+

Wir-Gefühl statt Ausgrenzung

  • schließen

Der Schatten unter den Bäumen war willkommen. Beim Kirchentag der evangelischen Dekanate Grünberg-Hungen-Kirchberg hatte die Sommersonne noch einmal zu Temperaturen um die 30 Grad geführt. Das Wetter bot dennoch äußerst angenehme Rahmenbedingungen für den Freiluftgottesdienst und den Markt der Möglichkeiten an der Marienstiftskirche. Kirchenpräsident Dr. Volker Jung hielt die Predigt zum Thema "Grenzenlos". Die Dekane Barbara Alt (Hungen), Norbert Heide (Grünberg) und Hans-Theo Daum (Kirchberg) führten durch die Liturgie. Das zu Beginn des Gottesdienstes gesungene "Geh aus mein Herz" unterstrich die schöne, sommerliche Atmosphäre. Christof Becker dirigierte den Posaunenchor.

Raphael Maninger hatte die Federführung beim Anspiel der Jugendlichen aus den drei Dekanaten. Die jungen Leute wollten Grenzen überwinden und brauchten dazu einen "Erdenbewohnerpass". Ihn zu bekommen, war gar nicht so einfach. Erst musste ein lila Formular besorgt werden, dann ein türkis-farbenes, und bei jeder Behörde musste die Antragstellerin sich auf’s Neue rechtfertigen. Zwar erhielt sie den Pass, dennoch blieb eine Frage: Warum schützt man die Grenzen der Staaten so gut und die Grenzen der Menschen so schlecht?

Kirchenpräsident Jung zitierte einen Artikel aus dem "Darmstädter Tageblatt", der sich mit unerwünschter Zuwanderung befasste. Warum denn so viele Pfarrer aus dem Ausland geholt werden müssten, beklagte das Blatt. Der Artikel war allerdings aus dem Jahr 1882, und die unerwünschten Ausländer kamen aus Bayern, Oldenburg und Preußen. "Immerhin keiner aus Oberhessen," schmunzelte der Kirchenpräsident.

Sich abzugrenzen schaffe Sicherheit und ein "Wir"-Gefühl, was zunächst unkritisch sei, meinte Jung. Verwerflich werde es, wenn sich die Grenzen gegen Andere richten, wenn daraus Kriege entstehen. Der Kirchenpräsident rief dazu auf, sich auf Debatten und Widersprüche einzulassen. Sich zu streiten sei okay, einander niederzubrüllen nicht. Jung zeigte sich besorgt angesichts der Härte, mit der in zunehmendem Maße Auseinandersetzungen geführt würden.

Auf den Tischen lagen Zettel mit Stift und QR-Code. Sie waren Einladungen, mit dem Kirchenpräsidenten ins Gespräch zu kommen - analog oder digital. Der Kommunikation mit dem Smart Phone stand eine andere Form moderner Technik gegenüber. So konnte, wer wollte, sich von einem Roboter segnen lassen. "Äußerst befremdlich"; meinte eine Besucherin. Das Interesse war dennoch groß. "BlessU-2" bot eine Auswahl verschiedener Sprachen, darunter auch Hessisch; auf Wunsch konnte man sich seinen Segen ausdrucken lassen. (hin/Foto: hin)

Das könnte Sie auch interessieren