Mit ihrem Hygienekonzept im umgestalteten Kinosaal haben die "Traumstern"-Betreiber gute Erfahrungen gemacht. Am Montag müssen auch sie wieder schließen. ARCHIVFOTO: US
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Mit ihrem Hygienekonzept im umgestalteten Kinosaal haben die "Traumstern"-Betreiber gute Erfahrungen gemacht. Am Montag müssen auch sie wieder schließen. ARCHIVFOTO: US

Wieder bleibt die Leinwand dunkel

  • Ursula Sommerlad
    vonUrsula Sommerlad
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Als erstes Kino der Region hat das "Traumstern" in Lich im Mai gleich nach dem Ende des Lockdowns den Betrieb wieder- aufgenommen. Am kommenden Montag muss es erneut schließen. Die Zwangspause kommt zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Verglichen mit anderen Kinos hat sich das "Traum-stern" in den vergangenen Monaten gut geschlagen. Als erstes Kino in der Region nach dem Lockdown hatten die Licher bereits Mitte Mai den Betrieb wiederaufgenommen, jetzt werden sie erneut ausgebremst. "Ab Montag ist zu", sagt Kinobetreiber Edgar Langer. Alles weitere müsse man abwarten.

Der am Mittwoch verkündete sogenannte Wellenbrecher-Lockdown zur Eindämmung der Corona-Pandemie trifft das "Traumstern" in einem denkbar ungünstigen Moment. Langers Lachen am Telefon klingt ein bisschen sarkastisch: "Wir haben gerade ein paar Tausend Euro versenkt", sagt er mit Blick auf das November-Programmheft, das bereits gedruckt und jetzt Makulatur ist. Oliver Stellers Rilke-Programm fällt der Corona-Notbremse genauso zum Opfer wie das "Sneak-Konzert" von Allegria oder die Kombi von spanischem Film und spanischer Küche bei "Rosas Hochzeit".

Gleiches gilt für die Veranstaltungsreihe "9. November 1938 in Lich", die am Wochenende unter Regie des Vereins künstLich starten sollte. Den Veranstaltern war klar, dass die steigenden Infektionszahlen ein Risiko bedeuten, sie hatten bereits Video- und Streaming-Formate in Betracht gezogen. Doch nun fallen die Veranstaltungen flach. "Wir haben uns gestern Abend gleich getroffen und überlegt, wie es weitergehen könnte", berichtet Langer. "Es gibt ein paar schöne Ideen." Aber noch sei es zu früh für konkrete Pläne. Mitte kommender Woche werde man wohl klarer sehen.

Momentan hängen die Licher Kinomacher, wie alle in der Kultur- und Veranstaltungsbranche, wieder völlig in der Luft. Abmachungen mit Filmverleihen, Planungen mit Kooperationspartnern stehen nun allesamt unter einem großen Fragezeichen. "Wir hatten zuletzt ein paar schöne Veranstaltungen und viele Pläne", sagt Langer und verweist unter anderem auf die Zusammenarbeit mit dem Verein für Psychosoziale Therapie.

Die Maßnahmen zur Eindämmung der rasant steigenden Infektionszahlen treffen das "Traumstern" völlig unverschuldet. "Ich habe hier kistenweise Adressen. Da war nie irgendwas und auch keine Meldung auf der Corona-App", sagt Langer. Für ihn der Beweis, dass das Hygienekonzept des Kinos funktioniert hat. "Wir haben das gemeinsam mit dem Publikum gut hingekriegt. Da ist keiner ohne Maske reingegangen."

Im Mai hatten Langer, sein Kollege Hans Gsänger und ihr Team den großen Kinosaal komplett umgekrempelt. Die räumlichen Gegebenheiten in dem älteren Gebäude erwiesen sich dabei von Vorteil. Das "Traumstern" hat nur einen einzigen Saal mit normalerweise fast 200 Plätzen. Durch die Demontage der Sessel in der Mitte wurden die langen Reihen halbiert. Wenn die Besucher abwechselnd innen und außen Platz nahmen, kamen sie sich nicht in die Quere. Kontaktdaten mussten hinterlassen werden, Maske tragen beim Rein- und Rausgehen war selbstverständlich und seit vergangenem Samstag auch während der Vorstellung Pflicht.

Obwohl im "Traumstern" seit Mai nur 50 Besucherplätze zur Verfügung standen - also lediglich ein Viertel - wollen die Betreiber über die Zahlen nicht klagen. "Wir haben etwa die Hälfte der Besucher, die wir brauchen", berichtet Langer. "Aber es gab die Hilfsprogramme, und mit den Kinopreisen habe es auch gut geklappt. "Die Lage war nicht bedrohlich."

Wie es weitergeht, werden die kommenden Tage zeigen. "Bis Mittwoch wissen wir hoffentlich mehr", sagt Langer und bemüht sich um Gelassenheit. "Da müssen wir jetzt alle durch."

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