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Michelle Ghofrani bereitet in ihrer Küche indisches Butterhuhn zu. Nicht nur die Kinder lieben dieses Gericht, sondern auch die Köchin, denn es lässt sich gut vorbereiten.

ZDF-Küchenschlacht

ZDF-Küchenschlacht: Bei Michelle Ghofrani stehen große Veränderungen an

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Mit exotischen Gerichten hat es Michelle Ghofrani bis in das Jahresfinale der ZDF-Küchenschlacht geschafft. In ihrer eigenen Küche in Krofdorf-Gleiberg stehen derweil große Veränderung an.

Mit einer Prise gibt sich Michelle Ghofrani nicht zufrieden. Gleich teelöffelweise rührt sie gelbes Kurkuma, rauchiges Paprikapulver und Kreuzkümmel in die Pfanne, in der schon ein Zwiebel-Knoblauch-Ingwer-Gemisch sanft schmurgelt. Einmal pro Woche ist bei Ghofranis in Krofdorf-Gleiberg Familientreffen. Dann versammelt sich die Patchworkfamilie mit allen vier Kindern - zwei Jungs und zwei Mädchen zwischen neun und 21 - am langen Esstisch. An diesem Abend wird es Murgh Makhani geben, indisches Butterhuhn. Es ist das Leibgericht der Kinder. Einerseits. Andererseits verbindet Michelle Ghofrani mit diesem Rezept ganz besondere Erinnerungen. Am 28. Januar hat sie das aromatische Curry bei ihrem allerersten Auftritt in der ZDF-Küchenschlacht zubereitet.

Man weiß, wie die Geschichte weiterging. Die Medizinerin aus Wettenberg hat nicht nur die erste Runde gewonnen, sondern sich im April als erste Kandidatin für das Jahresfinale qualifiziert, das am kommenden Montag um 14.15 Uhr startet. Am Freitag, dem 22. November, kurz vor 15 Uhr wird in der populären ZDF-Kochshow der Hobbykoch oder die Hobbyköchin des Jahres 2019 gekürt.

Michelle Ghofrani bei ZDF-Küchenschlacht: Leben komplett umgekrempelt

Vor eineinhalb Jahren hat Michelle Ghofrani ihr Leben von Grund auf umgekrempelt. Der Liebe wegen gab sie ihren Job bei einem Pharmaunternehmen auf, zog von London ins beschauliche Krofdorf-Gleiberg und orientierte sich beruflich neu: Die leidenschaftliche Köchin eröffnete eine Kochschule. "Am Anfang bin ich von Haus zu Haus gezogen und habe Flyer verteilt", erinnert sie sich an die ersten Versuche, ihr kleines Start-up bekannt zu machen. Dann kamen die Erfolge in der Küchenschlacht; seither muss sich Ghofrani um Werbung keine Gedanken mehr machen. Ihre Kurse sind so gefragt, dass sie ihre Kochschule im kommenden Jahr ausbauen will.

"Meltingpotkitchen" hat die polyglotte Wettenbergerin ihr junges Unternehmen genannt. Der Name ist Programm: In den Kursen können sich die Teilnehmer durch die Küchen der Welt kochen. Zwölf verschiedene Themen, von italienischer Pasta bis zum indischen Curry, sind aktuell im Angebot. Das macht auch der Chefin Spaß: "Es wird nie langweilig."

Ihren maximal zehn Teilnehmern will sie vor allem eines vermitteln: Freude am Kochen, die Lust am Experimentieren, die Neugier auf unbekannte Zutaten und Gewürze, wie zum Beispiel Galgant. "Sie sollen wissen, wie er aussieht und wie er riecht. Sie sollen ein Gespür dafür entwickeln." Ghofranis Sorge, dass sie all die Zutaten, die es im multikulturellen London gibt, in und um Gießen nicht finden würde, hat sich übrigens als unbegründet erwiesen. "Ich bin hellauf begeistert, dass ich hier alles bekomme, was ich für meine exotische Küche brauche."

Michelle Ghofrani bei ZDF-Küchenschlacht: Die Kochschule wird ausgebaut

Bislang fanden die Kurse in sehr privatem Rahmen statt. Gekocht wurde in der Küche der Ghofranis, gegessen gleich nebenan am langen Esstisch, an dem sich sonst die Familie versammelt. "Für das erste Jahr war das perfekt", sagt die Wettenbergerin. Aber auf Dauer dann doch keine Lösung. Es gab Überlegungen, mit der Kochschule umzuziehen. Aber jetzt ist die Entscheidung gefallen: Die Meltingpotkitchen wird vorerst in Krofdorf-Gleiberg bleiben. Die Ghofranis planen, ihren Bungalow im kommenden Jahr aufstocken und ihre private Küche und das Wohnzimmer nach oben zu verlegen. Im Erdgeschoss kann sich dann die Kochschule ausbreiten. Zwei Kochinseln und mehr Arbeitsfläche schweben der Chefin vor. Die Kurse selbst aber will sie nicht vergrößern; das Programm bis April steht bereits.

Während sie erst Tomatenpüree und dann ein halbes Päckchen Butter zur Gewürzmischung in die Pfanne rührt, schmiedet die Köchin Zukunftspläne. Sie denkt über eine eigene Produktlinie nach mit Chutneys, Currypasten und Gewürzmischungen. "Das würden wir sofort kaufen" - diesen Spruch hört sie von den Kursteilnehmern immer wieder. Außerdem kann sie sich vorstellen, künftig auch Gastköche für Veranstaltungen nach Wettenberg einzuladen, "für Themen, bei denen ich nicht so die Expertise habe." Videos oder interaktive Elemente auf der Internetseite fände sie auch schön... "Ideen gibt es genug."

Michelle Ghofrani bei ZDF-Küchenschlacht: Intensives Selbststudium

Ihre Kochkenntnisse hat die 39-Jährige durch intensives Selbststudium und diverse Praktika erworben. Doch die Erfolge bei der "Küchenschlacht" haben ihr neues Selbstbewusstsein gegeben. An die erste Sendung kann sie sich noch gut erinnern. "Das war der Tag, an dem ich dachte: Okay, du kannst wirklich kochen."

Das indische Butterhuhn war aber nur der Anfang. Von Runde zu Runde stiegen die Anforderungen. "In der ersten Woche zählt der Geschmack", berichtet Ghofrani. In der Championsweek sollte der Teller dazu noch schön angerichtet sein. Und die Finalrunde sei dann richtig anspruchsvoll. Die Gerichte müssen komplex und innovativ sein, mit verschiedenen Texturen spielen und natürlich gut aussehen. "Da kommt alles zusammen," sagt die Wettenbergerin. Und die Teilnehmer haben gerade einmal 35 Minuten Zeit. Michelle Ghofrani hat deshalb auf ihr bewährtes Erfolgsrezept gesetzt: Sie hat sich akribisch vorbereitet und genaue Zeitpläne geschrieben. Ob es geholfen hat? In der kommenden Woche wird man es sehen.

Daheim in der Küche geht es stressfreier zu. Noch ein Becher Sahne und etwas Salz, dann ist die Soße fürs Butterhühnchen fertig. Die entbeinten und marinierten Schenkel sind auch schon gegrillt. Am Abend, wenn die Familie kommt, müssen sie nur noch in der cremigen Soße aufgewärmt werden. "Dann schmeckt das Gericht sogar noch besser, weil sich die Aromen entwickelt haben", erzählt Michelle Ghofrani. Murgh Makhani ist nicht nur die Leibspeise der Kinder. Es ist auch ein perfektes Gericht für die Köchin.

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