Ein Zeichen wider das Vergessen

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Wettenberg (mo). Aus Anlass des 80. Jahrestages des Kriegsgbeginns veranstaltete die Freireligiöse Gemeinde Krofdorf-Gleiberg einen Mahngang. Ausgehend vom Sorgues-Platz bis zur Mehrzweckhalle wurden von Dieter Bender, dem Vorsteher der Gemeinde, an 16 Stationen über eine Wegstrecke von 2,3 Kilometern Einblicke in die verdrängte und vergessene Geschichte des Wettenberger Ortsteils gegeben. Überraschend und neu war für die meisten bereits die Geschichte des Baus der Gemeindeverwaltung, die als HJ-Heim begann. Mit der Erinnerung an die vertriebenen und getöteten Juden, an die Kinder und Alten, die man in den Anstalten umbrachte, an die Verschleppten, die man zur Arbeit zwang, darunter auch Kinder, an die Verfolgten und Verjagten, an die Ausgegrenzten, die man sterilisierte, wollte der Veranstalter ein Zeichen setzen, dass sich so etwas nie wieder ereignen dürfe.

Zu den Stationen gehörten die verlegten Stolpersteine und die Gedenktafeln für die jüdischen Mitbürger und die Menschen, die Widerstand geleistet hatten. Einige der historischen Stätten existieren mittlerweile nicht mehr und konnten nur noch auf Fototafeln gezeigt werden: Die Lateinschule in Gleiberg etwa, wo Ewald Schmidt, der Mann mit dem Handwagen, den man zwangssterilisierte, einst gewohnt hat. Das Gasthaus der Brauerei Abel, wo holländische Zwangsarbeiter untergebracht waren, das Gasthaus Moos, der Treffpunkt der Nazis.

An der ehemaligen Turnhalle, die 1944 beschlagnahmt wurde und als provisorisches Zwangsarbeiterlager diente, erinnerte Bender an die 15-jährige Russin Maria Loginowa, die bei Dönges in der Stanzerei arbeiten musste und, als sie erkrankte, nach Hadamar geschafft und umgebracht wurde. Den Schlusspunkt der Führung bildete Brechts Mahnung: "Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch", als Aufforderung, wachsam zu sein und den Anfängen zu wehren.

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