Der TSV Oberkleen hält sein Angebot mit Kursen wie Line Dance attraktiv. Dennoch erforscht der Verein bei den Menschen im Dorf, wie sich ihr Sportverein für die Zukunft aufstellen soll. ARCHIVFOTO: CON
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Der TSV Oberkleen hält sein Angebot mit Kursen wie Line Dance attraktiv. Dennoch erforscht der Verein bei den Menschen im Dorf, wie sich ihr Sportverein für die Zukunft aufstellen soll. ARCHIVFOTO: CON

Was will das Dorf vom Verein?

  • Patrick Dehnhardt
    vonPatrick Dehnhardt
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Es sind Probleme, mit denen fast alle Vereine kämpfen: Kaum jemand will sich im Vorstand engagieren, zudem gehen die Mitgliederzahlen zurück. Beim TSV Oberkleen sind diese Sorgen zwar noch nicht zu groß. Dennoch hat der Verein nun die Initiative ergriffen: Er befragt das Dorf, wie die Zukunft des Vereins aussehen soll.

Treiben Sie regelmäßig Sport?", "Gehen Sie in ein Fitnessstudio?" oder "Kennen Sie unser Vereinsheim?": Diese und weitere Fragen finden sich in einem Fragebogen, den die Menschen in Oberkleen in ihrem Briefkasten fanden. Der TSV Oberkleen will sich für die Zukunft aufstellen - und fragt die Dorfbewohner, in welche Richtung es gehen soll.

Sportlich läuft es beim TSV Oberkleen eigentlich rund: Im Handball in der SG Kleenheim spielen die Männer in der Oberliga Hessen, bei den Frauen stellt man in Mittelhessen das wohl beste Team. Auch die Leichtathletikabteilung ist in der LG Langgöns-Oberkleen gut aufgestellt. Der Musikzug würde sich freilich noch über ein paar Aktive mehr freuen, und auch bei Veranstaltungen wie Fasching sind neue Besucher willkommen.

Trotzdem macht sich der Vorstand bereits Gedanken darüber, wie der Verein in Zukunft aussehen soll - um rechtzeitig die Weichen zu stellen. Vor allen Dingen würde ein Großteil der Vorstandsmitglieder das Amt gerne in jüngere Hände geben. Viele von ihnen sind bereits seit Jahrzehnten im Amt. "Ich mache das jetzt seit 39 Jahren", sagt zum Beispiel Vorsitzender Herbert Röhrich.

Und fügt scherzhaft hinzu, dass er und seine Mitstreiter als Rentner nun zumindest mehr Zeit für ihre Aufgaben hätten. Einmal hatte er sich schon einen Nachfolger ausgeguckt: Marius Reusch. "Ich hatte gehofft, er übernimmt den TSV. Aber jetzt ist Reusch Bürgermeister."

Um den Verein attraktiv zu halten, hat man auch neue Trends aufgegriffen, beispielsweise Zumba, Yoga oder Line Dance. "Teilweise hat sich das gelohnt, teilweise sind die Mitglieder aber auch den Trends gefolgt", sagt Röhrich. Heißt: Sobald es was Neues gab, sind sie in den nächsten Kurs gewechselt.

Zudem spüre man gerade bei den 20- bis 40-Jährigen, dass diese eher in ein Fitnessstudio gehen. "Die fehlen." Auch die Besucherzahlen bei den Spielen der Handballer sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. "Trotz guter Leistungen ist die Begeisterung im Dorf weniger geworden", sagt Röhrich.

Findet man keine Vorstandsmitglieder, sinken die Mitgliederzahlen, kommt niemand mehr zu den Veranstaltungen und nutzt keiner die Angebote, bedeutet dies für jeden Verein langfristig das Aus. Um schon vor Einsetzen einer solchen Entwicklung zu reagieren, hat sich der TSV-Vorstand gesagt: "Wir wollen das nicht hinnehmen und eine Aktion starten."

In einer ersten Stufe hat man alle Vereinsmitglieder unter 50 Jahren angesprochen, berichtet Röhrich. "Das hat ganz gut geklappt." Ein Arbeitskreis mit insgesamt acht Mitgliedern wurde gebildet, um die Lage zu analysieren und Ideen zu entwickeln.

In dieser Zeit stolperte der Vorsitzende über einen Bericht über den SV Gronau. "Die haben eine Dorfbefragung gemacht", sagt Röhrich. Die Oberkleener nahmen mit dem Vorstand des Vereins aus dem Stadtteil von Bad Vilbel Kontakt auf. "Sie waren sehr hilfsbereit." Als Blaupause stellten sie unter anderem ihren Fragebogen bereit, den die Oberkleener auf die Gegebenheiten ihres Vereins anpassten. In der nächsten Stufe wurde der Fragebogen im Dorf verteilt.

Auch auf der Internetseite www.tsv-oberkleen.de ist er zu finden. Noch bis zum 9. Februar läuft die Befragung. Bürgermeister Reusch und Ortsvorsteherin Peggy Engel warben dafür, an der Umfrage teilzunehmen.

Zur Halbzeit sind bereits rund 100 Fragebögen eingegangen. "Das ist eine gute Zahl", sagt Röhrich. Ausgewertet seien diese natürlich noch nicht. Was ihn jedoch bei einem ersten Blick über die anonymen Bögen freut: "Es wurde eigentlich nichts kritisiert."

Der TSV Oberkleen ist kein Einzelfall: Die meisten Vereine kämpfen mit den Problemen, neue Vorstandsmitglieder und Helfer zu finden sowie für ihre Mitglieder attraktive Angebote zu schaffen. TSV-Vorsitzender Röhrich sieht in der Fragebogenaktion darum eine gute Sache: "Diesen Weg kann man nur allen Vereinen empfehlen." Die Resonanz sei gut, zudem sei der TSV dadurch im Dorf positiv ins Gespräch gekommen.

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