Henrich Dörmer an der Wüstung Hausen. Das verlassene Dorf ist Schauplatz seines vierten Kriminalromans. Momentan arbeitet er an Buch Nummer fünf. FOTO: PRIVAT
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Henrich Dörmer an der Wüstung Hausen. Das verlassene Dorf ist Schauplatz seines vierten Kriminalromans. Momentan arbeitet er an Buch Nummer fünf. FOTO: PRIVAT

Der Wiederholungstäter

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Er golft. Er spielt Theater. Und er schreibt. Vier Krimis mit regionalen Bezügen hat Henrich Dörmer bereits herausgebracht. Aktuell arbeitet der Autor aus Lich am fünften. Und träumt von einem Hörbuch.

Den Tatort gibt es tatsächlich. Und er ist sogar ausgeschildert. Wer auf halbem Weg zwischen Lich und Nieder-Bessingen nach links abbiegt, stößt bald auf den Hinweis "Wüstung Hausen". Im 15. Jahrhundert ist dieses einstige Dorf von seinen Bewohnern verlassen worden. Henrich Dörmer lässt es jetzt wieder lebendig werden. Die Mauerreste im Wald und ein alter Ausgrabungsbericht haben ihn zu einem Kriminalroman inspiriert. "Wüstes Hausen" heißt das mittlerweile vierte Buch des Autors aus Lich. Dörmer ist also Wiederholungstäter.

Man kann nicht sagen, dass der Mann unterbeschäftigt ist. Er golft. Er spielt Theater. Er engagiert sich für die Turmfreunde und gestaltet Stadtführungen mit. Drei Töchter hat er auch noch. Und einen Beruf: Vermögensbetreuer bei der Volksbank Mittelhessen. Da hätte es eigentlich nicht unbedingt noch ein Hobby gebraucht. Doch nach der Lektüre einiger Golf-Krimis - "ein eigenes kleines Genre" - hatte Dörmer plötzlich eine Story im Kopf. Er setzte sich hin und schrieb sie nieder. So entstand "Bunkerschlag", sein 2016 erschienenes Erstlingswerk um Kriminaloberkommissar Martin Benedikt Cervinus. Dem Unfallermittler vom Polizeipräsidium Gießen ist der Autor in allen seinen Büchern, die bei Books on Demand erscheinen, treu geblieben. Der Gerichtsmediziner Prof. Ernst Wiesenholder, ein Rüddingshäuser Platt sprechendes Original, und der Bettenhäuser Polizeiobermeister Egon Hirschmann gehören ebenfalls zum festen Personal. Auch in einem weiteren Punkt bleibt Dörmer sich treu: Alle seine Geschichten haben einen historischen Hintergrund. Kein Wunder: Dörmer ist "Kircheplatzgaukler"; seit 30 Jahren wirkt er mit beim Licher Historischen Spiel. "Da läuft einem immer mal eine Story aus der Stadtgeschichte über den Weg", sagt er.

Der Licher bezeichnet sich als "Schnellschreiber". Wenn er es sich mit seinem iPad mini und einer Bluetooth-Tastatur irgendwo gemütlich macht, strömen die Sätze nur so aus ihm heraus. Leider sind sie ziemlich lang. "Wie Spaghetti in einem Topf. Man muss sie entwirren", sagt der 47-Jährige selbstkritisch. Und hier kommt ein Mann ins Spiel, der für Dörmer so wichtig ist wie Pathologe Wiesenholder für Kommissar Cervinus. Er heißt Wolfgang Pappe, hat ein Berufsleben in der Verlagsbranche hinter sich und als Ruheständler genügend Zeit, um Dörmers Hang zu Schachtelsätzen und Detailreichtum im Zaum zu halten. "Ein großes Glück", sagt der Autor über seinen Lektor und Korrektor. "Wir sind wie Yin und Yang." Auch bei manchen Veranstaltungen ist Pappe dabei. Dann lesen die beiden Männer mit verteilten Rollen. Das bietet sich bei den vielen Dialogen auch an.

Die Lesungen, so der Eindruck, machen dem Autor mindestens so viel Spaß wie das Schreiben. Ob er eine Rampensau ist? Dörmer stutzt kurz bei dieser Frage. Dann lacht er. Und nickt. Und erzählt von seinem Traum, ein Hörbuch einzusprechen.

Viele Anregungen für seine Romane findet Dörmer ganz nebenbei. Er recherchiert aber auch intensiv. Und er hat ein paar zuverlässige Ideengeber. Mit seinem ehemaligen Geschichtslehrer von der Theo-Koch-Schule in Grünberg, Rolf Jürgen Löffler, genannt Leppo, steht er in regelmäßigem Austausch. Ehefrau Katharina hat ebenfalls ein gutes Näschen für historische Stoffe. Den alten Ausgrabungsbericht, auf dem "Wüstes Hausen" basiert, hat sie entdeckt.

Seit seinem Debüt 2016 hat Dörmer jedes Jahr ein neues Buch herausgebracht. Eigentlich wollte er eine Veschnaufpause einlegen. Doch dann nahm er an einer Führung auf dem ehemaligen Gießener Flughafen teil. Ein Gelände mit Geschichte, das beeindruckende Empfangsgebäude im Bauhausstil. Da sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Der Wiederholungstäter schreibt wieder. Einen Krimi aus dem Gießen der 20er Jahre. Er ist bei Kapitel Nummer sieben.

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