Wachsender Druck

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
    schließen

Wettenberg(so). Der Druck ist da. Nicht so wie im Ballungsraum Rhein-Main. Aber doch spürbar. Wohnquartiere, die in den vergangenen Jahren von der Gemeinde Wettenberg für vielleicht sechs bis acht Jahre zur Besiedlung geplant waren, sind nach zwei Jahren vermarktet und bebaut. Die Lage vor den Toren Gießens, mit gutem Autobahnanschluss und eben die überaus respektable Infrastruktur machen die Wettenberg-Dörfer zu attraktiven und nachgefragten Wohnorten. Das ist erfreulich - und sorgt gleichermaßen für kritische Stimmen.

Denn der Verzehr von Landschaft für Wohnbebauung soll und kann nicht in dem Maße weitergehen wie bisher. Da zeigt ohnehin die Regionalplanung zunehmend Grenzen auf.

Ergo richtet sich der Blick von Investoren (und der Kommunalpolitik) auf bislang nicht besiedelte oder weniger stark genutzte Innenbereiche sowie Randlagen - nicht selten mit dem Ziel, diese Grundstücke und Flächen optimal auszunutzen, also zu verdichten und ein hohes Maß an Wohnraum zu schaffen.

Das ist in der Politik vielfach nicht unwillkommen - idealerweise vielleicht sogar mit einem Anteil an Wohnungen, der auch für kleinere Einkommen erschwinglich ist.

In Krofdorf--Gleiberg ist da seit einigen Monaten eine Fläche von knapp 6700 Quadratmetern zwischen dem Gewerbegebiet Heggraben und dem Wohnviertel Baumäcker im Blick

Die blieb vor Jahren, weil als nicht unproblematisch angesehen, von einer Bebauung erst einmal frei. Jetzt aber macht ein potenzieller Investor Vorschläge.

Zielten allererste Ideen auf reine Ein- und Zweifamilienhausbebauung ab, so sorgten kurz darauf neue Überlegungen für erste Proteste: Denn die dann ins Auge gefasste verdichtete Bebauung wird von etlichen Anwohnern im Baumäcker-Viertel als zu massiv angesehen. Am Donnerstag saßen etliche von ihnen als Gäste in der Sitzung der Gemeindevertretung. Denn dort wurde ein abermals aktualisierter Plan des Investors aufgerufen. Die aktuelle Fassung sieht nun eine etwas reduzierte Wohnbebauung mit 23 bis 25 Wohneinheiten vor. Im Raum stehen nun drei Mehrfamilienhäuser mit je fünf Wohnungen und fünf Bauplätze mit Einfamilienhäusern mit maximal zwei Wohneinheiten.

Mehrere Aspekte machen das Vorhaben aus Sicht seiner Kritiker schwierig: Da ist zum einen die Verkehrsanbindung über die Heggrabenstraße oder die Wiesenstraße. Da ist zum anderen das nach Nordwesten hin angrenzende Gewerbegebiet. Um Konflikte wegen etwaiger Emissionen zu vermeiden, ist Schallschutz zwingend vorgeschrieben: Etwa durch einen Wall oder eine Mauer. Aber auch dadurch, dass bei möglichen angrenzenden Wohnungen schallsensible Räume wie Schlafzimmer auf der abgewandten Seite anzuordnen sind. Ein Gutachten zu Lärm und Verkehr hat der Investor der Gemeinde jetzt vorgelegt.

Dritter Kritikpunkt ist die Frage der Entwässerung., um die Kanäle nicht weiter mit Regenwasser zu belasten.

Ein Ausweisen als Mischgebiet, quasi als Puffer zwischen reinem Gewerbe- und reinem Wohnen - wird von der Mehrheit der Wettenberger Gemeindevertreter aktuell nicht aufgegriffen. Zu Bedenken ist, dass auch von dortiger gewerblicher Nutzung Beeinträchtigungen fürs angrenzende Wohngebiet entstehen könnten.

Die Technische Hochschule Mittelhessen, von der Gemeinde zurate gezogen, hat ebenfalls einen Entwurf für eine Bebauung mit bis zu 25 Wohnungen beigesteuert. Zu klären bleibt da noch die Frage der Lärmschutzmauer. Die ist mittlerweile in ihrer Höhe auf drei Meter reduziert. Für eine solche Mauer wirbt der Verwaltungsjurist Hans Karpenstein (SPD), "Lärmschutzwände bringen Frieden verweist er auf seine beruflichen Erfahrungen.

"Wichtig ist uns, die Bürger angemessen zu beteiligen. Und zwar über das Maß hinaus, dass das Baurecht vorgibt", sicherte SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Ellinghaus den Anliegern gleich zu Beginn der Beratung zu. Er warb aber auch dafür, dass alle Seiten Kompromisse einzugehen hätten.

Nicht zufrieden ist man in der CDU: Ein enttäuschter Fraktionsvorsitzender Gerhard Noeske sprach von "bislang unbefriedigenden Antworten" und befürchtete spätere Klagen. Das Vorhaben bleibt in der Beratung, wird erneut in den Fachausschüssen für Bauen, Verkehr, Infrastruktur und Gemeindeentwicklung aufgerufen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare