Bislang bleibt Daniel de Groef nur der Weg auf der Straße bis zur nächsten Bushaltestelle. Das soll nun anders werden, wenn die Gemeinde die Bordsteine absenken lässt. FOTO: SO
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Bislang bleibt Daniel de Groef nur der Weg auf der Straße bis zur nächsten Bushaltestelle. Das soll nun anders werden, wenn die Gemeinde die Bordsteine absenken lässt. FOTO: SO

Unüberwindbare Bordsteine

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Wettenberg(so). Manchmal sind es nur wenige Zentimeter, die unüberwindbar sind - etwa am Bordstein. Dann wird das Überfahren der Barriere mit dem Rollstuhl zum Balanceakt, der auch schnell kippen kann. Die Beauftragten für die Belange von Menschen mit Behinderung des Landkreises Gießen wissen ein Lied davon zu singen.

Vielfach haben sich Kommunen in den vergangenen Jahren auf den Weg zum barrierefreien Dorf gemacht - doch der ist lang. Das zeigt ein aktuelles Beispiel aus Wißmar.

Dort ist Daniel de Groef mit seiner Mutter vor etwas mehr als einem Jahr in eine barrierefreie Wohnung in der Marburger Straße gezogen. Doch der Weg zur nächsten Bushaltestelle ist voller Hürden. "Relativ schnell stellte ich fest, dass Wißmar für Rollstuhlfahrer absolut ungeeignet ist", sagt der junge Mann, der bei der Lebenshilfe in der Telefonzentrale und am Empfang arbeitet. Und es trifft nicht nur Rollstuhlfahrer, so de Groef. Auch ältere Menschen mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen seien betroffen.

Im Nachbarort Krofdorf-Gleiberg hat sich bereits Ende 2013 eine Arbeitsgemeinschaft Inklusion mit diesen Fragen befasst. Bürgermeister Thomas Brunner hatte damals angekündigt, es sei ihm ein Anliegen, diesen Prozess auf ganz Wettenberg auszudehnen.

Von de Groefs Wohnung aus ist es eigentlich recht nahe zum Haltepunkt in der Launsbacher Straße. Aber zu steil, ergo nutzt er die Haltestelle "Auf der Hohl/Holztechnikmuseum", wenn er mit der Linie 801 nach Gießen fahren will. Das beschert ihm zugleich noch eine kleine Rundfahrt durch Wißmar und Launsbach. Zur Bushaltestelle muss er bislang auf der Straße fahren, da die Bordsteine an keiner Stelle so abgeflacht sind, dass man sie ohne Gefahr mit dem Rollstuhl befahren kann. Laut de Groef "absolut unzumutbar, dass man als Rollstuhlfahrer mitten auf der Straße fahren muss". Und nicht ungefährlich: Vor rund drei Wochen wäre er beinahe aus dem Rollstuhl gefallen bei dem Versuch, vom Gehweg auf die Straße zu wechseln.

Vor gut einem Jahr, im August 2019, hat sich der 32-Jährige, der quasi seit seiner Geburt im Rollstuhl sitzt, ans Rathaus gewandt mit der Nachfrage, ob denn die Bordsteine an den Einmündungen in der Marburger Straße abgesenkt werden könnten - oder aber ein Bushaltepunkt direkt vor seinem Wohnhaus einzurichten sei. Im Rathaus zeigte man sich offen für de Groefs Anliegen, bat aber um Geduld.

Erst jetzt, im Zuge der Arbeiten an Kanal und Wasserleitungen in diesem Teil des Dorfes, sollen auch die Gehwege angepasst werden. Das hat Bürgermeister Brunner auf Anfrage bestätigt. Er bittet um Verständnis, dass aktuell die Bushaltestelle "Auf der Hohl" aufgrund der Kanalarbeiten nicht respektive nur eingeschränkt zu erreichen ist. Die mit den Arbeiten betrauten Unternehmen, so hat die Wettenberger Bauverwaltung de Groef jetzt mitgeteilt, sind aber informiert, mit entsprechendem Baufortschritt die Absenkungen in den kommenden Wochen vorzunehmen.

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