"Wichtig ist die Kommunikation"

  • Rüdiger Soßdorf
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In der kommenden Woche soll entschieden werden, wie es mit dem Unterricht für die hessischen Schüler weitergeht. Carolin Schleenbecker leitet die Wilhelm-Leuschner-Schule in Heuchelheim. Sie gibt Einblick in die Arbeit auf Abstand und die Perspektiven des Homeschooling für Grundschüler.

Das "Fliegen auf Sicht" ist in diesen Tagen eines der häufig bemühten Bilder, wenn es um Entscheidungen und deren Reichweite geht. Das gilt auch für die Schulen und die Zukunft des Präsenzunterrichts. Vor Wochenfrist erst wurde die geplante Rückkehr der Viertklässler an die hessischen Grundschulen gerichtlich gestoppt - ergo richtete sich der Blick vieler Eltern und Lehrer auf den vergangenen Donnerstag. In der Hoffnung auf eine verbindliche Aussage, wann und wie der Unterricht an welchen Schulen wieder startet.

Aber: Eine Entscheidung ist auf die kommende Woche vertagt. Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) geht davon aus, dass zuerst die weiterführenden Schulen wieder in Präsenzunterricht starten, und dann die Grundschulen folgen. Lorz spricht dabei von einem "Mix aus Präsenzunterricht und Homeschooling" (siehe Interview auf Seite 9).

Was die aktuelle Situation und die Planung für die kommenden Woche bedeutet, das erklärt Carolin Schleenbecker. Sie leitet die Wilhelm-Leuschner-Schule in Heuchelheim, mit rund 300 Schülern und einem 25-köpfigen Lehrerteam eine der größeren Grundschulen im Landkreis Gießen.

Vor Wochenfrist war alles dafür gerichtet, dass die Viertklässler wieder in die Schule kommen können: Tische in den Klassenräumen sind so gestellt, dass die geforderten Mindestabstände eingehalten werden, Auf dem Boden sind die nötigen Markierungen aufgeklebt. Dazu ist die Heuchelheimer Schule mit Mundschutz gut ausgestattet: 150 Stück hat der Förderverein nähen lassen, weitere 150 hat Schunk gespendet. "Hier merkt man, wie viel Solidarität es gibt", freut sich die 55-jährige Schulleiterin.

Aber wie das funktionieren soll, wenn alle 300 Kinder auf einmal wieder da sind, das weiß Schleenbecker auch noch nicht so recht. "Einerseits ist es total wichtig, dass Schulen bald wieder aufmachen, sagt sie. Kinder brauchten diese Strukturen, fragten auch danach. "Sie brauchen die vertrauten Gesichter ihrer Freunde, ihrer Lehrer, wünschen sich diese Nähe", sagt die erfahrene Pädagogin. Die Eltern wiederum brauchen die Betreuung, um wieder normal arbeiten gehen zu können, weiß sie. Anderseits: Sicherheit und Gesundheit sind ebenfalls höchste Güter.

"Womöglich geht Präsenzunterricht vorerst nur in Schichten, in kleineren Gruppen", sagt die Heuchelheimer Schulleiterin. Und wartet wie alle anderen auch, welche Empfehlungen und Richtlinien aus dem Kulturministerium und dem Schulamt kommen.

Derzeit sind an der Heuchelheimer Grundschule täglich nur zwischen acht und zehn Kinder in der Notbetreuung, die die Schule anbietet. Doch das heißt längst nicht, dass nichts zu tun ist. Carolin Schleenbecker hat zusammen mit ihrer Kollegin Katja Mank am Donnerstag die Notbetreuungspläne geschrieben. Denn das Betreuungspersonal, das sonst im Ganztagsangebot arbeitet, ist ab Mai in Kurzarbeit. Die Notbetreuung wird gemeinsam von Lehrern und Ganztagspersonal abgedeckt.

Darüber hinaus sind die Kolleginnen und Kollegen täglich damit beschäftigt, den Unterricht der Kinder zu Hause zu organisieren. "Wir wissen um die Sorgen und Nöte der Eltern", sagt Schleenbecker "Sie haben ihren Job, haben die Betreuung der Kinder den ganzen Tag über und sind dann noch in das Unterrichten eingebunden".

Wichtig ist da die enge Kommunikation zwischen Eltern und Klassenlehrern, um alles zu regeln. Damit eben niemand überfordert wird, damit niemand auf der Strecke bleibt. Ihre Kolleginnen und Kollegen sind, sagt die Schulleiterin, per Mail eigentlich immer erreichbar. Etliche haben auch ihre Handy-Nummern in den Klassen weitergegeben. Wichtig darüber hinaus ist es, einen strukturierten Tagesablauf hinzubekommen.

Konrektorin Mank hat am Donnerstagnachmittag noch Päckchen ausgefahren: Nicht alle Familien können über dass Programm "IServ" mit Unterrichtmaterial versorgt werden. Video-Unterricht oder Telefon-Schalten sind mit Grundschülern ohnehin noch nicht machbar. Homeschooling funktioniert in den oberen Stufen wohl etwas besser, so die Beobachtung der Pädagogin aus Heuchelheim. Und manchmal scheitert es an ganz praktischen Dingen: Die eine oder andere Familie hat beispielsweise keinen Drucker, um Arbeitsblätter auszudrucken. Also wird klassisch analog geliefert.

Genauso macht es auch die Kunstlehrerin: Sie hat für die Kinder Päckchen mit Material und Anleitungen zusammengestellt, damit sie zu Hause etwas zum kommenden Muttertag basteln können.

"Kreativität im Organisieren ist gefragt", lacht Schleenbecker. Und ergänzte mit dem ihr eigenen, ansteckenden Optimismus: "Aber da sind wir schon immer groß drin. Und es läuft erstaunlich viel und gut trotz Corona!"

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