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Dachdeckerunternehmen sind Meisterbetriebe. Das stellt sicher, dass die Arbeit ordentlich gemacht wird.

Wider die Schwarzarbeit

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Die Kreishandwerkerschaft Gießen und etliche Partner kämpfen für fairen Wettbewerb im regionalen Handwerk. Nach rund einem Jahr ziehen sie ein positives Fazit.

Oma Müller hat einen Hausmeisterservice beauftragt, der bei ihr Rasen mäht, den Gehweg fegt und im Winter den Schnee wegräumt. Als der Lichtschalter in der Küche kaputtgeht, da hilft der freundliche junge Mann vom Hausmeisterservice weiter und ersetzt das defekte Teil. Er schaut auch nach der Heizung, als die streikt. Und als Oma Müller im Erdgeschoss neben dem Schlafzimmer ein kleines Bad eingebaut haben will, weil die Treppe ins Obergeschoss so beschwerlich ist, da erledigt das der Allround-Handwerker ebenfalls.

"Darf so nicht sein", sagt Björn Hendrischke. Der Geschäftsführer der Kreishandwer-kerschaft und seine Mitarbeiter haben seit Mai 2018 noch mehr als früher ein Auge darauf, dass die Handwerksordnung eingehalten wird. Als "Innungshüter" bekämpfen sie unerlaubte Handwerksausübung und Schwarzarbeit. Im Interesse der Innungsbetriebe ebenso wie im Interesse der Auftraggeber und Kunden. Denn wenn ein Handwerker artfremd arbeitet und dabei pfuscht, dann fällt es auf alle im Handwerk zurück. Von Fragen der Gewährleistung oder von Sicherheitsaspekten bei Eingriffen etwa in Haustechnik ganz zu schweigen. Letztlich ist es also eine Frage von Verbraucherschutz.

Wobei das Beispiel des Hausmeisterservice bei Oma Müller zufällig gewählt ist: Es könnte auch ein Gerüstbauer sein, der Dachdeckerarbeiten mit anbietet

Im Frühling 2018 hat die Kreishandwer-kerschaft das sogenannte "Regensburger Modell" aus der Taufe gehoben: Innungsbetriebe, Zoll, Aufsichtsbehörden, Berufsgenossenschaften, Gewerkschaften und Sozialkassen ziehen an einem Strang, um fairen Wettbewerb im regionalen Handwerk sicherzustellen. Sie ziehen nach knapp einem Jahr im gemeinsamen Kampf gegen Wettbewerbsverstöße durch unerlaubte Handwerksausübung und Schwarzarbeit ein sehr positives Fazit.

139 Abmahnungen

139 Fälle sind im Kreis Gießen seit Mai 2018 bereits aktenkundig geworden und haben Abmahnungen nach sich gezogen. In 102 Fällen haben betroffene Handwerker oder Dienstleister auch Unterlassungserklärungen abgegeben. Sechsmal wurde auch die Steuerfahndung eingeschaltet - das zeigt die Dimension der Angelegenheit. Vielen eingetragenen Innungsbetrieben ist es schon lange ein Dorn im Auge, sagt Hendrischke. Handwerker, die - teils aus Unwissenheit, teils aus Kalkül - mit Handwerksleistungen werben, obwohl sie mit diesen Gewerken nicht in die Handwerksrolle eingetragen sind und mit Billigangeboten locken. Bereits das Werben dafür stellt einen Wettbewerbsverstoß dar.

Wie aber arbeiten die Innungshüter ganz konkret? Sie gehen entsprechenden Hinweisen etwa von Bürgern oder Handwerksbetrieben nach und setzen darüber hinaus auf eigenen Recherche: Bei Google, in Online-Gewerberegistern, in Internetauftritten, auf Facebook. Im Blick sind aber auch klassische Werbeflyer oder Werbeaufschriften auf Firmen-Pkw. Wird mit einer Handwerksleistung geworben, für die keine Eintragung in der Handwerksrolle vorliegt, so ist das eine unerlaubte Handwerksausübung. Die Folge: Eine Abmahnung nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Zudem wird dann eine Unterlassungserklärung gefordert, in der sich der Betrieb verpflichtet, das ungenehmigte Arbeiten zu unterlassen - ansonsten droht nämlich eine Geldstrafe.

Hendrischke stellt aber auch klar: "Wir wollen niemanden kriminalisieren". Viel wissen einfach nicht, wie die Handwerksordnung funktioniert. Ergo gehe man mit Fingerspitzengefühl heran und setze auf Beratung.

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