Der Wißmarer See, entstanden nach dem Abbau von Kies, ist in den 1960er Jahren zum Camping- und Freizeitareal entwickelt worden. Seit ein paar Jahren investieren Gemeinde und Pächter in die "Generalüberholung".
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Der Wißmarer See, entstanden nach dem Abbau von Kies, ist in den 1960er Jahren zum Camping- und Freizeitareal entwickelt worden. Seit ein paar Jahren investieren Gemeinde und Pächter in die »Generalüberholung«.

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Neue Pläne: Pächter will Wißmarer See übernehmen

  • Rüdiger Soßdorf
    VonRüdiger Soßdorf
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Mike Will, der Pächter des Wißmarer Sees, hat der Gemeinde Wettenberg angeboten, das Freizeitareal mitsamt Campingplatz gemeinsam mit seiner Tochter künftig im Rahmen eines Erbbaurechts zu betreiben. Dies würde ihm mehr Handlungsspielräume für Investitionen eröffnen und die Gemeinde entlasten.

Wettenberg – Mike Will will eine langfristige Perspektive. Über Zehnjahresverträge hinaus. Denn das ist nötig, wenn der Pächter selbst mehr Geld in die Hand nehmen und kräftiger in das Freizeitareal investieren will, das seit ein paar Jahren Stück für Stück herausgeputzt wird. Ganz dicker Brocken, der bislang noch nicht angefasst wurde: die Gastronomie. Das Lokal »Kormoran«, das frühere »Haus am See«, ist von der Bausubstanz her arg in die Jahre gekommen.

Die Idee, die jetzt vertiefend beraten wird: Ein Erbbaurechtsvertrag zwischen dem Rathaus und dem Pächter. Was diesem mit der Option, selbst zu bauen, mehr Spielräume eröffnet und die Gemeinde entlastet. Dies würde zugleich aber auch bedeuten, das See-areal als Liegenschaft der Gemeinde de facto auf Jahrzehnte in andere Hände zu geben.

Die Kommune ist Eigentümerin des Sees und hat in der jüngeren Vergangenheit schon kräftig im niedrigen einstelligen Millionenbereich investiert: So ist das Sanitärhaus 1 durch einen Neubau ersetzt worden, die Stromversorgung des gesamten Areals wird ebenfalls erneuert; die Arbeiten sind bald abgeschlossen. Zudem sind die Parzellen neu zugeschnitten worden. Doch es ist noch mehr zu tun: Etwa das Sanieren weiterer Sanitärhäuser. Und die Gemeinde hatte das Restaurantgebäude bei ihren Bemühungen der vergangenen Jahre stets ausgeklammert. Wohl auch in dem Wissen um die nötigen üppigen Investitionen.

Verhandlungen über Wißmarer See: Zukünftig Erbbauchrechtsvertrag mit dem heutigen Pächter?

Am Donnerstag haben die Gemeindevertreter unter Vorsitz von Hans-Peter Steckbauer mit breiter Mehrheit dem Bürgermeister das Mandat erteilt, mit Mike Will und seiner Familie in Verhandlungen zum Erbbaurechtsvertrag einzusteigen. Eben damit dieser dann aus einer anderen Position aus eigener Kraft heraus Investitionen vornehmen kann. Wieder eingerichtet werden soll eine Seekommission als Hilfsorgan des Gemeindevorstands, um neben Vertretern aller Fraktionen auch sachkundige Bürger einbinden zu können. Die Kommission tagt nicht öffentlich - das wird als Vorteil erachtet, weil letztlich finanzielle Verhältnisse und Finanzierungsmodelle des Pächters auf den Tisch kommen.

SPD-Fraktionsvorsitzender Ulrich Ellinghaus ist zufrieden: »Wir sind beim See auf einem guten Weg. Es ist bereits viel passiert«, sagt der Sozialdemokrat. Er weiß aber auch um die Notwendigkeit einer neuen Gastronomie, was aber auch im Interesse des Pächters wäre. Ellinghaus: »Wenn wir einen attraktiven See wollen, dann muss weiter investiert werden, und dafür braucht ein Pächter langfristig Sicherheiten.

Parlament ist sich uneinig: Entscheidung über Wißmarer See hat große Tragweite

»Wir kommen an einen Punkt, an dem wir als Gemeinde mit unseren Möglichkeiten an Grenzen stoßen«, schätzt CDU-Chef Gerhard Noeske die Lage realistisch ein. Und konstatiert mit Blick auf anstehende Ausgaben ganz nüchtern: »Wenn wir es selber nicht machen können, dann müssen wir es dem Pächter ermöglichen«. Die Freien Wähler mögen sich mit der Idee nicht anfreunden. Die Notwendigkeit der Übertragung des Sees an Wills im Rahmen des Erbbaurechts erschließe sich ihnen nicht«, argumentiert Andreas Bittendorf. Und mahnt: Es sei de facto ein »Verkauf« auf eine sehr lange Zeit, für 50 und mehr Jahre. Solch eine einschneidende Entscheidung sollte eigentlich nur ein letztes Mittel der Wahl sein.

Gegenrede der SPD: »Sollen wir etwa auf halbem Weg stehen bleiben?« Oder solle die Gemeinde siebenstellig Geld für die Gastronomie aufbringen? Bürgermeister Brunner: Es sei nicht Aufgabe der Gemeinde, in ein Restaurant zu investieren. »Das muss privatwirtschaftlich finanziert und betrieben werden.«

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