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Monika Leufgen, Katharina Stashik, Regina Reiter und Annalena Neu (v. l.) in der evangelischen Kirche zu Wißmar.

Von der Suite bis zum Musical

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Wettenberg(jou). Der Arbeitskreis Wettenberger Winterkonzerte dürfte sich in den Anfängen vor 32 Jahren kaum erträumt haben, dass die Konzertreihe einmal den Rahmen sprengen sollte: Zum Auftakt der Saison 2019/2020 war die evangelische Kirche zu Wißmar am frühen Sonntagabend so voll wie sonst nur bei den Neujahrsprogrammen, manche Besucher mussten gar wieder weggeschickt werden.

Zu einem guten Teil lag dies sicherlich am internationalen Renommée des Deutschen Saxofon-Ensembles, das bereits zum dritten Mal zu Gast war. Aber auch die unterhaltsame Werkzusammenstellung barg hohe Anziehungskraft.

Klanglich finessenreich

Gleich zu Beginn eine wohlbekannte Komposition: Vielen Klassikfreunden ist Edvard Griegs Suite im alten Stil "Aus Holbergs Zeit" in der Streichorchesterfassung vertraut. Arrangiert von Maarten Jense, spielten Annalena Neu (Sopransaxofon), Monika Leufgen (Alt), Regina Reiter (Tenor) und Katharina Stashik (Bariton) das Präludium klanglich finessenreich und mit vorantreibendem Schwung - eine überaus animierende Darbietung.

Die getragene Sarabande setzte einen ruhigen Gegenakzent. Tänzerische Grazie versprühte die Gavotte. Den emotionalen Höhepunkt markierte das melancholische Air mit der sanft strömenden Melodie. Die Tristesse verflog im Nu beim kecken Rigaudon-Finale; dem spielerischen Charme konnte man sich kaum entziehen.

Einziges Originalwerk für Saxofone war das erste Quartett op. 53 von Jean-Baptiste Singelée. Während Griegs Suite meist in großen Konzertsälen zu erleben ist, erwies sich das Quartett als anspruchsvolle Salonmusik. Wieder gefiel die detailreiche Gestaltung.

In allen vier Sätzen artikulierte das Ensemble klar und förderte eine Fülle klanglicher wie dynamischer Nuancen zu Tage. Als interpretatorische Eckpfeiler erwiesen sich die feine Tongebung und perfekte Balance zwischen stimmführenden und begleitenden Instrumenten.

Ein Genuss war auch die Bearbeitung dreier Sätze aus Claude Debussys einzigem Streichquartett. So ließen die Künstlerinnen die Musik in betörenden Schattierungen erstrahlen und spürten instinktsicher der impressionistischen Sphäre nach - beim energischen Kopfsatz ebenso wie beim beschaulichen Andantino oder temperamentvollen Finale.

Vergnügen bereitete überdies Astor Piazzollas gefühlvoller Dauerbrenner "Libertango" (1973), ein eindrucksvolles Beispiel für den Tango Nuevo des argentinischen Komponisten. Besonders interessant erschien die zweite Nummer aus Enrique Granados‹ "12 Danazs Espanolas". Bemerkenswerterweise übertraf das Arrangement das Klavier-Original an klanglichem Reiz und atmosphärischer Dichte.

Die wohl populärsten Stücke hob sich das Ensemble für den Schluss auf: Die abwechslungsreiche Auswahl aus Leonard Bernsteins Musical "West Side Story" steckte voller Ohrwürmer - vom Song "I feel Pretty" bis zu "America". Für den begeisterten Applaus dankten die Musikerinnen mit einer Zugabe.

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