"Leicht und schwer" haben die "Kunstspinner" ganz unterschiedlich interpretiert. FOTO: USW
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"Leicht und schwer" haben die "Kunstspinner" ganz unterschiedlich interpretiert. FOTO: USW

Spiel mit Deutungsebenen

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Wettenberg(usw). So offen wie das Thema ausfiel, so vielfältig und sehenswert sind die Arbeiten dazu geworden. "Leicht und schwer" heißt die erste Ausstellung des Kunst- und Kulturkreis Wettenberg (KuKuK) im neuen Jahr. Zu sehen sind die Werke der Gruppe "Kunstspinner", die teilweise tatsächlich etwas aus dem Rahmen fallen. Die Eröffnung am Freitag war gut besucht. Traditionell bestückt diese interne Gruppe die erste Schau des Vereins. Es ist ein loser Zusammenschluss von Mitgliedern, die sich ein Jahr lang bei wiederkehrenden Treffen und Diskussionen mit einem gemeinsamen Thema beschäftigt haben. Konkret sind es Klaus Engelbach, Harald Kessler-Rautenhaus, Heidi Rautenhaus, Ines Scheurmann, Brigitta Seibert und Günter Wirtz.

Das Thema "Leicht und schwer" erlaube das Spiel mit einer Fülle von Möglichkeiten der Interpretation, stellte Vorstandsmitglied Ines Scheurmann in ihrer Einführung fest, und umriss kurz das beachtliche inhaltliche und handwerkliche Spektrum, das unter diesem Motto Platz hat. Die Mitglieder stellen in Öl- und Acrylbildern, Fotografien, Skulpturen, Objekten und Installationen ihre Interpretationen von "Leicht und schwer" vor, wobei auch Musik und Wortkunst bei der Eröffnung nicht zu kurz kamen.

So las Günter Wirtz aus den für seine Enkel geschriebenen launigen Geschichten vor ("Herr Zement" und "Fräulein Bleistift" waren zwei Figuren), deren Stories ein beachtliches Schmunzelpotential beinhalten. Er hat einige Texte auch in Bilder eingebettet. Heidi Rautenhaus (Gesang) und Harald Kessler-Rautenhaus (Gitarre) gaben im Duo einige couplet-artige Lieder zum Besten, er stach besonders mit der prägnanten "Wal-Liebe" hervor.

Expressiv, sphärisch, ernüchternd

Das "Schwere Durcheinander" von Heidi Rautenhaus, eine verschlungen gewachsene Holzinstallation mit Filz, strahlt eine ruhige expressive Kraft aus. Ines Scheurmann fand dagegen ihre aparten "Lichtgestalten" in einer Nacht der Landesgartenschau 2014, es sind bestelzte Akteure, deren Körperlichkeit grundsätzlich irgendwie zweifelhaft, unsicher erscheint. Sie sind gefühlsmäßig wohl der Kategorie "leicht" zu zuordnen, spontan wirken sie in ihrer leicht sphärischen Geometrie zugleich irgendwie aus der Welt gefallen.

Prinzipiell ganz und gar von dieser Welt ist leider das Video von Harald Kessler-Rautenhaus in der Kammer. In schönstem klarem blauem Wasser gleiten da unzählige Objekte durcheinander und umeinander, die man erst etwas später als Plastikflaschen erkennt. Man muss sich entscheiden, ob man das rein ästhetisch schön findet - blau und schwerelos, wie es im Wasser nun mal wirkt - oder ob man sich anders entscheidet und die unglaubliche Anzahl der Flaschen akzeptiert und die zahllosen Plastikobjekte in den Meeren mitdenkt. Das kann man dann gar nicht mehr schön sehen. Das Video spielt mit den Betrachtungs- und Deutungsebenen und lässt sich zugleich als schwerelos leicht oder als schwer belastetes Gewässer, ja Weltmeer sehen.

Auf den ersten Blick wirkt diese Schau etwas kraftlos. Doch funktionieren die ausdrucksstarken Arbeiten als durchaus effektives Gegen- gewicht zu ein paar kreativen Leichtgewichten. Und als Besucher des KuKuK ist man schließlich in jeder Hinsicht verwöhnt. Interessant und anregend ist das Ganze jedenfalls.

Die Kunsthalle des "KuKuK" ist noch bis zum 9. Februar an allen Samstagen und Sonntagen von 15 bis 18 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei.

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