Camp Moria auf Lesbos

Wettenbergerin über Brand im Camp Moria: "Für uns kam es nicht unerwartet"

  • Jonas Wissner
    vonJonas Wissner
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Rund 12 000 Menschen sind nach dem Brand im Camp Moria obdachlos geworden. Andrea Wegener aus Wißmar arbeitet dort seit 2018. Im Kurzinterview erläutert sie, wie Menschen aus dem Kreis nun helfen können.

Der verheerende Brand im Flüchtlingscamp Moria auf der griechischen Insel Lesbos hat viele Menschen erschüttert. Seit 2018 arbeitet Andrea Wegener aus Wißmar für die Gießener Hilfsorganisation Global Aid Network (Gain) im Camp Moria. Zurzeit ist sie in Deutschland, hält aber engen Kontakt zu Kollegen vor Ort.

Rund 12 000 Menschen sind nach dem Brand obdachlos geworden. Wie haben Sie davon erfahren?

Als ich vor etwa drei Wochen abgereist bin, stand im Raum, dass wir uns auf die ersten Corona-Fälle vorbereiten. Ich hatte am Abend vor dem Brand noch Kontakt mit Kollegen. Wir hatten vor, auf einen Notfallplan mit einem kleinen Team umzustellen und haben erwartet, dass die nächsten Monate eher ruhig werden. Am nächsten Morgen war dann alles anders. Ich habe auf mein Handy geschaut und war über die Bilder völlig erschrocken. Das war schon dramatisch. Aber für uns kam es nicht unerwartet. Ich habe immer gesagt: Irgendwann wird irgendetwas passieren. Die Anspannung und auch Gewaltbereitschaft im Camp hat schon länger zugenommen.

Was wird vor Ort nun am dringendsten gebraucht?

Das ist schwer zu sagen. Mittelfristig sicher alles - von Decken bis zu Medikamenten und Nahrung. Die beste Hilfe ist eigentlich, Geld zu spenden. Dann können die Helfer vor Ort lokal einkaufen, was gerade gebraucht wird - das kann sich stündlich ändern.

Was können Menschen im Kreis Gießen nun konkret tun, um Geflüchteten auf Lesbos zu helfen?

Spenden ist wirklich gut, dafür gibt es neben Gain verschiedene Organisationen. Sehr wichtig finde ich aber auch, im Diskurs höflich und zivil zu bleiben. Nicht jeder muss dafür sein, alle aufzunehmen. Aber wir reden über Menschen in einer akuten Notlage. Ich finde es verstörend, wie teils alle über einen Kamm geschoren werden, als hätten 12 000 Menschen mit Streichhölzern gezündelt. Aber die Geschichten von jenen, die den Brand verhindern wollten, werden nicht erzählt. In sozialen Netzwerken habe ich oft den Eindruck, dass nur gegeneinander geschossen wird. Wir dürfen nicht nur Zahlen schachern, sondern sollten an die einzelnen Menschen denken.

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