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Rein rechnerisch produzieren die Windräder in Mittelhessen Strom für 409 000 Haushalte. FOTO: DPA

Windenergie wächst weiter langsam

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Gießen(so). "Kurz erklärt, geht die Dreifelderwirtschaft so: Brachland - Ackerland - Bauland. Nur im Vogelsberg ist das noch zu steigern. Durch Land für Windkraft", witzelte Helmut Jung am gestrigen Mittwoch im Energie- und Umweltausschuss der Regionalversammlung Mittelhessen.

Als wenig später der Bericht zur Entwicklung der Windenergieanlagen in Mittelhessen aufgerufen wurde, da machten die Zahlen einmal mehr eindrucksvoll deutlich, was der Sozialdemokrat aus dem Landkreis Limburg-Weilburg meint: 264 Windräder stehen mittlerweile im Vogelsbergkreis - weit mehr als die Hälfte aller Windmühlen in Mittelhessen, 92 im Landkreis Marburg-Biedenkopf, 63 im Lahn-Dill-Kreis, 33 in Limburg-Weilburg - und ganze 16 im Kreis Gießen. Wobei da in absehbarer Zukunft noch ein paar hinzukommen könnten. Immerhin ist jetzt Ende Februar der Bau von drei Windrädern in der Gemarkung Staufenberg klargemacht worden.

Auch im Vogelsberg gibt es Genehmigungen für drei weitere Windräder, die derweil noch nicht gebaut sind. Weitere neun könnten im Kreis Limburg-Weilburg entstehen.

Die vorhandenen 468 Windräder in Mittelhessen haben immerhin eine Kapazität, um 409 000 Dreipersonenhaushalte mit Strom zu versorgen.

Doch unterm Strich war der Zuwachs in den vergangenen drei Jahren überaus verhalten. Warum das so ist, das verdeutlicht der Bericht, der dem Fachausschuss der Regionalversammlung vorgelegt wurde. Mit dem Jahr 2017 hatte es bekanntlich einen Vorzeichenwechsel gegeben, als staatlich fixierte Preise für Stromerzeugung den Kräften des freien Marktes ausgesetzt wurden. Das hatte insbesondere für die Projektierer von Anlagen eine neue Situation ergeben, in der sich diese erst einmal abwartend verhielten und neu orientierten. Im Jahr zuvor hatten dem genehmigenden Regierungspräsidium Mittelhessen noch so viele Anträge für Windräder vorgelegen wie kaum zuvor.

Jetzt gibt es hier und da wieder neue Genehmigungsverfahren - bei diesen sind aber die bestehenden Anlagen zu berücksichtigen, was wiederum bei der Prüfung der Umweltverträglichkeit eine Rolle spielt. Weiterer Faktor ist das Abprüfen von Nutzungskonflikten mit der Tier- und Pflanzenwelt.

Fast alle Standorte, die von den Rahmenbedingungen her unproblematisch sind, sind zudem bebaut. Jetzt sind die schwierigen Standorte im Blick.

Nicht zuletzt, so zeigt der Bericht, gibt es unverändert Widerstand in der Bevölkerung: Fast alle Verfahren der vergangenen Jahre wurden kritisch von Bürgerinitiativen begleitet. Wobei sich auch gezeigt hat, dass die Zurückhaltung von Projektierer und Investoren weniger auf Klagen oder Proteste zurückzuführen ist, sondern eben auf die geänderten Rahmenbedingungen. "Wir versuchen stets, unsere Genehmigungen rechtskonform so auszugestalten, dass sie vor dem Verwaltungsgericht Bestand haben", kommentierte Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich (CDU) selbstbewusst.

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