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Die Ausstellung kommt ohne zentralen Blickfang aus: Einzelarbeiten oder kleine Serien wirken eher individuell als optischer Magnet.

Stimmig-sparsame Inszenierung

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Wettenberg (usw). Lange musste man pausieren, doch jetzt ist es endlich soweit: Der Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) kann wieder eine reale Ausstellung für reale Menschen zeigen, leider nur sonntags. Darauf hatten die Kreativen des Vereins nur gewartet und kommen jetzt mit einer überaus sehenswerten, zum Teil sogar packenden Schau mit dem Motto »Aufbruch« heraus.

Da stimmte alles, und Samstag war die recht frequentierte Vernissage.

Wie in besseren Zeiten hielt Vorstandmitglied Ines Scheurmann eine ihrer hoch prägnanten Einführungen, in denen sie Sachkenntnis und Humor verlustfrei verband. »Der Aufbruch zu neuen Ufern, aus einer unsäglichen Situation in eine bessere Welt und in eine rosige Zukunft, das ist etwas, was wir jetzt alle gerne thematisieren«, sagte sie, und begann ihren kleinen virtuellen Rundgang »von links nach rechts, wie man das im Zoo immer so macht.« Um dann mit wenigen kundigen Worten jeden einzelnen Künstler zu charakterisieren.

In der Kunsthalle schaffen die Arbeiten von Angelika Eichenauer, Gabriele Herlitz, Vera Bennung Corominas, Marita Meurer, Reiner Packeiser, Christina Richter, Christine Stefan, Ilse- Marie Weiß, Dieter Weiß, Ingrid Wortmann-Wilk und Barbara Yeo-Emde für ein abwechslungsreiches und sehr vielfältiges Angebot. Zusätzlich gibt es in der Kammer eine weitere Ausstellung als Video (»Hope«) zu sehen, das exzellente Arbeiten von Silvia Rudnicki und Annemarie Zaha zeigt, die man sonst nur im Netz betrachten kann. Trotz der zahlreichen Mitwirkenden wirkt die Halle keinesfalls überladen, vielleicht sogar ein wenig sparsam inszeniert, insgesamt aber stimmig.

Kraftvolle Aussage

Diesmal gibt es keinen zentralen Blickfang, die Einzelarbeiten oder kleinen Serien wirken eher individuell als optischer Magnet, auch wenn die große hintere Wand wieder wesentliche Arbeiten enthält. Gabriele Herlitz’ »Deep Dive« und zwei Arbeiten von Christina Richter (o. T.) machen dort eine kraftvolle abstrakte Aussage: Richters Werk platzt mit heftigen Strukturen und dramatischen Farbfeldern förmlich vor Energie (sie veranstaltet auf einem anderen Bild eine »Farbexplosion«), während Richter in Erdfarben und mit teils leicht angedeuteten figurativen Elementen eher leiser, nicht weniger glaubwürdig und intensiv rüberkommt.

Dieter Weiß macht sich mit einigen paradoxen Objekten - sehr attraktiv in Kirschholz - leise über Erwartungen der Betrachter und ein paar Naturgesetze lustig und setzt einen aparten Akzent. Angelika Eichenauer wiederum lässt in ihren Arbeiten mit täuschend naturähnlichen Strukturen die Farbschichten, ja womöglich die Bildebenen selbst aufbrechen. Ihre Bilder werden zu Materialien; sie lässt in einem erdfarbenen Diptychon die übliche Tafelbildanmutung hinter sich. »Reiner Packeiser ist zum ersten Mal im Kukuk zu Gast«, sagte Scheurmann. Er zeigt typischerweise Triptychen, die auf den ersten Blick identisch erscheinen und arbeitet mit feiner Technik in Grafit auf Büttenpapier in einem leicht abstrahierten, an verwaschene Fotografien erinnernden Stil.

»Vera Bennung Corominas wiederum ist in der Pandemie in die Märchenwelt umgezogen und gleich dageblieben«, sagte Scheurmann zu der Sammlung von Märchenmotiven, die Bennung Corominas zu kleinen Broschüren verarbeitet hat. Wie üblich wurde hier nur ein Bruchteil der Arbeiten betrachtet, man sollte sich Zeit für den »Aufbruch« mitbringen.

Bis 8. August, jeweils sonntags von 15 bis 18 Uhr.

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