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Bernd Rosenbaum mit seiner jobsuchenden Vogelscheuche.

Nicht nur die dunkle Seite tritt hervor

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Wettenberg (se). Es klingt ein bisschen finster, trist, vielleicht auch bedrohlich: "Morbide, Makaber, Absurd" ist der Titel einer Ausstellung des Kunst- und Kulturkreises Wettenberg, die am Freitag eröffnet wurde. 15 Kunstschaffende - 13 Mitglieder des Kunst- und Kulturkreises sowie zwei Gäste - stellen im Wißmarer "Kukuk" ihre Bilder, Gemälde, Collagen, Skulpturen und Plastiken, aus.

Heitere Facetten

Ein Konglomerat von Arbeiten, die sich des genannten Themas annehmen. Allerdings, und das macht die Ausstellung besonders sehenswert, sind einige Arbeiten so gestaltet, dass nicht nur die dunkle Seite hervortritt. Beim Gros der Exponate aber sind "makaber" oder "absurd" die passende Beschreibung - wobei es den Ausstellenden immer wieder gelungen ist, auch heitere Facetten mit einzubringen.

Bei der Vernissage am Freitag konnte Ines Scheuermann, Zweite Vorsitzende des Kunst- und Kulturkreises, rund 40 Gäste begrüßen. In ihren Einführungsvortrag baute sie Gedichte von Kurt Schwitter (1887 - 1948), Heinrich Seidel (1842 bis 1906) mit ein. Nicht zu vergessen "Mit einem Sack Nüsse will ich begraben sein" von Günter Grass (1927 - 2015).

Scheuermann erinnerte im Weiteren an die "Schwarze Romantik" des 19. Jahrhunderts, in der Literatur als auch in der bildenden Kunst. An der Schwelle zum 20. Jahrhunderts hin entwickelten sich Tendenzen einer Hinwendung zu Todessehnsucht und Endzeitstimmung. Davon sind die Kunstschaffenden, die jetzt in Wißmar ausstellen, ein gutes Stück entfernt.

So sticht beim Betreten der Kunsthalle eine lebensgroße Vogelscheuche mit einem Schild um den Hals ins Auge: "Suche neuen Job", geschaffen von Bernd Rosenbaum aus Lollar-Ruttershausen. Dieses Kunstwerk entlockt dem Betrachter zunächst einmal ein Lächeln, ehe über die Absurdität einer solchen Situation nachgedacht wird. Auch zwei Plastiken des Lollarers stechen ins Auge: Ein modellierter Po mit einer Violine ("Arschgeige") sowie erneut ein modelliertes Gesäß, am dem eine Jagdtrophäe angebracht worden war. "Arschgeweih" nennt Bernd Rosenbaum diese Skulptur. "Ich mache gern Kunst", sagt er. Und das kommt in seinen Werken auch klar zum Ausdruck.

Beeindruckend, nicht nur wegen des aktuellen Bezugs, ist ein Gemälde von Michael Ackermann, der in seinem Werk "Brandstelle" die brennende Kathedrale Notre-Dame de Paris zeigt. "Verletzt und ausgesetzt" zeigt einen auf einer Bank sitzenden Stoffbären mit einer klaffenden Wunde im Fell. Ingrid Wortmann-Wilk macht in einem Gemälde eindringlich deutlich, welche Gifte die Menschen zurzeit einnehmen können, müssen oder wollen.

Die Exponate dieser Ausstellung sprechen zahlreiche Bereiche des modernen Lebens an, regen zum Nachdenken an. Der Besucher wird ebenso auf Probleme des Zusammenlebens aufmerksam gemacht. Es gibt aber auch heiter-absurde Varianten, wie die Gastgeber versprechen. Und gerade durch diese Kombination erhält die Ausstellung eine besondere Note.

"Morbide, Makaber, Absurd" ist eine Gemeinschaftsausstellung von Mitgliedern des Kunst- und Kulturkreises Wettenberg, als da wären Michael Ackermann, Ulrike Dalla-Bona, Angelika Eichenauer, Johannes Eucker, Dieter Kiausch, Heidi Rautenhaus, Bernd Rosenbaum, Sabine Schlaefke, Brigitta Seibert, Susanne Voos, Roger Wegner, Ingrid Wortmann-Wilk und Annemarie Zaha. Hinzu kommen als Gäste Marlene Grünbeck und Ulrich Hain).

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Die Ausstellung kann während der Öffnungszeiten der Kunst- und Kulturhalle in Wettenberg-Wißmar (Goethestraße 4) an Sonntagen (jeweils von 15 bis 18 Uhr) bei freiem Eintritt besucht werden. Letzter Ausstellungstag ist der Sonntag, der 8. September 2019.

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