Mit dem Team aus Pakistan haben Yakob Tahan (l.) und Niyazi Karakas nur über Skype Kontakt, persönlich haben sie sich noch nie getroffen. FOTO: PM
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Mit dem Team aus Pakistan haben Yakob Tahan (l.) und Niyazi Karakas nur über Skype Kontakt, persönlich haben sie sich noch nie getroffen. FOTO: PM

Apps der Zukunft

Wettenberger Yakob Tahan macht mit seinem Team virtuelles Möbelshopping möglich

  • vonKatharina Gerung
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Noch nie war die Digitalisierung so wichtig, wie jetzt, sagt Yakob Tahan. Worauf er und sein Team von "Zebrox" schon lange schwören, will er nun auch anderen vermitteln.

Yakob Tahan sitzt entspannt auf einer ledernen Couch, vor ihm steht eine große Tasse mit dampfendem Kaffee. Er grinst in sein Smartphone, hört aufmerksam zu und nickt immer wieder. Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht - der 29-Jährige hat gerade einen Geschäftstermin. Er dreht sein Telefon und ein freundlicher Mann etwa des gleichen Alters winkt in die Kamera. "Hi! How are you?", grüßt er. "Das ist Mudassir Akber Khan", stellt Tahan ihn vor, "ein Kollege aus Pakistan."

Die Maßnahmen rund um das Coronavirus haben viele Berufstätige in das Homeoffice verbannt. Konferenzen und Kundengespräche am Telefon oder Absprachen mit Kollegen per Chat - für einige ist das Neuland und nicht jeder kommt damit zurecht. Was Tahan und sein Team aber betrifft, so sah ihr Berufsalltag schon vor der Krise so aus. "Digitales Arbeiten bringt die Welt zusammen. Es ist die Zukunft, ich hab das immer schon gesagt", sagt der Wettenberger. Er grinst und fügt hinzu: "Die Aussage stimmt jetzt wohl mehr denn je."

Zebrox: Gründung erst Ende vergangenen Jahres

Selbst etwas auf die Beine stellen, eigene Ideen und Visionen verfolgen - das war lange Tahans Traum. In Niyazi Karakas fand der 29-Jährige im Herbst 2019 einen Gleichgesinnten. Die beiden fackelten nicht lange und gründeten die Full-Service-Digitalagentur "Zebrox". Ein Dienstleistungsunternehmen mit Sitz in Gießen und Wettenberg, das andere Unternehmen in den Bereichen Marketing und Werbung berät, begleitet und Werbemaßnahmen konzeptioniert sowie produziert.

Das Team von "Zebrox", das fünf Kernmitglieder zählt, arbeitet hauptsächlich im und für das Internet. Dort werden beispielsweise Kunden und Partner akquiriert - auch das pakistanische Team von "iorena" lernte Tahan so kennen. "Ich habe sie noch nie persönlich getroffen", sagt er, "der Kontakt läuft nur über Skype."

Auch die Dienstleistungen der Agentur finden sich später im Netz wieder, denn: "Wer heute etwas erreichen will, muss digital sichtbar sein", sagt Tahan. Das gelte für den Malermeister von nebenan genauso wie für den Weltkonzern Audi - beides Kunden der Agentur.

Zebrox: Teil einer wirtschaftlichen Veränderung sein

"Alles verlagert sich ins Netz. Der Handel generell verändert sich", sagt Tahan, "und wir wollen Teil dieser Veränderung sein." Eines der aktuellen Projekte des Teams beispielsweise soll helfen, Kosten für Lager, Logistik und Verkaufsräume zu senken. Gemeinsam mit einem Paneelhersteller und einem Möbelhersteller aus der Türkei sowie dem pakistanischen Team um Khan entstand eine Virtual-Reality-App.

Mit einer speziellen VR-Brille können Nutzer der App durch ein exemplarisches konstruiertes Wohnzimmer gehen und per Knopfdruck ausprobieren, welche Wandverkleidung am besten zu ihren Möbeln passt. Praktisch etwa vor allem in Zeiten wie diesen, in denen ein Besuch im Möbelhaus nicht möglich ist.

Wettenberg: Gründer hat sich vieles selbst angeeignet

Viel von dem, was Tahan heute macht, hat er sich im Laufe der Zeit selbst angeeignet. Er hat zwar einen Bachelorabschluss in Betriebswirtschaft, was für die Unternehmensführung sehr hilfreich ist, doch mit Programmierung etwa hatte er bis dato nicht viel am Hut. Dennoch gab es für ihn damals einen guten Grund, seinen beruflichen Schwerpunkt zu wechseln.

"Deutschland ist das Land der Dichter und Denker", beginnt Tahan. Seiner Meinung nach können wir hierzulande nicht etwa mit Bodenschätzen punkten, dafür aber mit unserem Verstand. Für ihn und Karakas war das die ausschlaggebende Motivation, sich in Richtung digitaler Technologien zu orientieren.

Mit seinem Werdegang will Tahan nun die motivieren, die wie er lieber etwas anderes machen wollen. Fehlendes Vorwissen sei kein Grund, die eigenen Träume aufzugeben. Ganz im Gegenteil, manchmal sei ein anderer, fachfremder Blick auf die Dinge sogar förderlich.

Zebrox: Pläne mit anderen regionalen Startups

Für den 29-Jährigen zumindest ist mit "Zebrox" ein Traum in Erfüllung gegangen. Nicht nur, weil er jetzt sein eigener Chef ist, sondern weil er ständig neue Ideen verwirklichen kann. "Ich denke, diesen Wunsch haben viele und vor allem junge Leute", sagt er, "aber die wenigsten wissen, wie sie ihre Träume verwirklichen können." Dabei sei es oft so einfach - das Internet mache praktisch alles möglich.

"Wir wollen die Menschen für Digitalisierung begeistern und sie zum Mitmachen anregen", sagt der Unternehmer. Dafür plant Tahan verschiedene Vorträge und Projekte mit anderen Startups aus der Region - Genaueres will er noch nicht verraten. "Bei den Großen mitspielen" - lautet das Motto der jungen Firma. "Ja, das ist möglich", sagt Tahan und grinst. "Auch für Unternehmer aus der Gießener Provinz."

Zebrox: Website zu verschenken

Besonders kleine Unternehmen trifft die Corona-Krise schwer. Wer sich jetzt mit einem Online-Shop über Wasser halten kann, ist klar im Vorteil, doch nicht jeder hat auf die Schnelle die Möglichkeit dazu. Hier schafft "Zebrox" Abhilfe - das Team will eine Website verschenken. Interessierte melden sich per Mail an info@zebrox-media.de.

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