Traumhaft sicher intoniert

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Ein herausragendes Konzert konnten die Besucher der Kunsthalle des Kunst- und Kulturvereins Wettenberg (KuKuK) am Sonntag erleben. Das Trio "Dago Schelins Living Room" verzauberte die Besucher mit einer Mischung aus ganz leichter und zugleich emotional packender Musik: Ein Volltreffer.

Ein herausragendes Konzert konnten die Besucher der Kunsthalle des Kunst- und Kulturvereins Wettenberg (KuKuK) am Sonntag erleben. Das Trio "Dago Schelins Living Room" verzauberte die Besucher mit einer Mischung aus ganz leichter und zugleich emotional packender Musik: Ein Volltreffer.

Schelin, der in der Region kein Unbekannter mehr ist, singt und spielt Gitarre. Als Begleiter fungierten Moritz Weissinger am Schlagzeug und Peter Herrmann am Bass auf der Bühne des gut besuchten Saals. "Wohnzimmer" steht für eine gewisse seelenvolle Qualität der Musik, in der emotionale Tiefe, sanftes lateinamerikanisches Feuer und eine typische Gelassenheit zusammenkommen. Schelins Gesang, im ersten Moment tonlich etwas schmal wirkend, erweist sich als sehr differenziert.

Ansteckende Sinnlichkeit

Es geht los mit einem sanften aber flotten Schwung und bringt den gut besuchten Saal sofort in Bewegung. Schelin mischt auch gleich eine Andeutung von "Girl from Ipanema" hinein, was die Richtung des Abends zusätzlich verdeutlicht. Das hat eine ansteckende Sinnlichkeit, und schon beim zweiten Titel, "Samba da Minha Terra" kommen die Qualitäten der Mitwirkenden deutlich zum Tragen: Herrmann schließt mit einem prägnanten Bass-Glissando ab und erweist sich einmal mehr als der erfahrene und hoch einfühlsame Musiker, als den man ihn kennt. Gemeinsam mit ihm sorgt Moritz Weissinger für ein intuitiv ansteckendes, herrlich swingendes Schlagzeugfundament, das man kaum als solches bezeichnen mag, so federleicht kommt es daher. Die Hauptattraktion ist jedoch Schelin, der in einem Stil singt, der an Astrud Gilbertos hypergelassenen Stil erinnert. Er singt mit eher kleiner Stimme, aber mit traumhaft sicherer Intonation und kristallklarer Detailgestaltung. Hinzu kommt sein unspektakulär prägnantes, lateinamerikanisch-jazziges Gitarrenspiel, der zweite wesentliche Pfeiler der atmosphärischen Gestaltung.

So schwingt man heiter und leicht im südamerikanischen Gefühl. Aber es gibt noch mehr, denn Schelin spielt ein paar Beatles-Songs, angefangen mit "Nowhere man". Den formatiert er schön latinomäßig um, und man hört: das geht wunderbar, ein Glanzlicht des Konzerts. Genau wie "Fool on the hill", das nachfolgt. Sehr gut funktioniert dann "Kommt ein Vogel geflogen", dem Schelin ohne Umschweife eine schöne Samba-Leichtigkeit einhaucht, was bei "Kein schöner Land" sogleich aufs Neue geschieht. Dem Publikum, leicht irritiert durch zeitweises lautes Kindergeschrei, geht die mühelose Perfektion, mit der hier musiziert wird, sofort ins Blut und die Füße, und am Ende gibt’s einen sehr kraftvollen Applaus.

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