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Straßenbau sorgt für Inzucht heimischer Hirsche

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Von: Volker Mattern

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Seit Jahren lässt sich die genetische Verarmung des Rotwildes im Krofdorfer Forst feststellen. Nun soll ein Lebensraum-Gutachten helfen, die Hirsch-Population zu sichern.

Es klingt etwas vereinfacht, aber im Endeffekt trifft es die Gemengelage ganz gut: Kann der Hirsch nicht so durch die Wälder ziehen wie er will, weil Autobahnen das Land durchschneiden, so droht eine genetische Verarmung in isolierten Tierbeständen. Seit Jahren lässt sich das ganz konkret beim Rotwild im Krofdorfer Forst feststellen. Bereits 2010 wurde in einer ersten Untersuchung durch Veterinärmediziner der Universität Gießen auf diese Entwicklung hingewiesen, und besser geworden ist es seither nicht. Seit Mitte der 1980er Jahre ist ein Verlust von 17 Prozent der Genvarianten zu verzeichnen. Jetzt soll ein Lebensraum-Gutachten Hilfestellungen dabei geben, die Rotwild-Population zu sichern. Angenommen hat sich dieser Aufgabe die Hegegemeinschaft Krofdorfer Forst.

Vorsitzender Klaus Schwarz hatte vor sieben Jahren die Initiative ergriffen und den Kontakt zu Prof. Dr. Dr. Gerald Reiner von der Veterinärmedizinischen Klinik der Universität Gießen gesucht. Das Ergebnis einer ersten Studie von DNA-Proben von Abwurfstangen hatte eine nur suboptimale genetische Vielfalt der Rotwildpopulation im Krofdorfer Forst festgestellt. Untersucht wurden seinerzeit 165 genetische Merkmale von 108 Abwurfstangen von Tieren aus dem Jahr 2010; in einem zweiten Schritt wurden älteren Stangen aus den 1950ern bis in die 1980er Jahre in die Untersuchung einbezogen.

Diese zweite Untersuchung hat eine Tendenz zu genetischer Verarmung bestätigt. Konkret: Die Fragmentierung der Landschaft durch Zersiedelung, insbesondere durch den Straßenbau, hat einen eingeschränkten Genfluss zwischen den Beständen zur Folge und damit letztlich den Verlust genetischer Vielfalt durch Inzucht. Gibt es überhaupt noch einen Genfluss?

Woher stammt die Datengrundlage? Der Tierbestand im Krofdorfer Forst wird seit vielen Jahren überaus gut dokumentiert; etwa mit der jährlichen öffentlichen »Stangenschau« im Hof des Forstamts und mit dem bereits in der 17. Auflage erscheinenden »Hirschbuch«.

Nun soll festgestellt werden, ob und in welchem Umfang der Genfluss zwischen den benachbarten mittelhessischen Rotwildgebieten überhaupt noch vorhanden ist. Für dieses Lebensraumgutachten hat sich unter Leitung von Dr. Volker Krauhausen ein Arbeitskreis gebildet. Prof.

Sven Herzog, Lehrstuhlinhaber für Wildökologie und Jagdwirtschaft an der Technischen Universität Dresden, ein Wissenschaftler mit Wurzeln in Gießen, wird als Fachmann eingebunden – zudem alle weiteren Nutzer des Reviers, um deren Akzeptanz zu gewinnen: Forst, Waldbesitzer, Naturschützer, Freizeitnutzer, Jagdpächter, und Jagdgenossen.

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