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Die Burg Gleiberg ist landschaftsprägendes Wahrzeichen und Namensgeber des Gleiberger Landes.

Mit Treppe im Turm fing es an

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Wettenberg (m). Der Gleiberg-Verein ist seit 140 Jahren Eigentümer der Burg Gleiberg. Hervorgegangen ist der heutige Zusammenschluss aus dem "Gleiberger Geselligkeitsverein zur Erbauung einer Treppe im Turm der Schlossruine in Gleiberg". In den zurückliegenden sechs Jahren hat er rund eine Million Euro in den Erhalt und die Restaurierung des Baudenkmals investiert.

Das runde Datum wird zwar nicht öffentlich gefeiert, aber die Verantwortlichen des Vereins - Vorsitzender Andreas Kraft, sein Stellvertreter Gerhard Schmidt und Schriftführer Dr. Jürgen Leib - nahmen den Geburtstag des Vereins zum Anlass, historische Dokumente hervorzuholen und in den Akten zu blättern.

Natürlich war die Bürde groß und ist sie auch heute noch, sagen die Vorstandsmitglieder: Nachdem sich die preußische Regierung als Eigentümerin 1879 durch eine Schenkung der Burg an den Landrat von Tieschowitz in Wetzlar der lästigen Verpflichtung ob des ruinösen Bauwerks entledigt hatte, beschlossen am 16. September desselben Jahres die fünf Mitglieder des Gleiberger Geselligkeitsvereins, die Burgruine unter den von der preußischen Regierung gestellten und vertraglich fixierten Bedingungen in ihr Eigentum zu übernehmen.

1881 begann mit der Ausgabe von 250 Anteilscheinen zu je 20 Mark eine Entwicklung, die dokumentiert, dass zu allen Zeiten die jeweiligen Vorstände sich ihrer Verpflichtung aus dem Vertrag bewusst waren und ihr mit ebenso viel Ernsthaftigkeit wie Herzblut und Kreativität nachkamen.

Heute Besuchermagnet

Zur Vorgeschichte: 1646 war die Gleiberger Oberburg, mit Ausnahme des runden Bergfrieds, in Schutt und Asche gelegt worden. Die Burg verwahrloste immer mehr und verkam zu einem Steinbruch, aus dem die Einwohner Krofdorf-Gleibergs ihr Baumaterial holten. Das Schattendasein der Ruine lichtete sich, als in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts der Bergfried als trigonometrischer Punkt für die Landvermessung auserwählt wurde und die herrliche Aussicht von dort oben neu gewürdigt wurde.

Nachdem der Gleiberg-Verein beziehungsweise dessen Rechtsvorgänger Eigentümer geworden war und der schwunghafte Handel mit den Anteilscheinen sogar Menschen aus Amerika und China erreichte, flossen Geldspenden und Sachwerte. 1881 standen Ausgaben in Höhe von 12 700 Mark Einnahmen von 13 600 Mark gegenüber. Mit Sebastian Niebergall als Kastellan und Burgwirt fasste 1882 die Gastronomie Fuß. Er war der Pionier der sich über Jahre hinziehenden Aufräumungsarbeiten des Schutts aus Jahrhunderten. Es ist auch belegt, dass die Straße nach Rodheim mit den Basaltseinen der Burg Gleiberg eine neue Decke erhielt.

Bis in die Gegenwart haben Menschen mit unterschiedlichem Engagement daran mitgewirkt, dass die Burg Gleiberg zu dem werde konnte, was sie heute ist: Ein Besuchermagnet für viele kulturelle Veranstaltungen mit einer gut gehenden Gastronomie, die von Pächter Axel Horn verantwortet wird. Und die Burg ist heute ein bekanntes und landschaftsprägendes Wahrzeichen, das der Region "Gleiberger Land" seinen Namen gab. Die heute Verantwortlichen verweisen darauf, dass vieles nur durch bürgerschaftliches Engagement entstehen konnte.

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