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Mike Will

"Wir sind jetzt wieder eine richtige Familie"

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Wettenberg(so). Die Corona-Pandemie hat den Alltag aller auf den Kopf gestellt. Das öffentliche Leben steht still, soziale Kontakte haben viele nur noch telefonisch oder online. An dieser Stelle gewähren Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen Einblicke in ihren neuen Alltag. Heute: Mike Will. Er betreibt das Freizeitareal und den Campingplatz Wißmarer See.

Herr Will, wie verläuft Ihr Tag normalerweise?

Normalerweise hätte ich jetzt die Saison eröffnet und alle Hände voll zu tun. Zum einen kämen die Saisoncamper wieder, die in die Frühlingssaison starten. Zum anderen hätte ich die ersten Tagesgäste und Urlauber in den Osterferien auf dem Platz. Dann wäre ich schon vor Sonnenaufgang bis in die Nacht auf den Beinen

Und wie sieht Ihr Alltag jetzt aus?

Völlig auf den Kopf gestellt - das trifft es genau. Anstatt Gäste zu empfangen und zu bewirten, kümmern wir uns um einen Antrag auf Soforthilfe und um Minikredite, die über die Industrie- und Handelskammer zu beantragen sind. Schließlich habe ich Verantwortung: Für meine Familie und eben für meine Mitarbeiter und deren Familien. Aber für das Team habe ich Kurzarbeit beantragen müssen. Wir hatten so viel vor - und jetzt geht nichts. Der Platz wird mit jedem Tag Arbeit schöner, aber wir sind blockiert. Das ist eine irre Situation: Anstatt mit den Menschen, die kommen, mein Auskommen verdienen zu können, muss ich sie wegschicken. Die Saison 2020 habe ich jedenfalls innerlich schon abgeschrieben.

Was vermissen Sie am meisten?

Den Kontakt zu unseren Campern und unseren Gästen im Restaurant Kormoran. Es ist kein schönes Gefühl, in eine leere Wirtsstube zu schauen, auf einen verwaisten Biergarten und einen leeren Spielplatz. Es tut mir gar nicht gut, immer und immer wieder Menschen zu erklären, dass das Seegelände zu bleibt.

Und was ist positiv?

Wissen Sie, was mich dieser Tage fast zu Tränen gerührt hat? Unsere 17 Jahre alte Tochter Elisa lernt in der Gastronomie auf Burg Gleiberg und ist jetzt ebenfalls zu Hause. Als wir neulich im Wohnzimmer zusammensaßen, hat sie gesagt: "Wir sind jetzt wieder eine richtige Familie". Sie hat recht. Es ist jetzt sogar wieder mal Zeit dafür, gemeinsam Fernsehen zu schauen. In den vergangenen fünf Jahren haben wir mehr oder weniger am See gewohnt und zu Hause geschlafen. Jetzt wohnen wir auch wieder zu Hause, haben da den Kühlschrank voll und nicht im Restaurant. In den vergangenen Jahren war ganz schleichend viel familiäres Miteinander verloren gegangen. Das kommt jetzt wieder.

FOTO: SO

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