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Die Meinungen über das künftige Baugebiet am Rande von Ruttershausen gehen deutlich auseinander.

Wie stark soll Lollar wachsen?

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Kürzlich hat das Lollarer Parlament einen Haushalt mit Defizit beschlossen. Es kann zwar ausgeglichen werden, doch die Sanierung des Hallenbaddachs ist noch nicht eingepreist. Wie wollen die Parteien damit verfahren? Wie wollen sie Zusammenhalt stärken - und welche Ausmaße soll das Baugebiet bei Ruttershausen haben? Die Standpunkte im Überblick.

?Wie soll die Stadt konkret mit dem möglichen Baugebiet am Ortsrand von Ruttershausen verfahren?

SPD: Nicht mehr als 30 Bauplätze sollen entstehen. Dies wurde als unproblematisch von den Beteiligten gesehen. Die Baulandentwicklung in Ruttershausen ist damit abgeschlossen. Lollar bietet unter anderem eine gute Verkehrsanbindung. Dies führt zu vielen Interessenten für den Bau/Erwerb von Wohneigentum. Insbesondere junge Lollarer Familien sollen deshalb zum Zug kommen, dies sehen Vergabekriterien vor. Dabei soll zum Beispiel berücksichtigt werden, wenn Menschen sich ehrenamtlich engagieren.

CDU: Die vorliegende Planung muss vollständig gestoppt werden. Wie auf der Bürgerversammlung dargestellt, umfasst der erste von acht Abschnitten neben 30 bis 35 Bauplätzen auch eine Zubringerstraße und Entwässerungsmaßnahmen, sodass Fakten für die nächsten Jahre geschaffen werden. Die hohe Nachfrage wird dafür sorgen, dass die Befürworter den Plan sukzessive umsetzen. Wir möchten lediglich 10 bis 12 Bauplätze auf der unbebauten Seite des Rosenwegs für den lokalen Bedarf entwickeln.

Grüne: Wir unterstützen ein »Teilprojekt«, wenn folgende Forderungen umgesetzt werden: Nur Variante W1 (hinter Firma Weimar/Grasweg) mit maximal 2,76 ha soll entwickelt werden. Vergabekriterien (Einheimischen-Regelung) werden angewandt, Klimaschutzkriterien umgesetzt (erneuerbare Energien, nachhaltiges Bauen). Es sollte auch Wohnraum für einkommensschwächere Familien geschaffen werden. Den Flächennutzungsplan für die große Bebauung haben alle Fraktionen 2006 einstimmig beschlossen.

FDP: Das mögliche Baugebiet soll behutsam und bedarfsgerecht entwickelt werden. Wir streben eine schrittweise Erweiterung zu einem späteren Zeitpunkt an, da zurzeit pandemiebedingt die wirtschaftliche Situation sowohl für potenzielle Bauherrn als auch für die Kommune noch völlig unklar ist. Wir wollen vielen Menschen die Chance geben, in unserer Stadt zu bauen. Nach gebührender, rechtlicher Prüfung möchten wir Familien und Personen bei der Bauplatzvergabe bevorzugen, die in Lollar wohnen oder dort ihren Arbeitsplatz haben.

?Das Lollarer Hallenbad bedarf wegen des maroden Dachs dringend einer Sanierung. Träger sind die Kommunen Lollar und Staufenberg. Was schlagen Sie vor, um das Hallenbad für die Zukunft zu sichern?

SPD: Das Hallenbad ist eine unverzichtbare Sportstätte für uns in Lollar. Daher setzen wir alles daran, es zu erhalten. Die Sporthalle Nord soll vom Landkreis kernsaniert werden. Es macht Sinn, diesen Gebäudekomplex als Sportzentrum zu sehen und somit auch die Dachsanierung des Hallenbades miteinzubeziehen. Gleichzeitig müssen weitere Fördermöglichkeiten geprüft werden. Denn die Nutzung für den Schwimmunterricht ist elementar. Wir brauchen verlässliche Zahlen, was die Sanierung kosten wird, um zu sehen, welchen Anteil Lollar und Staufenberg zu tragen haben.

CDU: Das Hallenbad ist sehr wichtig für Lollar, die CBES, die DLRG und die Bevölkerung. Vom Baby bis zur älteren Generation dient es der Erholung und der Gesundheit. Viele von uns aus der CDU haben dort selbst das Seepferdchen gemacht. Das Hallenbad muss unbedingt erhalten werden und mit finanzieller Hilfe vom Land Hessen und dem Landkreis fachgerecht und dauerhaft instandgesetzt werden. Hoffentlich wird man aus den vergangenen Fehlern lernen, die zu der aktuellen Situation geführt haben.

Grüne: Das Hallenbad muss unbedingt erhalten werden. Hier wird ein wichtiges Angebot, auch für gesunde Freizeitaktivität, gemacht. Es ist unerlässlich, dass den Schülern der CBES, der Grundschulen von Lollar, Staufenberg und Allendorf weiterhin Schwimmunterricht erteilt werden kann. Alle Förderungen durch Kreis, Land und Bund sind auszuschöpfen. Zudem sollte man versuchen, Sponsoren zu finden und Spenden einzuwerben. Auf dem Dach sollte möglichst eine Fotovoltaikanlage (Bürgersolaranlage) erstellt werden.

FDP: Das Hallenbad soll nach seiner Sanierung attraktiver und besser zugänglich sein, dazu gehören deutlich erweiterte Öffnungszeiten für alle Bürger und mehr gebündelte Informationen über die Angebote der dort aktiven Vereine. Gelder aus verschiedenen Quellen zu generieren (Förderprogramme etc.), ist unverzichtbar, um die Finanzierung auf eine breitere Basis zu stellen.

?Lollar ist eine bunte Stadt. Was wollen Sie tun, um das Miteinander der verschiedenen Communities und Nationalitäten in der Kommune über bestehende Angebote und Initiativen hinaus zu stärken?

SPD: Die Integrationsbeauftragte Carolin Müller und ihr Team bieten ein breites Angebot, das erhalten und gestärkt werden muss. Eine stärkere Vernetzung von Kitas, Vereinen, Schulen und Jugendpflege ist wichtig. Ein funktionierender Ausländerbeirat ist ein weiterer Baustein. An diesen sind hohe Erwartungen geknüpft, in dem Wissen, dass er Unterstützung braucht. Als drittes: der Förderverein Aktive Nachbarschaften zur Förderung eines bedarfsgerechten Beratungs- und Hilfsangebotes.

CDU: Als Lollarer wächst man mit kultureller Vielfalt auf und weiß sie zu schätzen. Als Schlüssel zu einem wirklichen Miteinander kann vor allem die gemeinsame Sprache angesehen werden. Daher sollten Lernangebote für Deutsch als Alltags- und Umgangssprache ausgebaut werden. Insofern sollte es anders gefördert und durchaus stärker gefordert werden, sich auch außerhalb der eigenen Community zu bewegen. Der Schmaad- leckermarkt kann Beispiel und Anknüpfungspunkt für mehr kulturellen Austausch sein.

Grüne: Wir arbeiten schon immer daran, auch durch Austausch mit der Integrationsbeauftragten und dem Jugendpfleger, dass allen Mitbürgern die Vorteile dieser Vielfalt bewusst werden. Auch dank aktiver Fürsprache durch uns wird Lollar wieder einen Ausländerbeirat haben. Wir wünschen uns eine aktive Zusammenarbeit. Gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen Bevölkerungsgruppen könnten etwa mit dem Förderverein Aktive Nachbarschaften organisiert werden, denn Kennenlernen schafft Verständnis und Vertrauen. Es soll mehr miteinander als übereinander geredet werden.

FDP: Der Zusammenhalt zwischen den Kulturen kann nur durch eine deutlich verstärkte Zusammenarbeit aller hier in Lollar aktiven Institutionen verbessert werden. Mehr Informationen und ein koordiniertes Angebot an Kultur- und Freizeitaktivitäten sollen auf der Internetseite der Stadt Lollar sichtbar sein. Die Berichte der Integrationsbeauftragten sollten öfter als bisher Thema in der Stadtverordnetenversammlung sein. Wir hoffen sehr auf neue Perspektiven durch gute Zusammenarbeit mit dem neu gewählten Ausländerbeirat.

Auch das Miteinander verschiedener Communities ist ein Thema in Lollar. Das Foto zeigt das Eisengießer-Denkmal.

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