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Fleißig wird Biomasse in Form von Astschnitt im sogenannten Kon-Tiki geschichtet.

Vom Astschnitt zur Schwarzerde

  • VonVolker Mattern
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Wettenberg (m). Vor dem Hintergrund des globalen Klimawandels und der Ausbeutung von Rohstoffen gewinnt die Frage nach einer verträglichen Rohstoffnutzung zunehmend an Bedeutung. »Vom Astschnitt zur fruchtbaren Schwarzerde« hieß es dazu passend dieser Tage auf einer Wiese von Gerhard Stroh in der Feldgemarkung von Wißmar. Das Angebot des Obst- und Gartenbauvereins Wißmar stieß auf reges Interesse.

Mit Pyrolyse und der richtigen Mischung

In einem großen Pyrolysekessel aus Stahlblech - einem sogenannten Kon-Tiki - wurden Mengen von Astschnitt durch ständiges schichtweises Nachlegen kontrolliert verbrannt, um Pflanzenkohle herzustellen und danach durch weitere Schritte die sogenannte Schwarzerde zu erhalten. Mit Vereinsmitglied Jannik Knapp begrüßte Vorsitzende Barbara Kröck einen fachkundigen jungen Mann, der den Teilnehmern das Thema verständlich näherbrachte. Der freiberufliche Ingenieur beschäftigt sich in der Materialforschung mit alternativen, mineralischen Bindemitteln und Klima- und Funktionsbaustoffen. »Bei der Nutzung von Pflanzenkohle zur Bodenverbesserung kann man so ziemlich alles falsch machen, was im schlimmsten Fall dazu führt, dass kaum noch Stickstoff den Pflanzen zur Verfügung steht und dies zu massiven Mangelerscheinungen der Kulturpflanzen an Phosphor, Calcium, Eisen, Mangan, Bor und weiterer Nährstoffe führt«, so Knapp. Folge seien Kümmerwuchs, Chlorose, Krankheitsanfälligkeit und somit eine massive Ertragsminderung. Beachte man hingegen einige wesentliche Verarbeitungs- und Zwischenschritte, so komme es zu einem phänomenalen und gesunden Pflanzenwachstum mit teils Riesenwuchs und deutlichen Ertragssteigerungen. Der Hobbygärtner, der sich in seiner Freizeit mit regenerativem Gemüse- und Gartenbau nach Permakultur-Prinzipien beschäftigt, machte deutlich, dass für die Herstellung der Pflanzenkohle als hochwertiges Düngemittel nicht nur die sogenannte Biomasse-Pyrolyse, bei der organische Stoffe bei reduziertem Sauerstoffgehalt zersetzt werden, sondern auch das anschließende Ablöschen notwendig sind.

Etwa 25 Prozent der Trockenmasse verbleibt nach dem Verbrennen als stabiler Kohlenstoff, der als Nährstoffträger der Kompostierung zugesetzt werden kann. Zuvor sollte die Kohle nach dem vollständigen Abkühlen zerkleinert werden. Bevor diese so modifizierte Pulverform in den Boden eingebracht wird, muss man diese unbedingt mit Nährstoffen anreichern. Hier bietet sich das Mischen mit Lehm- bzw. Tonpulver an. Je nach Situation, Art und Menge an organischen Abfällen eignen sich im nächsten Schritt die Milchsäurefermentierung, Wurmkompostierung und Kompostierung mit Heißrotte. So sei mit der Schwarzerdeherstellung die Bildung sinnvoller Wertschöpfungsketten möglich, sagte Knapp.

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