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Anleinen, wo es nötig ist: Vor allem in der Brut- und Setzzeit sind über Wiesen tobende Hunde und deren Hinterlassenschaften eine Gefahr für Wildtiere.

Wiesen sind kein Allgemeingut

  • Gabriele Krämer
    vonGabriele Krämer
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Frei laufende Hunde und ihre Hinterlassenschaften sind in vielen Kommunen ein Stein des Anstoßes. Mit dem Ziel, einen alten Konflikt zu entschärfen, wird nun in Fernwald der Naturschutzbund aktiv und setzt auf besseres Miteinander.

Der Parkplatz im Rod, unmittelbar vor dem Gießener Wald an der B 457, ist ein von Spaziergängern und Hundehaltern bevorzugter Ausgangspunkt für Touren durch die gut überschaubare Gemarkung; auch viele Gießener steuern den Platz an.

Fast täglich ist zu beobachten , dass dort gleich mehrere Herrchen und Frauchen mit einem mehr oder weniger großen Rudel Hunde unterwegs sind. Ausgelassen tollen die Vierbeiner miteinander über das Gras. Und erleichtern sich. Nicht jeder Zweibeiner sieht sich dann in der Pflicht, die Hinterlassenschaften seiner tierischen Begleiter aufzusammeln und ordnungsgemäß zu entsorgen. »Mancher kommt auf die Idee, dieses Stück Land, das in Wirklichkeit eine Futterwiese ist, sei Allgemeingut und wunderbar geeignet, um die Hunde rennen und ihren Spaß haben zu lassen. Und die Hinterlassenschaften seien ein Naturprodukt, das dem natürlichen Kreislauf dient«, heißt es in einer Pressemitteilung des NABU Fernwald.

Bevor nun alles wieder grünt und sprießt, will man das Bewusstsein schärfen. Erste Rufe sind laut geworden, den Parkplatz im Rod zu schließen, um der zunehmenden »Vermüllung« der landwirtschaftlichen Nutzflächen einen Riegel vorzuschieben. Hauptargument: Hundekot gehört schließlich nicht in den Magen von Pflanzenfressern. Auch in der freien Landschaft muss er aufgesammelt und in dafür bereitgestellten Müllkörben entsorgt werden. Mit einem Flyer mit einer Auflage von 3880 Exemplaren und einer Veröffentlichung im aktuellen Gemeindeblatt möchte die NABU-Gruppe die Bevölkerung in Fernwald für das bislang recht konfliktbeladende Thema sensibilisieren.

Das Ziel der Aktion ist ein harmonischeres Miteinander in der Natur. »Rücksicht ist das Gebot der Stunde«, erläutert NABU-Vorsitzende Luise Klee. Ebenso wie ihre Vorstandskollegen plädiert auch sie für mehr Verständnis der verschiedenen Landschaftsnutzer untereinander.

Um negative Beispiele ist eine Pferdehalterin nicht verlegen: Wiederholt habe sie sich mit Hundehaltern auseinandersetzen müssen, die auf ihrer Koppel regelrechte Trampelpfade und sogar gefüllte Kotbeutel hinterlassen hätten, bilanziert die Steinbacherin. Nach »vielen frechen, pampigen und uneinsichtigen Antworten« werde sie nun versuchen, die Koppel durch das Anlegen von Trockenmauer und Wallhecken zu schützen.

Die Hinterlassenschaften der Vierbeiner in Wald und Flur sind nur eines von mehreren Problemen. Vom nahenden Frühling an sind über die Wiesen tobende Hunde auch eine Gefahr für Wildtiere, denn die haben nur diesen Platz. Die Wiesen, Hecken und Wälder sind ihr Wohnzimmer, ihr Rückzugsort. Von März bis September, der sogenannten Brut- und Setzzeit, eröffnen sie hier ihre Kinderstuben und ziehen ihre Jungen auf.

Rücksicht in freier Natur ist auch im »Begegnungsverkehr« gefordert. Der NABU appelliert nicht nur an Hundehalter, Radler, Reiter und Spaziergänger, sondern auch an Autofahrer. Zugeparkte Wirtschaftswege erschweren Landwirten die Anfahrt zu Äckern und Wiesen. Deshalb gilt: Pkw auf Parkplätzen abstellen.

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