Steht einmal mehr auf dem Prüfstand: das Wettenberger "Bussi". FOTO: SO
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Steht einmal mehr auf dem Prüfstand: das Wettenberger "Bussi". FOTO: SO

Was wird aus dem "Bussi"?

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Wettenberg(so). Welche Zukunft hat das Wettenberger "Bussi"? Seit bald 21 Jahren verbindet es die drei Wettenberg-Dörfer Krofdorf-Gleiberg, Launsbach und Wißmar miteinander. Geschah dies anfangs montags bis freitags im Stundentakt, so ist angesichts geringer Auslastung in den vergangenen 20 Jahren mehrfach nachjustiert worden. Jetzt soll die Politik entscheiden, wie es weitergeht. Klar scheint: Das Angebot soll es auch künftig geben. "Es ist eine Aufgabe der Daseinsvorsorge, dies als Buslinie fortzuführen", sagte Matthias F. Schulz von den Grünen unter dem beifälligen Nicken der anderen Fraktionen. Doch die Konditionen sind noch zu klären.

Der Vertrag, den die Gemeinde Wettenberg mit dem Busunternehmer Weber aus Frankenbach für den Betrieb geschlossen hat, läuft zum Jahresende aus. Es stehen mehrere Optionen zur Wahl: Fortführen des Angebots wie gehabt, Umstellung auf den Einsatz von Elektrofahrzeugen, Betrieb im Linienverkehr.

Bürgermeister Thomas Brunner hat das Thema am Donnerstag den Gemeindevertretern zur Beratung vorgelegt. Dabei hat der Sozialdemokrat mit Absicht nur die Zahlen dargelegt und keine Entscheidung vorstrukturiert.

"Die Vorlage beschränkt sich bewusst auf die finanziellen Aspekte des Betriebs der Linie 82/Wettenberger Bussi und bewertet nicht die positiven Aspekte für das Daseinsangebot in unserer Gemeinde. Dies sollte in den politischen Gremien erfolgen", spielt er den 37 Gemeindevertretern den Ball zu.

Brunner macht damit aber auch deutlich, dass es neben den nackten Zahlen, die die Unwirtschaftlichkeit des "Bussi" aufzeigen, doch mehr zu bedenken gibt: Den Wert für die Infrastruktur in den Dörfern.

Die Frage, die die Politik also zu beantworten hat, lautet: "Können und wollen wir uns das weiterhin für unsere Bürger leisten?" Die Antwort wird wohl "Ja" lauten. Ein Ende des Angebots scheint derzeit nicht zur Debatte zu stehen, so die Signale aus der Politik.

Derzeit wird das Bussi, offiziell als "Linie 82" geführt, von der Verkehrsgesellschaft Oberhessen (VGO) mit 20 000 Euro jährlich bezuschusst. Die jährlichen Kosten liegen bei rund 45 000 Euro - bleibt also derzeit ein Zuschuss der Gemeinde von rund 25 000 Euro.

Denn die Auslastung ist gering: Es sind im Schnitt fünf bis sechs Fahrgäste am Tag, die das "Bussi" nutzen. Im vergangenen Jahr hat der Fahrkartenverkauf gerade einmal 1875 Euro eingespielt; in diesem Jahr wird es kaum viel mehr werden.

Brunner setzt darauf, die Fördervereinbarung mit der VGO zu verlängern. Und rechnet vor: Wird der Betrieb so wie bis jetzt mit einem Diesel-Bus fortgesetzt, dann sind im kommenden Jahr für jeden Betriebstag rund 240 Euro einzurechnen. Dann würden die jährlichen Kosten bei rund 52 000 Euro liegen.

Wird auf einen vollelektrischen Bus umgestellt, so lässt das die Betriebskosten auf 270 Euro am Tag steigen - also im Jahr auf 67 500 Euro.

Weitere Optionen: Die Umstellung auf ein Anruf-Linientaxi oder ein Anruf-Sammeltaxi, was die CDU anregt.

In den kommenden Wochen werden sich der Infrastrukturausschuss und der Finanzausschuss der Gemeindevertretung des Themas annehmen. Im Herbst noch soll entschieden werden.

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