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Pianist Jean-Sélim Abdelmoula spielt in der evangelischen Kirche in Wißmar. FOTO: JOU

Mit wandlungsfähigem Anschlag

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Wettenberg(jou). Zum Abschluss der Winterkonzerte bot Pianist Jean-Sélim Abdelmoula einen höchst ambitionierten Soloabend. Bereits zum dritten Mal in der evangelischen Kirche Wißmar zu Gast, stellte Abdelmoula am Sonntag gewichtige Sonaten in den Mittelpunkt. Wie schon tags zuvor beim Konzert von Clara und Marie Becker in Lich kamen gerade Schubert-Liebhaber voll auf ihre Kosten.

Schubert sehr feinsinnig interpretiert

Sein Vermögen, Musik poetisch zu beleuchten, das ihm im Verlauf des Konzerts immer wieder abverlangt wurde, demonstrierte Abdelmoula zu Beginn, bei Leos Janáceks Komposition "In the mists". Das Thema mit dem fragenden Gestus intonierte der 29-jährige Künstler sensibel. Zu den zarten Piano-Passagen mit sacht hingetupften Figurationen kontrastierten kernige Höhepunkte. Die Musik erinnerte in ruhigen Momenten an sehnsuchtsvolle Hoffnung, die immer wieder durch aufwühlende Passagen unterbrochen zu werden schien.

Bei Beethovens Sonate Nr. 31 As-Dur stach heraus, wie wirkungsvoll Abdelmoula dem recht dezent gespielten Moderato-Kopfsatz das resolut akzentuierte "Allegro molto" gegenüberstellte. Dabei kam ihm das runde Klangbild des Grotrian-Steinweg-Flügels sehr zugute. Beim Adagio wie Arioso wünschte man sich die klagenden Züge noch ein wenig beseelter zur Geltung gebracht. Eigentlich ist hier jeder Ton mit tieferer Bedeutung aufgeladen, doch leider ergründete Abdelmoula nicht restlos überzeugend das Sichfügen in das unabänderlich Scheinende, das die Musik vermitteln sollte.

Deutlich besser geriet Schuberts Sonate B-Dur D 960; hier zeigte der Pianist großes Format. Sehr plastisch zeichnete er im eröffnenden "Molto moderato" das raffinierte motivisch-thematische Gefüge sowie die ausgedehnten Entwicklungen. Derart feinsinnig dargeboten erlebt man die Sonate nur selten. Bei allen "himmlischen Längen" riss der rote Faden nie ab. Abdelmoula bediente sich einer sehr differenzierten, wandlungsfähigen Anschlagstechnik. Den letzten Schliff gab er auch dem ausschweifenden Andante - da herrschte vom ersten bis zum letzten Takt andächtiges Schweigen im Auditorium. Vergnügen bereiteten zudem das finessenreich gemeisterte virtuose Scherzo und das vornehmlich optimistische Allegro-Finale.

Schon allein die hochrangige Schubert-Interpretation machte den Besuch lohnenswert; er wird den Hörern noch lang in Erinnerung bleiben. Für den begeisterten Applaus und die Bravorufe dankte Abdelmoula mit einer Mozart-Zugabe.

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