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Reizvolle Instrumentenkombination

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Von: Sascha Jouini

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Sebastian Wittiber, Anne-Sophie Bertrand und Ulrich Horn (v. l.) spielen in der evangelischen Kirche in Wißmar. © Sascha Jouini

Wettenberg (jou). Am regen Publikumszuspruch beim »Wettenberger Winterkonzert« mit Mitgliedern des hr-Sinfonieorchesters am Sonntag in der evangelischen Kirche in Wißmar zeigte sich, dass die Nachfrage für mehr Sitzplätze da wäre, wenn die coronabedingte Begrenzung wieder aufgehoben wird. Zwar musste das Programm wegen der Erkrankung zweier Musiker größtenteils geändert werden, dem Unterhaltungswert tat dies indes keinen Abbruch.

Smetanas »Moldau« als Leckerbissen

Die Sonate g-Moll BWV 1020 wurde früher Johann Sebastian Bach zugeschrieben, sie dürfte vom Stil aber eher von dessen zweitältestem Sohn Carl Philipp Emanuel stammen. Normalerweise übernimmt hier ein Cembalo den Begleitpart, doch zeigte sich schon beim Allegro-Kopfsatz bei den gebrochenen Akkorden, wie vorzüglich sich die Harfe dafür eignet. Verstärkend lieferte in der Bearbeitung das Cello ein klanglich warmes Fundament. Flötist Sebastian Wittiber, Harfenistin Anne-Sophie Bertrand und Cellist Ulrich Horn gefielen mit ihrer klaren, schattierungsreichen Interpretation. Besonders faszinierte die effektvolle treppenförmige Abstufung der Tonstärke. Kaum schöner vorstellen ließ sich das empfindsame Adagio mit der sanften, Natürlichkeit verströmenden Flötenmelodie. Das zuversichtliche Allegro-Finale setzte das i-Tüpfelchen.

Die reizvolle Kombination des Blas- und Zupfinstruments kam bei Jean Françaix’ »Cinque piccolo duetti« gleichermaßen ansprechend zur Geltung - im bewegten Präludium ebenso wie in der ruhigen Pastorale oder der spritzig-virtuosen Canzonetta. Den knappen, aber gehaltvollen Stücken war anzumerken, wie sehr es die Orchestermusiker als Ansporn begreifen, kammermusikalisch aufzutreten, fördert dies doch das genaue Aufeinanderhören und erlaubt es zudem, persönlichen Repertoirevorlieben nachzugehen.

Im Unterschied zum Gießener Stadttheaterorchester haben große Ensembles wie das hr-Sinfonieorchester eigene Solo-Harfenisten. Anne-Sophie Bertrand ist in dieser Position schon seit 2000. Einen besonderen Leckerbissen hatte sie sich mit Hanuš Trneceks Fantasie über Bedrich Smetanas »Moldau« ausgesucht. Dieses Stück beschreibt tonmalerisch den Verlauf des Flusses von der Quelle bis nach Prag. Das Fließen illustrierte zu Beginn der wellenförmige, sich allmählich belebende Klangteppich. Großartig, wie souverän die Harfenistin ein Orchester ersetzte und landschaftliche Assoziationen beflügelte.

Herzergreifend gefühlvoll wurde es bei zwei Stücken für Cello und Harfe: Camille Saint-Saëns’ »Der Schwan« und Peter Tschaikowskis »Valse sentimentale«. Der Meisterschaft beider Komponisten wie auch der Musiker war es zu verdanken, dass das Emotionale nie ins Rührselige abglitt.

Auf impressionistische Pfade führten Gabriel Faurés Fantasie op. 79 und Claude Debussys »En Bateau« für Flöte und Harfe. Den Abschluss des Konzerts bildete die dreisätzige »Sonatine en Trio«, die Bearbeitung eines Klavierwerks von Maurice Ravel. Wittiber, Bertrand und Horn bewiesen hier noch einmal feines Gespür für klangliche Facetten und atmosphärische Bildhaftigkeit. Für den kräftigen Beifall dankten sie mit einer Zugabe: dem »Siciliano« aus der Sonate BWV 1031, deren Autorschaft wie die des Eröffnungswerks bis heute umstritten ist.

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