Adventsbasare wie 2018 in der evangelischen Kirchengemeinde in Krofdorf wird es dieses Jahr kaum geben. ARCHIVFOTO: MO
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Adventsbasare wie 2018 in der evangelischen Kirchengemeinde in Krofdorf wird es dieses Jahr kaum geben. ARCHIVFOTO: MO

Das Wir-Gefühl leidet

  • Alexander Geck
    vonAlexander Geck
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Adventsbasare haben hierzulande eine lange Tradition. Die Erlöse kommen Bedürftigen zugute. Doch in diesem Jahr ist auch das corona-bedingt obsolet. Die Basare aber sind für die Ehrenamtler nur ein Teil ihres Engagements. Ihnen geht es um ganz elementare Dinge, um ein Beisammensein, ein Wir-Gefühl.

Sie heißen "Die Fingerfertigen" oder "Die flinken Nadeln". Meist sind es Frauen, die sich das ganze Jahr über treffen. Mehr oder weniger regelmäßig. Sie stricken Socken, Schals und Mützen oder kochen Marmelade ein. All ihre hergestellten Kleinigkeiten bieten sie auf den örtlichen Adventsbasaren an. Jene Basare haben in der hiesigen Region eine lange Tradition. Der Erlös ist immer für einen guten Zweck bestimmt.

Normalerweise würde in den kommenden Wochen die Zeit der Basare anbrechen. Doch was ist in diesem Jahr schon normal? An die üblichen Adventsaktivitäten ist in Zeiten immer schneller steigender Corona-Fallzahlen jedenfalls nicht zu denken. Für viele Gruppen bricht damit der Höhepunkt des Jahres weg, manche wissen sich zwar zu behelfen und weichen auf Wochenmärkte aus. Doch die Gemengelage ist wahrlich kompliziert. Immerhin gehören viele der Frauen zur Risikogruppe. Besondere Vorsicht ist geboten.

Doch jene Basare sind eben nur das eine. Mindestens ebenso wichtig ist für viele, was in den Monaten zuvor passiert. Das wöchentliche Beisammensein, die gesellige Runde mit anderen Frauen, der Austausch mit Gleichgesinnten. "Das Vereinsleben ist fast auf dem Nullpunkt", sagt etwa Margit Schmidt, Vorsitzende der Alten-Busecker Landfrauen. Schmidt und ihre Landfrauen waren bislang immer beim Advent an der Brandsburg stark vertreten.

Doch schon früh ist ihr und ihren Mitstreiterinnen klar gewesen, dass die Pandemie keine Sache von einem Vierteljahr sein wird. So hatten sie beispielsweise darauf verzichtet, wie sonst üblich die Früchte der Saison einzukochen und im großen Stile Marmelade herzustellen. Immerhin ist auch die beim Advendsbasar äußerst gefragt.

Die beliebten Kaffeenachmittage sind ebenso gestrichen wie Ausflüge und Besichtigungen. "Schade, dass es so gekommen ist", sagt Schmidt.

Es ist das, was man immer wieder hört: Die Frauen vermissen das Wir-Gefühl, die Gemeinschaft. Schmidt erzählt, man rufe sich stattdessen mehr an, um in Kontakt zu bleiben. Für die bevorstehende Weihnachtszeit arbeitet der Vorstand der Landfrauen zudem an einem Konzept mit einem Ziel: Man möchte den Mitgliedern das Gefühl geben, dass sie nicht vergessen sind. Denn dass Vereinsamung zu den bitteren Nebenwirkungen des Pandemie gehört, ist offensichtlich.

Doch auch Außenstehende bekommen diese Auswirkungen zu spüren, etwa die Bewohner von Altenheimen. Ilse Brückel aus Heuchelheim, die seit gut 15 Jahren die Treffen der "Flinken Nadeln" organisiert, verweist drauf, dass nicht nur die Frauen des Strick- und Häkelkreises die wöchentlichen Treffen im AWO-Pflegeheim vermissen, sondern auch die Heimbewohner, die sich stets dazugesellten. Behelfen könne man sich derzeit nur punktuell, meint sie. Etwa, wenn man beim Spaziergang mal bei einer Kollegin an der Haustür vorbeischaue.

Manche versuchen, sich anderweitig zu behelfen. Weitergestrickt haben beispielsweise "Die Fingerfertigen" in Langgöns. Allerdings jede für sich, betont deren Sprecherin Liesel Puhl. Man strickt derzeit nach konkretem Bedarf. Aufträge nimmt sie telefonisch unter 0 64 03/41 13 entgegen.

Von den Corona-Beschränkungen ebenfalls nicht abschrecken lassen hat sich der Strick- und Bastelkreis der evangelischen Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg. Wie Organisatorin Karin Wegener mitteilt, werde der Basar zwar nicht stattfinden. Man wird aber am 20. und 27. November sowie am 4. Dezember auf dem Wochenmarkt freitags von 14 bis 17.30 Uhr mit einem Stand vertreten sein. Nach dem Motto: "Wenn die Leute nicht zu uns kommen, kommen wir zu ihnen." Sie müssten also nicht auf die Handarbeiten verzichten.

Seit dem Lockdown hatte man sich zunächst nicht mehr getroffen, aber dennoch fleißig gestrickt. Über 200 Paar Strümpfe, Schals, Mützen und Stulpen will man so nun eben unter freiem Himmel verkaufen. Denn der Erlös ist wie immer für einen guten Zweck bestimmt - 70 Prozent der Einnahmen werden wieder einem Hilfsprojekt von Brot für die Welt in Burkina Faso zugutekommen.

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