Die Leiche der 26-jährigen Astrid K. wurde neben einem asphaltierten Feldweg nahe den Dutenhofener Seen gefunden. FOTO: HENSS/MDV-GRAFIK
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Die Leiche der 26-jährigen Astrid K. wurde neben einem asphaltierten Feldweg nahe den Dutenhofener Seen gefunden. FOTO: HENSS/MDV-GRAFIK

Erdrosselt und erwürgt

Sexualverbrechen im Krofdorfer Forst

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Ende September 2000 macht ein Radfahrer eine grausige Entdeckung: auf einem Feldweg bei Dutenhofen findet er eine nackte Frauenleiche. Das Opfer wurde erdrosselt und erwürgt.

Das Verbrechen an der 26 Jahre alten Astrid K. aus Rödgen schockiert. Den Ermittlern vor Ort ist schnell klar, die junge Frau muss einem Sexualverbrechen zum Opfer gefallen sein. Auch die Obduktion bestätigt: Unmittelbar vor ihrem Tod hate die Frau, die in einer festen Beziehung lebt, sexuelle Gewalt erlitten. Am Fundort der unbekleideten Leiche zwischen Dutenhofen und Dorlar stellen die Beamten Mullbinden sicher, worauf schließen lässt, dass die Frau während der Tat offenbar gefesselt war.

Am Abend zuvor wurde Astrid K. zuletzt lebend gesehen. Sie soll gegen 18 Uhr ihre Wohnung in Rödgen verlassen haben, um mit dem Bus in Richtung Gießen zu fahren. dann verliert sich ihre Spur. Warum musste die junge Frau auf solch grausame Weise sterben?

Mit 15 eine Seniorin getötet

Eine Sonderkommission arbeitet fieberhaft an der Aufklärung des Verbrechens. Schnell rücken zwei Männer ins Visier der Ermittler: der Lebensgefährte und der Liebhaber der Frau. Beide sind wegen einschlägiger Delikte in der Vergangenheit bereits mehrfach vorbestraft.

Aufschluss gibt eine DNA-Analyse. Faserspuren belasten den 37-jährigen Geliebten schwer. Die Staatsanwaltschaft beantragt deshalb Anfang November Haftbefehl gegen Axel K. Der sitzt zu diesem Zeitpunkt aber bereits in der Nähe von Marburg hinter Gittern. Nicht zum ersten Mal.

Denn im Alter von 15 Jahren hatte K. eine Seniorin sadistisch getötet. Er war gewaltsam in ihr Haus eingedrungen mit dem Vorsatz, sie zu vergewaltigen. Er hatte sie getötet und sich dann an ihr vergangen.

Jahrelang in der Psychiatrie

Dafür wurde er zu sieben Jahren Jugendstrafe verurteilt und ging danach in die Psychiatrie. Laut dem Marburger Landgericht soll Axel K. unter einer unheilbaren, aber kontrollierbaren Störung leiden. Verbunden sei diese Erkrankung mit sexuellem Sadismus und Gefühlskälte. Der Täter war mehrere Jahre in geschlossenen Abteilungen von Psychiatrien untergebracht. Nach zahlreichen Therapien scheint der Mann, damals Mitte 20, ausreichend auf die Freiheit vorbereitet. Doch dann überfällt er erneut eine Frau und wird wieder untergebracht.

1997, also drei Jahre vor dem Verbrechen an Astrid K., halten es Psychologen, Psychiater und die Richter der zuständigen Strafvollstreckungskammer für risikolos, die Aussetzung der Unterbringung erneut zu versuchen. Strenge Kontrollen von Bewährungshelfern, Medizinern und Psychologen vorausgesetzt.

Anklage wegen Mordes

Axel K. zeigt laut Gutachten keine Auffälligkeiten mehr. Er hat zu diesem Zeitpunkt eine Frau gefunden und sogar geheiratet. Zudem geht er einer geregelten Arbeit nach. Wie sich nach dem grausamen Verbrechen an Astrid K. herausstellt, war das eine folgenschwere Fehleinschätzung.

Axel K. muss sich ab Februar 2003 wegen Mordes an Astrid K. vor Gericht verantworten. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft lautet, dass sich die Getötete von ihrem Liebhaber lossagen wollte. Denn die 26-Jährige war ja mit einem anderen Mann liiert, einem Freund des Täters. Doch seit über einem Jahr hat sie bereits eine Affäre. Alle drei kannten sich aus einer Singgruppe des Psychiatrischen Krankenhauses. Die Beziehung zueinander scheint kompliziert.

Schäferstündchen im Kadett

Im Gerichtssaal bestreitet der Angeklagte lange die Vorwürfe, seine Geliebte im Krofdorfer Forst umgebracht zu haben. Er habe sich zwar an jenem Abend im September 2000 mit ihr getroffen, es sei in der Gemarkung "Schmelz" auch zum Geschlechtsverkehr gekommen. Doch danach habe er sie wieder in der Nähe ihrer Wohnung in Rödgen abgesetzt. Mit seinem Opel Kadett, den das Paar öfter für seine Schäferstündchen nutzte, sei er zu gemeinsamen Treffen nach Gießen gekommen, da er mittlerweile mit seiner Ehefrau in Bad Homburg lebe.

Mehrfach wird er vor Gericht auf sadomasochistische Praktiken angesprochen. Doch K. betont immer, dies sei nicht sein Ding. Allerdings habe seine Geliebte oft danach verlangt. Dass die Getötete eine Vorliebe dafür gehabt habe, bestätigen im Laufe des Prozesses mehrere Zeugen.

Gutachten wirft Fragen auf

Das psychiatrische Gutachten wirft Fragen auf. Vor Gericht geht es deshalb auch um die Frage, ob das Verbrechen hätte verhindert werden können. Ein Therapeut gibt zu Protokoll, dass Axel K. zum Tatzeitpunkt schon wesentliche Voraussetzungen für ein Leben in Freiheit nicht mehr erfüllt habe. Unter anderem sei seine Ehe zerrüttet gewesen, und er habe wieder viel Alkohol getrunken. Auch ein Seelsorger habe sich Sorgen über die Entwicklung gemacht. Er habe mit einem Kollegen über seine Bedenken gesprochen, und dieser habe zugesichert, die Klinikleitung zu informieren. Doch offenbar ist dies nicht geschehen.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit legt Axel K. im April 2003 schließlich ein Geständnis ab. Ja, er habe seine Geliebte an jenem Abend im September 2000 gewürgt, an eine Drosselung könne er sich aber nicht erinnern. Die nackte Leiche habe er auf dem Feldweg zwischen Dutenhofen und Dorlar abgelegt.

Haft und Sicherungsverwahrung

Das Gericht ist der Überzeugung, dass der Täter zur Tatzeit voll schuldfähig war. Das 26-jährige Opfer habe sich jedoch selbst in eine hoch brisante Situation gebracht, indem es sich mit Mullbinden aus dem KfZ-Verbandskasten beim Sex fesseln ließ. Zuvor soll die Frau Axel K. in sein Geschlechtsteil gebissen und ihn einen "Schlappschwanz" genannt haben. Da brannten offenbar alle Sicherungen durch, er ließ alle zuvor angestauten Aggressionen an Astrid K. aus. Mit tödlichen Folgen.

Im Mai folgt das Urteil: Axel K. wird wegen Totschlags zu 14 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt.

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