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Nahe dieser Bank am Gleiberghang wurde ein 55-jähriger Ende August erstochen.

Staatsanwalt erkennt auf Notwehr an

Tödlicher Messerstich in Krofdorf-Gleiberg: Verfahren gegen Beschuldigten eingestellt

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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An der Burg Gleiberg nahe Gießen eskaliert einen Streit um einen Drohnenflug. Ein 69-Jähriger ersticht einen 55-Jährigen. Die Staatsanwaltschaft sieht es als Fall von Notwehr.

Wettenberg – Kein begründeter Tatverdacht, sondern ein Fall von Notwehr. Mit diesem Befund hat die Gießener Staatsanwaltschaft die Ermittlungen nach einer tödlichen Messerstecherei im vergangenen August am Gleiberghang eingestellt. Das bestätigt der Sprecher der Ermittlungsbehörde, Staatsanwalt Thomas Hauburger, auf Anfrage. Vorangegangen sind intensive Untersuchungen und Ermittlungen sowie das Befragen von Zeugen und des Beschuldigten in den vergangenen Monaten.

»Es ist völlig unstrittig, dass der Mann an jenem Samstagnachmittag im August den tödlichen Stich gesetzt hat«, sagt Hauburger. Aber nach all dem, was er und seine Kollegen sowie die Polizei an Informationen zusammengetragen haben, ist dem ein Streit vorangegangen, der fast explosionsartig eskaliert ist und zu dem schrecklichen Ende führte.

Krofdorf-Gleiberg: Streit um Drohnenflug führte zu Auseinandersetzung

Was war passiert? Ein 69-Jähriger aus dem Vogelsbergkreis ließ an jenem 29. August 2020 eine Drohne am Gleiberger Nordwesthang steigen. Zwei Männer, die ein Stück weiter oberhalb am Burgberg mit Restaurierungsarbeiten an einem historischen Brunnenhäuschen beschäftigt waren, nahmen den Drohnenlenker, einen pensionierten Polizisten, wahr.

Einer der beiden, ein 62-jähriger Wettenberger, ging zu dem Mann mit dem Flugobjekt, um ihn zur Rede zu stellen - dies mit Verweis auf Pferde, die ganz in der Nähe auf einer Koppel grasten und von der brummenden Drohne verschreckt werden könnten. Es gab laut Staatsanwaltschaft eine kurze verbale Auseinandersetzung, die in ein Gerangel respektive eine Schlägerei ausartete. Der zweite Mann, der am Brunnenhäuschen werkelte, ein damals 55 Jahre alter Gleiberger, eilte zu Hilfe. Er soll, so die Ermittlungen, bei seinem Eingreifen dem 69-Jährigen massiv gegen den Kopf getreten haben.

Krofdorf-Gleiberg: Tatwaffe nach tödlichen Messerstichen nicht gefunden

Auch der andere Beteiligte soll auf den Drohnenflieger losgegangen sein. Dieser wiederum zückte daraufhin, so stellt es sich für die Ermittler dar, in seiner Not ein Messer und stach zu. Der Gleiberger erlag dann wenige Stunden später in einer Gießener Klinik seinen schweren Verletzungen. Eine »Vorgeschichte« gab es wohl nicht: Die Wettenberger sowie der Drohnenlenker sollen sich nicht gekannt haben, sollen sich an jenem Samstag erstmals begegnet sein. Von der Tatwaffe fehlt bis heute jede Spur. Trotz intensiver Suche in den Wiesen am Gleiberg durch die Polizei wurde das Messer bislang nicht gefunden.

Er habe es sich die Entscheidung, das Verfahren gegen den 69-Jährigen einzustellen, nicht leicht gemacht, sagte Staatsanwalt Hauburger gestern. Aber er sehe da keinen Tatverdacht, der es begründe, Anklage zu erheben. Die Angehörigen des Opfers haben nur die Möglichkeit, über ihren Rechtsbeistand gegen die staatsanwaltschaftliche Entscheidung Beschwerde einzulegen, um diese nochmals überprüfen zu lassen. Sollte die Beschwerde zugelassen werden, so wird der Fall zur weiteren Behandlung an die Generalstaatsanwaltschaft in Frankfurt weitergeleitet.

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