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Dr. Gert Fisahn

»Schließen Sie Turbulenzen heute aus?«

  • VonStefan Schaal
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Wettenberg (srs). PVA TePla ist das wertvollste börsennotierte Unternehmen im Gießener Land. Der Wert wird auf 740 Millionen Euro geschätzt, vor wenigen Tagen ist die in Wettenberg ansässige Hightech-Firma in den Aktienindex SDAX aufgestiegen.

Einen starken Auftrieb an der Börse erlebte das Unternehmen allerdings auch bereits im März 2000 mit einem ähnlich hohen Aktienkurs wie heute. Damals stürzte die Aktie kurz darauf regelrecht ein. Könnte sich eine solche Entwicklung wiederholen? Nachgefragt bei Dr. Gert Fisahn, Investor-Relations-Manager bei PVA TePla.

Die PVA TePla AG steigt in den SDAX auf. Vor gut 20 Jahren, im Frühjahr 2000, war die Aktie schon einmal auf einem Höhenflug, ist dann aber tief abgestürzt. Wie ist es damals eigentlich dazu gekommen?

Sie bohren tief in der Vergangenheit unseres Unternehmens TePla. Sie haben recht, tatsächlich lag der Börsenkurs im Jahr 2000 kurzzeitig bei 37 Euro wie heute. Allerdings war das Unternehmen damals noch wesentlich kleiner und nicht so breit aufgestellt. Unser Börsenwert lag bei 120 Millionen Euro, heute sind es rund 750 Millionen Euro. Zu dem Zeitpunkt haben wir 15 Millionen Euro Umsatz erzielt, inzwischen sind es zehn Mal so viel. Damals hatten wir 3,9 Millionen Aktien herausgegeben, mittlerweile sind es knapp 22 Millionen. Vor dem Hintergrund ist es erstaunlich, in welche Höhen damals der Börsenkurs gestiegen ist.

Das war damals eine Blase?

Ohne wenn und aber ja. Das war der Neue Markt. Der Aktienkurs ist danach deutlich gesunken. Wir haben mehrere Jahre hintereinander negative Ergebnisse eingefahren und mussten auf die Kostenbremse treten. Bis 2004, 2005 hat sich das Unternehmen erholt. Die Entwicklung hat letztlich dazu geführt, dass im Jahr 2002 das kleine börsennotierte Unternehmen TePla von der deutlich größeren GmbH PVA übernommen worden ist. Die ursprüngliche TePla macht heute nur noch zehn Prozent von dem aus, was das Unternehmen heute umsetzt.

Der heutige Auftrieb der Aktie hat sehr stark mit der hohen Nachfrage nach Halbleitern zu tun. Schließen Sie Turbulenzen wie vor 20 Jahren für Ihre Aktie heute aus?

Ich gebe ungern perspektivische Aussagen hinsichtlich des Aktienkurses, spreche lieber über Möglichkeiten und Risiken unseres Unternehmens. Aber der Gedanke fällt mir schwer, weil eine Basis unseres heutigen Geschäftsmodells darin besteht, dass wir sehr breit aufgestellt sind. So können wir Schwankungen in einem Bereich immer ausgleichen, damit sind wir in den vergangenen Jahren gut gefahren. Vor 20 Jahren hat sich TePla nur auf einen ganz kleinen Bereich von Anlagen für die Halbleiterindustrie konzentriert. Heute sind wir unter anderem Weltmarktführer im Bereich der Kristallzucht für Waferhersteller. Auch im Bereich der Qualitätsinspektion von Halbleitern sind wir aktiv. Diese spielt eine immer größere Rolle, weil die Struktur von Chips und Halbleitern kontinuierlich kleiner wird. Wir stellen Anlagen her, in denen Kristalle für Siliziumwafer hergestellt werden, gleichzeitig setzen wir auf alternative Materialien wie Siliziumkarbid. Wir sind im operativen Geschäft übrigens ziemlich abgekoppelt von der Börsenentwicklung, wir brauchen nahezu kein Fremdkapital. Zu Ihrer Frage: Absolut, die hohe Nachfrage nach Halbleitern und auch die Entwicklung der E-Mobilität sind sicher wesentliche Gründe für die Entwicklung unserer Aktie. Die Digitalisierung und die wachsende Bedeutung der Halbleiterindustrie bergen für uns erhebliches Potenzial. FOTO: PM

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