Reparaturannahme vor der Tür und auf Abstand. Die Fahrradhändler haben ihre Werkstätten offen. FOTO: SO
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Reparaturannahme vor der Tür und auf Abstand. Die Fahrradhändler haben ihre Werkstätten offen. FOTO: SO

Mobilität

Fahrradwerkstätten sind offen

  • Rüdiger Soßdorf
    vonRüdiger Soßdorf
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Fahrradgeschäfte haben ihre Werkstätten geöffnet, um Mobilität auf zwei Rädern sicherzustellen. Der Ladenverkauf ist derweil allerorten geschlossen.

Wettenberg/Lich (so). Ein Kunde kommt nach dem anderen - und dann rollt auch noch die von irritierten Passanten alarmierte Polizei auf den Hof. Keine leichten Zeiten und alle Hände voll zu tun für Thomas Langner. Immer wieder muss der Inhaber von Delta-Bike in Krofdorf geduldig erklären, wie in diesen Tagen der Betrieb weiterläuft. Denn der flüchtige Blick aus dem Autofenster beim Vorbeifahren lässt vermuten, dass hier der Laden ganz normal geöffnet ist. Der Pavillon auf dem Hof vermittelt sogar etwas Sommerfest-Flair.

Mehr Wege mit dem Rad

Doch mitnichten ist der Verkauf offen - nur die Werkstatt hält ihren Betrieb aufrecht. Der Fahrradspezialist will und soll sogar Mobilität auf zwei Rädern gewährleisten. "Gerade in heutigen Zeiten, in denen vom Bundesarbeitsministerium ausdrücklich empfohlen wird, mehr Wege mit dem Rad anstatt in öffentlichen Verkehrsmitteln zurückzulegen, werden wir gebraucht", sagt Langner.

Er stützt sich dabei auf die Leitlinien der Bundesregierung, die es Handwerksbetrieben erlauben, ihre Werkstätten zu öffnen. Rückversichert hat er sich zudem bei der Handwerkskammer in Wiesbaden. Dort ist Delta-Bike seit 25 Jahren als Handwerks- betrieb geführt.

Zwei getrennte Teams

Langner hat immerhin neun Werkstattarbeitsplätze. 22 der 29 Mitarbeiter sind mittlerweile in Wettenberg beschäftigt, sieben in Wieseck. Aber nicht alle arbeiten zur gleichen Zeit: Es wird mit zwei getrennten Teams gearbeitet, um sicherstellen zu können, dass der Betrieb auch dann aufrechterhalten werden kann, wenn ein Mitarbeiter an Covid-19 erkranken sollte.

Immer mit Sicherheitsabstand

Auch der Pavillon vor dem Geschäft dient dem Schutz von Kunden und Mitarbeitern gleichermaßen: Dort werden nach vorheriger Terminvereinbarung Fahrräder zur Reparatur abgegeben und reparierte Räder abgeholt. Damit eben kein Kunde Geschäft oder Werkstatt betritt. Und alles mit dem gebotenen Sicherheitsabstand.

Zwischen 30 und 50 Kunden sind es, die so an einem normalen Tag bedient sein wollen, bestätigt Werkstattleiter Christopher Platt. Das bedeutet alles zusätzlichen organisatorischen und logistischen Aufwand.

Terminvereinbarungen

Über mangelnde Arbeit will sich bei Delta-Bike ohnehin keiner beklagen: Die Werkstatt ist seit Monaten mit geplanten Reparaturen bis Ende Mai ausgebucht. Es wird schon immer nur mit Terminen gearbeitet. Kurzarbeit ist für den Unternehmer kein Thema. Der Verkauf läuft allerdings nur telefonisch oder online. Dieser Tage erst haben Kunden zwei neue Räder gekauft mit der Argumentation: Urlaub wegen Corona storniert - alternativ wird in neue Räder investiert.

Andere Fahrradgeschäfte handhaben es ähnlich: Dannys Fahrradladen in Krofdorf ist ebenso bis voraussichtlich 19. April geschlossen. Reparaturen und Serviceleitungen rund ums Fahrrad bietet Inhaberin Daniela Schmidt aber weiterhin an, wenn sie keinen unmittelbaren persönlichen Kontakt erfordern.

Jetzt, zum Saisonbeginn, ist der Terminkalender für die Werkstatt voll. Wer sein Rad bringen oder holen will, der ruft eben vorab an und vereinbart einen Termin, sodass Schmidt das Rad vor die Tür stellen kann. Bezahlt wird übrigens bei den Radwerkstätten wie an vielen anderen Orte auch nach Möglichkeit bargeldlos mit der Karte oder eben auf Rechnung. "Wenn ich dem Kunden das reparierte Rad rausstelle, dann klemmt die Rechnung am Gepäckträger oder wird zugemailt. Das klappt reibungslos", sagt Daniela Schmidt.

Bringen und Holen vor der Tür

Bei RadSchmidt in Lich läuft der Werkstattbetrieb mit einem reduzierten Team weiter - auch da nur nach Terminvereinbarung für Reparaturen und beim Bringen und Abholen mit dem nötigen Abstand. "Kein Problem", sagt Inhaber Jörg Godejohann. Die Kunden sind sehr entspannt und nehmen Rücksicht. Sie rufen von sich aus vorab an und kommen nicht einfach vorbei.

Beratung per Videochat

Was freilich nicht mehr so ohne weiteres geht, das ist das Anschauen oder gar Probefahren in den Zweirad-Geschäften. Der Verkauf von Fahrrädern wird derzeit per Telefon oder online abgewickelt. Besonderer Service der angefragten Radläden: Beratung per Telefon oder gar per Videochat - ganz wie es der Kunde wünscht. Bestellung und Auslieferung dann über die Versanddienstleister und Lieferservice.

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