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Ein Thema mit Top-Prioriät ist für Laubachs neuen Bürgermeister Matthias Meyer (rechts) die Sicherung der Trinkwasserversorgung. Das Foto zeigt ihn mit Bauhofleiter Jörg Riddel am Hirtenbrach-Brunnen, dessen Wasser gechlort werden muss.

»Wir sind auf einem guten Weg«

  • Thomas Brückner
    VonThomas Brückner
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Mit dem Angebot, für eine »Kultur des neuen Miteinanders« zu sorgen, hat Matthias Meyer die Wähler überzeugt. Im Interview spricht Laubachs neuer Bürgermeister darüber, was für ihn in den ersten 100 Tagen (Urlaub exklusive) Priorität hatte. Ganz oben auf der Agenda: Kinderbetreuung und Wasserversorgung. Wie Meyer ebenso verriet, ist man beim »Radweg-Tunnel« kurz vor dem Durchbruch.

Auch da sieht er Laubach auf einem guten Weg.

Das Chefzimmer in Laubachs Rathaus kommt nüchtern daher. Kein Bild hängt an der Wand. Selbst die Präsente zum Amtsantritt, darunter ein Flasche »Doppelherz«, wurden des Raumes verwiesen. »Meine Priorität war es nicht, Bilder aufzuhängen«, unterstreicht Matthias Meyer, bevor er sich den Sachfragen stellt. Ehedem Banker, Coach und Yoga-Lehrer, ist der 51-Jährige seit Juni Bürgermeister der alten Residenzstadt.

Nach der Wahl hatten Sie erklärt, Sie stünden für einen kooperativen Führungsstil, wollten keine Ja-sager um sich. Sind die Erwartungen eingetroffen?

Ja, es läuft. Trotz der vollen Agenda habe ich viele Mitarbeitergespräche geführt. Wir haben bereits einen guten Standard an Kommunikation erreicht. Aber es geht weiter. Reger Austausch motiviert, die Kollegen und Kolleginnen müssen wissen, wohin die Reise geht.

Um im Bild zu bleiben: Sind Sie bereits am Ziel, was die Restrukturierung der Verwaltung angeht?

Nein, im Organigramm gibt es immer noch Kästchen, hinter denen gar keine Leute stehen. Da sind wir dran.

Was meinen Sie damit konkret?

Auf Ebene des Städteservice haben wir einen Digitalisierungsbeauftragten eingestellt, der am 1. Oktober anfängt. Ein großer Fortschritt, nicht nur im Blick auf das Online-Zugangs-Gesetz.

Die Jugendarbeit in Laubach lag lange im Argen. Für Sie ein Thema mit Priorität?

Mit hoher Priorität. Mich freut es sehr, dass wir seit 1. September endlich wieder einen Jugendpfleger haben. Ein wichtiger Punkt in der 100-Tage-Bilanz. Hinzukommt das nun aufzubauende Kinder- und Jugendbüro sowie das Familienzentrum. Auch das wird im Alten Bahnhof untergebracht, der somit zur sozialen Begegnungsstätte wird.

Wird bei den Etatberatungen also ein Fokus auf dem Stellenplan liegen?

Vorab: Bauhof, Bürgeramt und die anderen Bereiche der Verwaltung arbeiten mit hoher Motivation die Dinge ab. Aber wir brauchen Verstärkung, die Überstundenkonten sind horrend, über Jahrzehnte wurde Personal reduziert, obwohl die Aufgaben gewachsen sind. Der normale Bürgerservice ist derzeit nur eingeschränkt gewährleistet. Hinzukommt ein massiver Investitionsstau: Von geplanten acht Millionen Euro haben wir dieses Jahr nur zwei umgesetzt. Ganz zu schweigen von den neuen Projekten.

Ist die gewünschte Personalaufstockung aber zu finanzieren?

Ja. Die Verwaltung wird einen genehmigungsfähigen Etatentwurf vorlegen. Auch der aktuelle Haushalt entwickelt sich positiver als geplant. Wir brauchen beides: Effizienz und Aufbau von Infrastruktur. Dazuzähle ich auch einen Klimaschutzmanager. Mit der Anerkennung als Klimaschutz-Kommune erhalten wir für die Stelle - sofern vom Parlament bewilligt - eine 85-Prozent-Förderung.

Apropos Infrastruktur: Der Fehlbedarf an Kita-Plätzen liegt, wenn auch nur auf dem Papier, knapp über der 100er-Marke. Gibt es hier Fortschritte?

Wir sind auch da auf einem guten Weg. In Münster und Gonterskirchen könnte es bereits im März einen Naturkindergarten geben. Wie in Freienseen, in Trägerschaft eines Elternvereins, die Stadtkasse übernimmt die Betriebskosten von jeweils rund 100 000 Euro.

Meist mangelt es vor allem an Plätzen für unter Dreijährige, die nicht in einem Waldkindergarten betreut werden können. Auch in Laubach?

Wir sind da keine Ausnahme, von dem Defizit von 100 sind etwa 80 U3-Plätze. Der Beschlussvorschlag sieht daher einen größeren Neubau in Lauter anstelle der nicht zukunftsfähigen Kita in der Alten Schule vor, die nicht mehr den Bedarf in Lauter abdeckt. Von den neuen drei Gruppen wären zwei für U3-Kinder - 24 Plätze, jetzt haben wir in ganz Laubach 37! Dazu gibt es aber noch Diskussionsbedarf, und ich möchte keine 16:15-Beschlüsse im Parlament. Im November, so hoffe ich, werden wir mit breiter Mehrheit einen Neubau beschließen.

Wird damit ein ausreichendes Angebot geschaffen?

Ich denke schon, mit den zusätzlichen 40 Plätzen in den Naturkindergärten entstehen durch Verschiebeeffekte weitere Kapazitäten für unter Dreijährige in den festen Häusern, wenn auch nicht 1:1 wegen der anderen Betreuungsschlüssel. Aber: Das Konzept ist der schnellste und effiziente Weg, um Kita-Plätze auszuweisen.

Der demografische Wandel geht an Laubach nicht vorbei, die Stadt hat an Einwohnern verloren. Ihr Konzept?

Die rückläufige Tendenz ist gestoppt. Wir wachsen wieder, vor allem durch Zuzug. Leerstehende Häuser werden oft von Familien mit Kindern erworben. Viele der Käufer stammen aus dem Frankfurter Raum. Die Immobilienpreise sind ja bei uns noch relativ günstig. Aber wir müssen auch die Nachfrage von Häuslebauern befriedigen.

Sie sprechen von Neubaugebieten, wo sollten die entstehen?

Mit dem Ende von IKEK haben wir ab 2024 mehr Spielraum. Die Vorbereitungen laufen an, ein großes Baugebiet könnte zwischen der Kernstadt und Wetterfeld entstehen - freilich unter Beachtung von ökologischen und Klimaschutz-Aspekten.

Seit vielen Monaten muss in Laubach das Trinkwasser gechlort werden. Wie ist der Stand der Dinge?

Vorgesehen ist, die zeitweisen Eintrübungen, mit einer Filteranlage zu eliminieren. Zur Sicherheit wird noch eine UV-Anlage installiert. So weit das Konzept, doch werden Prüfungen und Probeläufe noch einige Monate brauchen. Auch weil es für Laubach einen Unterschied macht, ob wir 300 000 oder 800 000 Euro ausgeben. Ein Neubau käme auf weit über eine Million und es würde viel länger dauern, bis wir die Chlorung wieder aufheben können.

Ein leidiges Thema, nicht nur in Laubach, ist der Ausbau der Breitbandversorgung. Wann geht es da voran?

Vor allem die Altenhainer leiden. Nachdem wir mehrfach nachgehakt haben, hat das Unternehmen einen Start der Kabelverlegung nun für Oktober zugesichert. Im Frühjahr soll alles fertig sein. Die restlichen »weißen Flecken« will die Breitband GmbH, unterstützt mit einem Zuschuss der Stadt von 530 000 Euro, im nächsten Jahr angehen.

Das »Aufregerthema« in Laubach ist der auf eine Million Euro taxierte Marktplatzumbau. Ist nach langem Hin und Her nun eine Entscheidung zu erwarten?

Ich gehe davon aus. Nach der Bürgerversammlung ( am Plan des Architekten Schnarr samt Komplettaustausch des Kopfsteinpflasters ward kein gutes Haar gelassen, die Red. ) hat eine neue Arbeitsgruppe einen neuen Entwurf erstellt. Eine erste Version, darin nur ein schmaler, barrierefreier Pflasterstreifen, ist auf positive Resonanz beim Bürgerteam, bei Anliegern und Gewerbe gestoßen. Ich bemühe mich nun um einen finalen Kompromiss.

Aber besteht nicht die Gefahr, bei weiterer Verzögerung Zuschüsse zu verlieren?

Schon. Bis September 2022, das ist die Vorgabe des Landes für dieses IKEK-Projekt, müssen 50 Prozent der Fördersumme von 684 000 Euro abgerechnet sein, der Rest ein Jahr darauf. Eine Fristverlängerung wurde uns nicht gewährt, dafür aber mehr Flexibilität bei der Umsetzung der Arbeiten.

In Rede stand überdies, der erhöhte Zuschuss von 90 Prozent wäre bei einer Umplanung perdu. Richtig?

Nein, zumindest wurde es uns so signalisiert: Bei Abkehr vom bereits bewilligten Schnarr-Entwurf, verbunden mit dem Risiko viel höherer Kosten, bleibt es danach bei 90 Prozent.

Wann rechnen Sie mit einer endgültigen Entscheidung?

Ich bin recht zuversichtlich, dass das Stadtparlament im November einen Beschluss fasst und die Belebung des Marktplatzes als Sinn und Zweck der Maßnahme erreicht wird. Wesentlich dafür ist, dass auch die Leerstände beseitigt werden. Beim ehemaligen Schlecker und einer früheren Kneipe ist uns das bereits gelungen. Für den Erwerb des Nahkauf haben wir zumindest schon mal Mittel aus dem Förderprogramm »Zukunft Innenstadt«. Auch dazu wird es eine Vorlage ans Plenum geben. .

Der Radwegebau ist für Laubachs Fremdenverkehr ein wesentlicher Treiber. Klappt der Lückenschluss?

Die Aussichten für den Weiterbau nach Freienseen stehen gut, auch was den Tunnel angeht. Mit den Betreibern der Pilzzucht konnten wir uns grundsätzlich einigen. Weitere Vorplanungen für den Radweg sind nunmehr abgeschlossen.

Welche Summen kommen auf die Stadt zu?

Das Planungsbüro hat die Unterlagen bei Hessen Mobil eingereicht. Selbst wenn es mit dem beantragten 100-Prozent-Zuschuss des Bundes nichts werden sollte, dürfen wir auf 80 bis 90 Prozent vom Land hoffen. Der Tunnel ist anscheinend statisch in Ordnung. Im Etatentwurf 2022 sind 700 000 Euro als Eigenmittel für den Radweg eingestellt.

Zur viel kritisierten politischen Kultur in Laubach: Ist Besserung eingetreten?

Ein Ansatz meiner Kandidatur war das Bemühen, Spitzen in den Gremien etwas abzurunden. Gutes Miteinander in Verwaltung, Politik, mit den Bürgern ist eine - wenn nicht die wichtigste - Voraussetzung dafür, dass wir in Laubach vorankommen. Mit den Stadtverordneten gibt es keine Dissonanzen, im Gegenteil. Auch von dieser Seite wird mir bestätigt, dass sich die Aggressivität im Plenum deutlich reduziert hat, nun andere Kommunen Negativschlagzeilen produzieren. Alle konzentrieren sich jetzt mehr auf die anstehenden Aufgaben, statt sich dauernd gegen das Schienbein zu treten.

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