen derzeit zwei Innovationszentren. Das Thema Innovation bekommt einen noch höheren Stellenwert als bislang. Als Technologiekonzern liegt uns permanente Innovation in der DNA - sie ist einer der entscheidenden Faktoren für langfristigen Erfolg.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Die Schunk Group hat das interne Motto "Success by Innovation" ausgerufen. Die Neubauten in Heuchelheim und Reiskirchen sind Bestandteil dieser Initiative. Am Standort Heuchelheim entsteht derzeit ein hochmodernes Forschungszentrum für die Entwicklung neuer Werkstoffe und neuer Fertigungsverfahren in der Werkstofftechnik. In Reiskirchen wird das Innovation Center von Weiss Technik gebaut. Hier werden die nächsten Generationen von Umweltsimulationsanlagen und anspruchsvoller Klima- und Reinraumtechnik entstehen. Zusammen umfassen die beiden Forschungseinrichtungen ein Investitionsvolumen von 25 Millionen Euro. Sie sollen bis Ende 2020 fertig sein.

Langfristige strategische Planung also.

Ja. Die Schunk Group hat eigens zur Förderung von Horizont-3-Innovationen einen Förderfonds von zunächst 10 Millionen Euro aufgelegt. Zwei erste langfristig angelegte Projekte aus den Geschäftseinheiten Technical Ceramics und Microelectronics werden bereits gefördert, weitere aus anderen Bereichen sollen folgen. Neuartige Lösungen entwickeln, bestehende Technologien ersetzen, neue Märkte erschließen: Das treibt Schunk an, denn hier können wir unsere ganze Ingenieurskompetenz unter Beweis stellen.

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