Willkommen im Denkmal

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Wenn sich am Sonntag in ganz Deutschland wieder Baudenkmäler für Besucher öffnen, ist erstmals auch das Heimatmuseum Annerod mit von der Partie. Dort, wo bis in die 1950er Jahre fleißig Bier gezapft wurde, steht die Geschichte des Hauses "Stellersch" im Mittelpunkt.

A ls 1993 in Deutschland der erste Tag des offenen Denkmals stattfand, wurde an der Sanierung des Anneröder Heimatmuseums noch mit allen zur Verfügung stehenden Händen gearbeitet. In diesem Jahr nimmt der Heimatverein mit seinem Museum erstmals an dem bundesweiten Aktionstag teil. Sein Motto: Stellersch - ein Haus mit Geschichte. Letztere wurde von den Mitgliedern um Vorsitzende Gisela Beling in den vergangenen Wochen aufgearbeitet und in Wort und Bild auf insgesamt fünf Schautafeln im ersten Stock des Fachwerkhauses anschaulich gemacht.

"Schon im vergangenen Jahr hatten wir darüber gesprochen, beim Tag des offenen Denkmals mitzumachen, den Gedanken dann aber wieder verworfen", erzählt Beling. Nun passt es perfekt, denn es gibt gleich zwei gute Gründe: Das Heimatmuseum besteht seit 25 Jahren, der Verein, der es betreibt, seit 30. Aus diesen Anlässen wird am kommenden Sonntag im Tiefenweg 40 ohnehin gefeiert. Warum also nicht gleich auch am Aktionstag teilnehmen?

Gesagt, getan. Ein Motto war nach der Jahreshauptversammlung im Februar schnell gefunden, doch die Recherche gestaltete sich schwierig. Sowohl was den Ursprung der Hausbezeichnung "Stellersch" angeht, als auch in Sachen Baugeschichte. "Wir alle kannten die frühere Gastwirtschaft nur unter dem Namen Engelhardt", berichtet Beling. Jene Familie, die das Anwesen 1990 an die Gemeinde verkauft hatte und die heute noch auf dem hinteren Teil des Grundstücks wohnt. Und genau zu dieser Dame führten Beling ihre Nachforschungen als erstes: Rosel Engelhardt, die Witwe des letzten Gastwirts, besitzt einen Familienstammbaum, den Beling genau studierte und sich mit den dort gefundenen Daten im Anneröder Familienbuch weiter auf die Suche machte. Mit Erfolg. Sie konnte die Wurzeln der Familie Engelhardt bis ins Jahr 1802 zurückverfolgen, dem Geburtsjahr von Caspar Dörr, einem Vorfahren der Engelhardts, dessen Tochter Anna Margareta 1847 einen Heinrich Steller heiratete. "So stieß ich auf den Hausnamen", sagt Beling. Ein Schild mit diesem hängt heute gut sichtbar an der Fassade.

Das Gebäude selbst wurde wohl schon lange vor 1802 gebaut. Hans Peter Holl, Vorstandsmitglied im Heimatverein, will das anhand eines Buches von Heinrich Walbe herausgefunden haben. Der geheime Baurat, Hochschulprofessor und Denkmalpfleger in Hessen hatte 1923 in einem Buch die Entwicklung des hessisch-fränkischen Fachwerks beschrieben - beginnend von der frühesten Gestaltung aus der Zeit um 1300. "Legt man seine Ausführungen zugrunde, muss das Gebäude zwischen 1550 und 1600 entstanden sein", sagt Holl. Aus der Art und Weise, wie die Hölzer am Haus gesetzt seien, lasse sich die ungefähre Entstehungszeit ableiten, denn der Fachwerkbau sei ständigen Veränderungen unterworfen gewesen. Eine genauere Datierung soll eine dendrochronologische Untersuchung bringen.

Früher wurde das Gebäude, das laut Holl in zwei, vielleicht sogar drei Bauphasen errichtet wurde, als Wohnhaus eines landwirtschaftlichen Anwesens genutzt, später zusätzlich als Gaststätte. Zwischen 1960 und 1980 führte Rudolf Engelhardt dort eine Poststelle. Seit 1990 befindet sich das Haus im Besitz der Gemeinde - die investierte damals übrigens rund 200 000 Mark in Kauf und Grundsanierung - und beherbergt nach Restaurierung durch den Heimatverein, der rund 4600 Arbeitsstunden und Eigenmittel einbrachte, seit 1994 das Museum. Hier finden Besucher vom Keller bis ins Dachgeschoss Möbel, landwirtschaftliche und handwerkliche Gerätschaften, Werkzeuge, Kleidung, Wäsche, Haushaltswaren und vieles andere mehr. Einfach alles, was zur Zeit der vorletzten Jahrhundertwende zum Leben in den Dörfern dazugehörte.

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