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ZDF-Küchenschlacht: Michelle Ghofrani aus Wettenberg holt Sieg

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Sie kam, kochte und siegte: Michelle Ghofrani hat die erste Runde der ZDF-Küchenschlacht für sich entschieden. Jetzt macht die Medizinerin aus Wettenberg das Kochen zu ihrem Beruf.

Am Herd ist Michelle Ghofrani ganz in ihrem Element. Aber wenn davor ein Moderator und mehrere Kameras stehen und zusätzlich noch die Zeit läuft, kann einem schon etwas mulmig gehen. "Ich war ganz schön aufgeregt", erzählt die 38-Jährige über ihre Teilnahme an der ZDF-Küchenschlacht. Seit letztem Montag konnten die Zuschauer fünf Tage lang verfolgen, wie sich Ghofrani gegenüber ihren fünf Mitbewerber schlägt. Die Antwort lautet: ganz hervorragend. Als Wochen-Siegerin darf die Wettenbergerin an der Champions Week teilnehmen. "Das wird wohl ein anderes Kaliber", sagt die Medizinerin, die bereits an den Rezepten für diese zweite und schwerere Runde tüftelt.

In Singapur geboren, in Essen aufgewachsen. Die Mutter mit indischen, der Ehemann mit persischen Wurzeln: Michelle Ghofrani ist eine echte Weltbürgerin. Unterschiedliche Küchentraditionen haben sie von klein auf geprägt. Ebenfalls ganz wichtig: "Bei uns zu Hause kam jeden Tag selbstgekochtes frisches Essen auf dem Tisch."

ZDF-Küchenschlacht: Studium wurde zu Food-Trip

Als Studentin hat sie sich dann selbst an den Herd gestellt. Und weil sie etliche Praktika im Ausland absolvierte, geriet das Studium zu einem richtigen Food-Trip. "Ich habe mir viel selbst beigebracht, viel ausprobiert und viel gelesen." Den letzten Kick aber bekam Ghofrani in London, wo sie in den vergangenen zwölf Jahren in der Pharmabranche tätig war. Genau der richtige Ort für sie. "Die Stadt ist ein melting pot, und es wird richtig authentisch gekocht." Außerdem bieten viele Köche Kurse an. Solche Gelegenheiten hat die Medizinerin genutzt. "Das war wie ein zweites Studium." Wenn sie dann für Freunde kochte, bekam sie immer häufiger zu hören: "Oh wie lecker, das musst du mir beibringen." Das Ende vom Lied: Einmal wöchentlich lud Ghofrani zu sich nach Hause zu Kochabenden ein. "Einfach nur so", wie sie erzählt.

Ein Mann hat ihr Leben verändert. Aus Liebe zu Ardeschir Ghofrani, dem renommierten Gießener Lungenspezialisten, kehrte die 38-Jährige London den Rücken. Seit letztem Sommer lebt sie mit ihrer Patchwork-Familie, zu der zwei erwachsene Töchter und zwei 13 und acht Jahre alte Söhne gehören, in Wettenberg. Und weil sie nicht nur England, sondern auch ihrem Job bye-bye gesagt hat, musste sie sich beruflich neu orientieren. Ghofrani eröffnete eine Kochschule, die "Melting Pot Kitchen". Dass sie parallel dazu an der "Küchenschlacht" teilnehmen würde, war nicht geplant. Ihr Mann hat sie ohne ihr Wissen angemeldet. Als die Einladung kam, hat sie große Augen gemacht. "Ich kannte die Sendung kaum, ich hatte sie vielleicht zweimal gesehen. Aber ich habe meinem Mann vertraut." Dennoch: Ein paar Bedenken musste sie beiseite schieben. "Meine Angst war, dass ich gleich in der ersten oder zweiten Folge rausfliege. Das wäre keine gute Werbung gewesen für jemanden, der gerade eine Kochschule eröffnet."

Bei uns zu Hause kam jeden Tag selbst gekochtes frisches Essen auf den Tisch

Michelle Ghofrani

Es sollte anders kommen. Die Dreharbeiten in Hamburg haben der Wettenbergerin richtig Auftrieb gegeben. Weniger wegen des Erfolgs, sondern vor allem wegen des positiven Feedbacks und der vielen Gespräche mit den Juroren. Ghofrani und ihre Mitbewerber mussten vor Thomas Martin, Christoph Rüffer, Cornelia Poletto, Jan Hartwig und Karlheinz Hauser bestehen. "Da waren zehn Sterne versammelt", berichtet Ghofrani. "Wenn ich die begeistern konnten, dann wird mir das wohl auch bei guten Hobbyköchen und anderen Foodies gelingen."

ZDF-Küchenschlacht: Ihr Mann stoppte die Zeit

Dass ihr das indische Butterhuhn, ein raffiniert gefüllter Raviolo oder das aromatische Thai-Curry vor der Kamera so gut gelungen sind, kam nicht von ungefähr. Michelle Ghofrani hat sich auf die Küchenschlacht akribisch vorbereitet. "Wenn man es gut machen will, muss man proben." Also hat sie die Rezepte immer wieder gekocht. Ihr Mann, ebenfalls ein begeisterter Koch, hat derweil die Zeit gestoppt, denn länger als 35 Minuten darf die Zubereitung in der Kochshow nicht dauern. "Schaffe ich es in der Zeit und mit dem Geschmack, den ich haben will?" Das war die große Frage und eine echte Herausforderung für die Köchin, die sich sonst gerne Zeit lässt.

Momentan steht Michelle Ghofrani wieder häufig am Herd. Sie bereitet sich nicht nur auf die Küchenschlacht-Champions Week vor, sondern auch auf die Kurse, die sie in ihrer "Melting Pot Kitchen" in Wettenberg anbietet. Die Konzepte u.a. für "Pasta, Pasta", "Echt Orientalisch" oder "Thai ganz klassisch" stehen bereits. Aber die Chefin hat neue Ideen. Zum Beispiel für Vegetarisches. "Da bekomme ich viele Anfragen." Oder für schnelle Gerichte, nicht zuletzt für berurstätige Eltern. Damit deren Kinder die gleiche Erfahrung machen, die Michelle Ghofrani so sehr geprägt hat: jeden Tag frisch zubereitetes Essen auf dem Tisch.

Info

ZDF-Küchenschlacht

In der ZDF-Küchenschlacht geht es ein bisschen zu wie bei der Reise nach Jerusalem. Jede Woche, von Montag bis Freitag, treten sechs Hobby-Köche gegeneinander an. Renommierte Köche – jeden Tag ein anderer – verkosten deren Gerichte und entscheiden, wer weitermachen darf. Täglich scheidet ein Kandidat aus, so dass in der fünften Sendung nur noch zwei übrig sind. Der Sieger dieses Duells tritt in einer zweiten Runde, der Champions Week, gegen fünf andere Wochensieger an. Die Sieger der Champions Weeks machen am Ende des Jahres den "Hobbykoch des Jahres" unter sich aus, der ein Preisgeld von 25 000 Euro erhält.

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