Im Kreis Gießen gibt es einige auch bei Urlaubern beliebte Radwege wie den Lahntalweg, der durch Ruttershausen führt. Das neue Radverkehrskonzept soll jedoch weniger den Radtourismus als das Radfahren im Alltag fördern. FOTO: LKL
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Im Kreis Gießen gibt es einige auch bei Urlaubern beliebte Radwege wie den Lahntalweg, der durch Ruttershausen führt. Das neue Radverkehrskonzept soll jedoch weniger den Radtourismus als das Radfahren im Alltag fördern. FOTO: LKL

Verkehr und Mobilität

So will der Kreis Gießen die Leute auf den Fahrrad-Sattel bringen

  • vonLena Karber
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Die Menschen im Landkreis Gießen fahren unterdurchschnittlich wenig Fahrrad. Um das zu ändern, soll investiert werden:

Etwa elf Prozent der Wege werden in der Bundesrepublik Deutschland mit dem Fahrrad zurückgelegt, in Hessen sind es nur etwa sieben. Für den Landkreis liegen zwar keine genauen Zahlen vor, doch hierzulande sind es noch weniger. Vermutlich, sagte Landrätin Anita Schneider gestern bei der Vorstellung des Radverkehrskonzeptes, liegt der Anteil gar nur bei drei bis vier Prozent: "Da ist Luft nach oben", betonte sie. Die Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sichere und gute Wege zur Verfügung gestellt werden.

Bereits 2017 hatte der Landkreis eine Ausschreibung vorgenommen und anschließend das Planungsbüro HS Ingenieure Linden mit der Erstellung des Radverkehrskonzeptes beauftragt. Da es in der Planungsphase zu Verzögerungen gekommen war, liegt dieses erst seit einigen Wochen vor. Dafür aber, sagte Schneider, sei es in enger Zusammenarbeit mit allen 18 Kommunen entstanden. Und auch erste Vorschläge vonseiten des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) und anderen Trägern öffentlicher Belange seien im Vorfeld der gestrigen Veröffentlichung bereits eingearbeitet worden.

Das Ergebnis: ein Gesamtkonzept, das insgesamt circa 1100 Kilometer Fahrradstrecke umfasst. 96 000 Euro hat seine Entwicklung gekostet, 42 000 Euro davon trägt das Land Hessen.

Kosten in Höhe von 139 Millionen Euro

Bei 23 Prozent des 1100 Kilometer langen "Wunschliniennetzes" besteht nach Ansicht des Planungsbüros Handlungsbedarf - entweder weil Schwachstellen festgestellt wurden oder weil Lücken im Streckennetz erst noch geschlossen werden müssten. Deswegen haben die Ingenieure insgesamt 171 Einzelmaßnahmen ausgewiesen, deren Durchführung zusammen nach Berechnung der Lindner Experten etwa 139 Millionen Euro kosten würden.

Ein ordentliches Sümmchen Geld, doch die jeweiligen Bauträger dürfen bei der Umsetzung der Maßnahmen mit finanzieller Unterstützung durch das Land Hessen rechnen - oftmals gehe es dabei um Zuschüsse in Höhe von etwa 75 Prozent, sagte Schneider. Bedingung für eine gute Förderung von Radwegprojekten sei jedoch oftmals, dass für den Landkreis eben ein solches Gesamtkonzept vorliege. "Wir haben die entsprechende Förderkulisse geschaffen", sagte sie. Empfehlungen für die Umsetzung inklusive.

Entscheidungen liegen bei den Kommunen

Allerdings handelt es sich nicht um eine Radwegeplanung, sondern um ein Radverkehrskonzept. Denn auch wenn die Planung in Abstimmung mit den Kommunen erstellt wurde und somit deren Interessen entspricht, hängt die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen letztlich von politischen Entscheidungen in den jeweiligen Orten ab.

Außerdem konnten in der Gesamtplanung bestimmte Faktoren wie die Eigentumsverhältnisse oder Fragen des Naturschutzes noch nicht berücksichtigt werden. Die jeweiligen Maßnahmen müssen also vor ihrer Umsetzung noch einmal einzeln geprüft und mit den entsprechenden Behörden und Institutionen abgestimmt werden. Aus diesem Grund ist auch die durch das Planungsbüro vorgenommene Priorisierung der Maßnahmen nicht als "Fahrplan" zu verstehen, der die Reihenfolge ihrer Durchführung festlegt.

Auch für E-Bikes und Pedelecs

Laut Schneider folgt das Konzept der Prämisse "direkt, schnell und sicher" und zielt auch darauf ab, den "schnellen Radverkehr", etwa durch E-Bikes und Pedelecs, zu fördern. "Es ist kein touristisches Konzept", betonte Schneider. Primär gehe es um die Erhöhung des Radverkehrs im Alltag. Entsprechend würden auch die Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr sowie Abstellanlagen an den Bahnhaltepunkten eine wichtige Rolle spielen.

Auch wenn es keinen Fahr- oder Zeitplan für die Umsetzung der Maßnahmen gibt, meinte Schneider, dass sie es begrüßen würde, einen Zeitraum von etwa zehn Jahren anzustreben. Bei den Straßen, für die der Kreis zuständig ist, werde man versuchen vieles begleitend umzusetzen, wenn ohnehin Maßnahmen anstünden. "Das erwarte ich jetzt auch von den Kommunen", sagte die Landrätin.

Öffentlichkeit soll einbezogen werden

Der Landkreis wird das Konzept auf seiner Homepage veröffentlichen. Interessierte werden gebeten, Rückmeldungen, Änderungs- und Verbesserungsvorschläge per Mail an radverkehrskonzept@lkgi.de zu senden. Dies ist zunächst bis zum 10. September möglich. Anonymisierte Mails werden nicht berücksichtigt. Zudem soll es einzelne Veranstaltungen im Landkreis geben.

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