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Die Produktion bei Schunk in Heuchelheim läuft. ARCHIV-FOTO: SO

"Wir prüfen alle Optionen"

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Wenn Autohersteller ihre Produktion runterfahren, dann wirkt sich das auch auf die Zulieferer aus. Die Schunk-Group mit Sitz in Heuchelheim hat weltweit einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro - 40 Prozent davon hängen mit der Automobilindustrie zusammen. Ein Konzern und sein Umgang mit Corona.

Homeoffice - das ist für viele Berufstätige in diesen Tagen das Zauberwort. Auch für Dr. Neill Busse. Der Sprecher der weltweit operierenden Schunk-Group kann die Öffentlichkeitsarbeit auch vom heimischen Schreibtisch aus managen. Schunk hat, wo möglich, allen Büromitarbeitern die Möglichkeit gegeben, vorübergehend von zu Hause aus zu arbeiten.

Doch das kann nicht jeder. Presse, Stanze oder Werkbank lassen si ch nicht einfach nach Hause verlagern. Wie geht ein Konzern wie Schunk mit mehreren Tausend Mitarbeitern mit der Corona-Pandemie um? Und wie wirken die sich überschlagenden Ereignisse auf das Unternehmen aus? VW, Mercedes, BMW und Co. haben begonnen, ihre Produktion herunterzufahren. Das hat Auswirkungen auf Schunk. Der Konzern macht 40 Prozent seines Umsatzes als Zulieferer der Automobilindustrie.

Nur: In welchem Umfang es sich auswirken wird, das lässt sich noch gar nicht en detail benennen. "Unsere Kunden haben in einigen Bereichen die Bestellungen in den vergangenen Wochen teils verschoben", bestätigt Busse auf Anfrage. Da gehen Auftragseingänge spürbar zurück.

"Unsere Standorte sind jedoch in ganz unterschiedlichem Ausmaß an die Automobilindustrie gebunden. Auch an unseren großen Standorten in Heuchelheim, Reiskirchen und Wettenberg fertigen wir Produkte für viele andere Branchen." Dennoch prüft Schunk aktuell "alle Optionen. Dazu gehört auch die Pausierung der Produktion an einzelnen Standorten. Dies gilt auch für unsere mittelhessischen Standorte."

Laut Busse muss von Standort zu Standort geschaut werden, welche Maßnahmen wo greifen müssen. Die Schunk Group hat als weltweit tätiger Technologiekonzern einen zentralen Krisenstab und steuert darüber das weltweite Krisenmanagement des Konzerns. In den vergangenen Monaten wurden bereits in einzelnen Teilbereichen Kapazitäten angepasst, um auf Nachfragerückgang zu reagieren - und mit Gleitzeit oder Urlaub gearbeitet.

Auch Kurzarbeit ist nicht ausgeschlossen. An einigen Standorten bereite man sich darauf vor, mit Kurzarbeit einen Rückgang der Produktion aufgrund von Corona abzumildern, sagt der Unternehmenssprecher auf Anfrage.

Aber wie kann sich ein Unternehmen dagegen wappnen, dass eine Abteilung, ein Bereich der Produktion "lahmgelegt" wird, weil Mitarbeiter in Quarantäne geschickt werden müssen oder erkrankt sind? Für ein solches Szenario gelten an allen Standorten von Schunk Krisenpläne, die unter anderem verstärkte Vertretungsregelungen und angepasste Personalplanungen auch in der Produktion vorsehen. Konkret: Andere Einheiten übernehmen Aufgaben. Busse: "So wird die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls auch im Fall von Quarantäne minimiert werden."

Ohnehin sind in den vergangenen Wochen Geschäftsreisen in und aus den Risikogebieten untersagt gewesen bzw. wurden verschoben. Über Mitarbeiter, die wegen Reisebeschränkungen festsitzen, liegen in der Zentrale am Heuchelheimer Windhof derzeit keine Informationen vor. Außerdem sind die Beschäftigten angehalten, verstärkt auf Videokonferenzen und das Telefon zurückzugreifen.

Auch das Reduzieren des Infektionsrisikos kann ein Grund sein, die Produktion zurückzufahren. "Der Schutz der Gesundheit unserer Beschäftigten hat allerhöchste Priorität", sagt Unternehmenssprecher Neill Busse. Man wolle dazu beitragen, die Ausbreitung des Coronavirus so stark wie möglich zu verlangsamen. Eben durch Minimieren der Kontakte zwischen den Beschäftigten: Meetings nur noch virtuell, Mindestabstand in allen Arbeitsbereichen, Trennung der Schichten, Homeoffice.

Der Konzern richten sich nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts und den Vorgaben der lokalen Behörden. Busse: "Dort sind die Experten. Deren Empfehlungen und Vorgaben setzen wir so schnell wie möglich um."

Probleme bei der Materialversorgung verzeichnet das Unternehmen bisher kaum. Aber die Warenströme können Sorgen bereiten. "Wir erwarten zunehmende weltweite Logistikprobleme, auch im Schiffsverkehr. Zusätzlich verstärkt werden könnten diese Probleme durch behördliche Sperrungen ganzer Gebiete, wie z. B. Italien", sagt der Konzernsprecher. Dies könnte zu ernsten Versorgungsproblemen bei Schunk-Unternehmen, aber auch bei deren Kunden führen.

Und welche Erwartungen hat das Unternehmen angesichts der aktuellen Entwicklung an die Politik? Busse: "Wir setzen darauf, dass die Entscheidungsträger in der Politik und den Behörden ruhig, aber entschlossen Maßnahmen einleiten, die die Verbreitung des Virus eindämmen."

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