Gerade wohnsitznahe Fleischerfachgeschäfte erhalten wieder mehr Zulauf. SYMBOLFOTO: SCHEPP
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Gerade wohnsitznahe Fleischerfachgeschäfte erhalten wieder mehr Zulauf. SYMBOLFOTO: SCHEPP

Schweinefleisch wieder stärker gefragt

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Wettenberg(sel). Die Corona-Krise war und ist in diesem Jahr das zentrale Thema rund um den Globus. Die Pandemie ist auch für die Fleischerinnung Gießen und für jeden ihrer Mitgliedsbetriebe beherrschend, weil allgegenwärtig. Und sie wird es laut Innungsobermeister Carlos Zach-Zach (Gießen) auch in den kommenden Monaten bis ins nächste Jahr hinein - wenn nicht gar über das ganze Jahr - mit ihren Abstandregeln, Zugangsbeschränkungen und natürlich der Maskenpflicht sein.

Ab Mitte März 2020 traten alle anderen Probleme im Fleischerhandwerk hinter die Bewältigung der Pandemie zurück, so der Obermeister in seinem Bericht vor der in Launsbach tagenden Innungsversammlung 2020. Der Innung Gießen gehören einschließlich der Gastmitglieder derzeit 22 Betriebe an.

Zach-Zach nutzte die Gelegenheit, detaillierter auf die Lage im Fleischerhandwerk einzugehen, das im Gegensatz zu vielen anderen Bereichen als "systemrelevant" und damit für die ortsnahe Versorgung der Bevölkerung als unverzichtbar eingestuft wurde. Mit der Schließung der Einrichtungen zur Gemeinschaftsverpflegung in Betrieben und öffentlichen Einrichtungen habe der Einkauf von Fleisch und Fleischerzeugnissen für den häuslichen Bedarf starke Impulse erhalten. Entgegen dem langfristigen Konsumtrend werde auch Schweinefleisch wieder stärker nachgefragt. Von dem verstärkten Zulauf zu wohnsitznahen Fleischerfachgeschäften profitierten laut Zach-Zach vor allem jene Betriebe, deren Umsatzschwerpunkt im Thekenverkauf lag und liegt. Dagegen sei spezialisierten Betrieben mit einem hohen Umsatzanteil in den Bereichen Partyservice, Catering und Imbiss vor Ort der Absatzmarkt teilweise oder vollständig weggebrochen.

"Übergreifend" weise das Fleischerhandwerk in der Corona-Krise jedoch eine ausgeglichene Bilanz aus. Die meisten Betriebe hätten die Krise und die damit verbundenen Auflagen ohne größere Probleme bewältigen können, staatliche Hilfen hätten nur wenige in Anspruch genommen. Wolle man der Krise einen positiven Aspekt zuschreiben, dann den, dass sie sowohl der Öffentlichkeit als auch der Politik die Werte einer ortsnahen Versorgung mit hochwertigem Fleisch und handwerklichen Erzeugnissen vor Augen geführt habe, einhergehend mit einer wieder höheren Wertschätzung der Mitarbeiter hinter den Theken. Der konzentrierte Ausbruch von Corona-Infektionen in der Schlacht- und Fleischindustrie habe die Missstände in der Branche und die Krisenanfälligkeit zentralisierter Erzeugungs- und Vermarktungssysteme offengelegt, so Zach-Zach, der darauf verweist, dass das Fleischerhandwerk nicht auf Werkverträge setze, sondern auf Festangestellte und Minijobs.

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