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Für die Umgestaltung der Wieseckinsel sind verschiedene Variante denkbar. FOTOS. GECK

Wieseckinsel bleibt Dauerbrenner

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Solide Finanzen trotz Corona, breite Infrastruktur, gute Verkehrsanbindung. Buseck ist als Kommune attraktiv, steht eigentlich nicht schlecht da. Doch seit dem Bruch der rot-schwarzen Koalition vor gut zwei Jahren werden Debatten teils erbittert geführt. Gestritten wird etwa über neue Kita-Flächen und die Konsequenzen aus dem Betrug eines früheren Mitarbeiters.

Wie soll es mit der Gewerbeentwicklung weitergehen, wie mit der Wieseckinsel in Großen-Buseck und wie mit der interkommunalen Zusammenarbeit? Die Standpunkte der zur Kommunalwahl antretenden Parteien im Überblick.

?Auch wegen der günstigen Lage ist Buseck für Unternehmen ein attraktiver Standort. Wo und inwieweit sehen Sie Spielraum für weiteres gewerbliches Wachstum?

SPD: Flächen sind nicht vermehrbar und werden immer wertvoller, deshalb bedarf es sorgfältiger Entscheidungen bei Neuansiedlungen. Unter Bürgermeister Haas stand eine maßvolle Erweiterung des Gewerbegebietes Flößerweg und die Reaktivierung der Industriebrache im Gewerbegebiet Ost im Vordergrund. Auch zukünftig gilt es, Ökologie und Landwirtschaft, Minimierung des Flächenverbrauchs und Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze zu berücksichtigen. Die Gewerbesteuer ist weiterhin die tragende Säule gesunder Gemeindefinanzen.

Freie Wähler: Buseck hat in der Vergangenheit stets auf einen soliden Gewerbemix gesetzt, sodass Krisen einzelner Branchen nicht gleich den Standort gefährdeten, aber hochwertige Technologien und Arbeitsplätze geschaffen wurden. Die Ansiedlung von weiteren Logistikbetrieben ist ein klarer Irrweg, der große Flächen verbraucht, viel Verkehr verursacht und kaum Arbeitsplätze schafft. Buseck hat zunächst noch ausreichend Flächen im Vorrat. Qualität geht eindeutig vor Quantität und ungebremstem Flächenverbrauch.

CDU: Wir sehen Spielraum für Gewerbeflächen, die Wohnen und Arbeiten gleichermaßen ermöglichen und wollen keine weiteren Unternehmen, die die Verkehrsbelastung erhöhen. Wir sollten unsere Gewerbeflächen zwischen Großen-Buseck und Oppenrod und die weiteren freien Flächen in den Orten nutzen, die bereits im Flächennutzungsplan bestehen. Wir wünschen uns hier neue Nutzungsformen mit hohem ökologischem Standard. Junge innovative Unternehmen, die Arbeitsplätze mit Niveau schaffen, sollten wir fördern.

Grüne: Ein weiteres Wachsen durch Wohnbebauung oder Gewerbeansiedlung sollte an sehr strenge Regeln gebunden sein. So sollte Wasser, das wegen der Versiegelung nicht mehr versickern kann, aufgefangen und gespeichert werden. Die Dächer müssen zur Gewinnung von Sonnenenergie genutzt werden. Bisher schon in Buseck ansässige Unternehmen wollen wir bevorzugen. Eine Ausweitung von Gewerbegebieten und zusätzlicher Flächenverbrauch sind ökologisch bedenklich und sollten vermieden werden.

?Im Oktober haben alle Fraktionen einstimmig die Planung für die bauliche Erneuerung des Großen-Busecker Freibads auf den Weg gebracht. Davon abgesehen wurde die Umgestaltung der Wieseckinsel aber zunächst ausgeklammert, verschiedene Varianten sind denkbar. Was schlagen Sie konkret vor?

SPD: Wir diskutieren gerne über einzelne Bestandteile der Wieseckinsel. Für die SPD ist klar, dass das Freibad ein attraktives Umfeld benötigt. Bei intensiver Bürgerbeteiligung sind Ideen und Pläne für die Neugestaltung der Wieseckinsel als grüner Oase mit dem sanierten Freibad in seiner Mitte entwickelt worden. Bad, Parkanlage, Flussterrasse, Sportanlagen für Grundschule und Kita, sanierter Mühlgraben und Gewässeraufbesserung der Wieseck bilden eine hochwertige ökologische grüne und blaue Infrastruktur.

Freie Wähler: Wir Freien Wähler wollen eine ökologische Aufwertung der Südspitze des Geländes und keine neue Parklandschaft im Überschwemmungsgebiet, wir wollen den Mühlgraben erhalten und keine neuen Wasserläufe, wir wollen die Kleinmühle einbeziehen, am liebsten das Mühlrad wiederbeleben und so für unsere Kinder und Familien lieber Lern- und Freizeitangebote schaffen, anstatt Geld auszugeben für hochtrabende Pläne wie »Aussichtsplattform«, »Kaskadenwasserfall«, «Flussterrasse« sowie »Parks« und Parkplätze.

CDU: Uns war es sehr wichtig, dass wir die Entwicklung der Wieseckinsel und die Revitalisierung des Freibades voneinander getrennt haben. Neben dem Freibad und der Liegewiese mit Beach-Volleyballplatz wollen wir folgendes entstehen lassen: Revitalisierung des Mühlgrabens, Kooperationsprojekt mit den Kitas und Grundschulen auf der Fläche der Kleinmühle zwischen Freibad und der »Alten Schmiede«, Neubau eines Mehrgenerationenhauses, Schaffung temporärer Parkplätze während der Freibadsaison.

Grüne: Wir favorisieren eine komplette Umgestaltung des gesamten Areals. Der Förderschwerpunkt des Programmes Stadtumbau Hessen liegt bei den drei Punkten demografischer Wandel, grüner und blauer Infrastruktur. Es ist also wesentlicher Schwerpunkt, dass die Wieseckinsel zu einem attraktiven Gebiet umgebaut wird, auf dem sich Menschen allen Alters begegnen können. Dazu gehört für uns neben dem Freibad auch Sport- und Spielmöglichkeiten für Grundschulkinder, Jugendliche und Familien sowie eine allgemeine Verbesserung der Aufenthaltsqualität für die gesamte Bevölkerung auch außerhalb des Schwimmbades.

?Um Verwaltungsaufwand und teils auch Ausgaben zu verringern, setzen einige Städte und Gemeinden auf interkommunale Zusammenarbeit. Wie stehen Sie dazu - und in welchen Bereichen wäre das für Buseck sinnvoll?

SPD: Für uns eignen sich in erster Linie Bereiche, die eher »kundenfern« sind, d. h., die persönliche Ansprache steht nicht im Vordergrund. Beispiele für eine Zusammenarbeit sind Abrechnungen für Steuern/Gebühren, Personal, die Buchhaltung, Geräte für die Feuerwehr und interkommunale Gewerbeflächen. Ein Vorschlag von Bürgermeister Haas mit anderen Kommunen die Beförsterung unserer Wälder durch einen gemeinsamen Förster in eigene Hände zu nehmen, wurde bedauerlicherweise durch Ablehnung von FW und CDU verhindert.

Freie Wähler: Für uns Freie Wähler ist Interkommunale Kooperation eine der elementaren Zukunftsfragen. Es ist weder wirtschaftlich, noch ist es leistbar, alle heutigen Standards allein zu bewältigen. Längst arbeitet Buseck in Fragen der Abwasserbeseitigung oder der Energiegewinnung mit Nachbarkommunen zusammen. Wir Freie Wähler haben bereits die Zusammenarbeit der Gemeindewerke Buseck mit Nachbarkommunen angestoßen. Auch in Fragen der Digitalisierung ist eine Zusammenarbeit der Kommunen dringend erforderlich.

CDU: Interkommunale Zusammenarbeit wird uns in nächster Zeit stärker beschäftigen, weil es einfach sinnvoll ist. Für die Menschen steht die Dienstleistung im Vordergrund. Dort, wo Synergien erreicht werden können und die Qualität nicht schlechter oder sogar verbessert wird, sollten wir mehr mit unseren Nachbarn zusammenarbeiten. Wir wollen das für die Bereiche Bauhof, Ordnungsamt, Brandschutz, Personal- und Finanzverwaltung und Hoch- und Tiefbau. Mit Fachleuten in der Verwaltung für ein größeres Aufgabengebiet erreichen wir qualifiziertere Beschäftigte.

Grüne: Ein gutes und bereits umgesetztes Beispiel ist der gemeinsam mit Reiskirchen betriebene Wertstoffhof sowie die kommunenübergreifende Beschaffung im Bereich des Feuerwehrwesens. Vorstellbar wäre es im Bereich des Standesamtes, des Bauhofes, der zentralen Beschaffung oder der Jugendarbeit. Dabei sollte neben allen Einsparmöglichkeiten jedoch der Service für den Bürger nicht unter Einbußen leiden. Jeder Bürger sollte weiterhin kurze Wege haben, um die notwendigen Anliegen in der Gemeindeverwaltung erledigen zu können.

Die Ortsdurchfahrt in Alten-Buseck.
Die evangelischen Kirche in Großen-Buseck.
Das Gewerbegebiet Flößerweg in Alten-Buseck.

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