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Musikalische Aufmerksamkeiten in einsamen Zeiten

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Von: Volker Mattern

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Ingi Fett möchte das Leben älterer Menschen mit Musik ein bisschen bunter machen. © Volker Mattern

Wettenberg/Lollar (m). Musik verbindet, baut Brücken, berührt Herz und Seele, kann trösten und heilen. Von Kindesbeinen an ist die bekannte Sängerin Ingi Fett (Wißmar), deren Namen man in erster Linie mit den »Drei Stimmen« verbindet, musikalisch unterwegs. Das war in den vergangenen knapp zwei Jahren schwierig. Damit umzugehen war nicht einfach - für Ingi Fett kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken.

Not macht erfinderisch. So kam die Solistin auf die Idee, ihre Gabe alten und pflegebedürftigen Menschen zugutekommen zu lassen. »Meine Konzerte gebe ich, um den Bewohnern der Wohn- und Pflegeeinrichtungen eine kleine Freude zu machen«, sagt sie. Das begann 2020; seitdem tritt sie auf Wunsch in diesen Einrichtungen im Landkreis auf. Die Menschen dort sind ohnehin einer schwierigen Situation ausgesetzt. Sie konnten über Monate kaum Besuche empfangen, kaum am öffentlichen Leben teilnehmen. Diese Einschränkungen kann eine noch so gute Betreuung und Pflege nicht kompensieren.

Anfangs war die Frage für die Sängerin schon spannend, wie die Auftritte ankommen würden. Sie dauern meist zwischen einer und eineinhalb Stunden. Was sie bisher erlebt habe, das sei mehr wert als jeder Applaus bei großen Konzerten: »Ich bekomme so viel Dankbarkeit und Herzlichkeit von den Zuhörern zurück (...) Wenn viele bei meinen Liedern mit einstimmen, weiß ich, dass ich sie dort erreicht und abgeholt habe, wo die frühen Erinnerungen wieder lebendig werden«, sagt Ingi Fett.

Auftritte ohne Gage

Sie hat für diese Auftritte ein spezielles Programm aufgestellt, das vor allem Songs der 50er, 60er und 70er Jahre umfasst. Da darf Hildegard Knefs »Für mich soll’s rote Rosen regnen« ebenso wenig fehlen wie Conny Froboess’ »Zwei kleine Italiener« oder ein Potpourri von Schlagerlegende Chris Roberts. Alle Lieder singt die Künstlerin auf Deutsch - auch das Schlusslied, das nie fehlen darf: »Amazing Grace«.

Rührende und berührende Geschichten kann die Sängerin erzählen. Beispielsweise von dem 97-Jährigen im Awo-Heim in Lollar, dessen »Tanzpartnerin« sein Rollator war und der Ingi Fett schließlich mit seiner Mundharmonika begleitete - Gänsehaut.

Ingi Fett tritt ohne Gage auf, ist ehrenamtlich unterwegs, freut sich aber über Spenden. Diese kommen der Stiftung »Drei Stimmen hilft« zugute, die ausgesuchte gemeinnützige Projekte unterstützt. Es ist ihr ein Bedürfnis, den Bewohnern der Alten- und Pflegeheime eine Freude zu bereiten.

»Die Pandemie hat uns gezeigt, dass Zwischenmenschlichkeit, Achtsamkeit wie auch Respekt für ein gemeinsames Miteinander absolut notwendig sind«, resümiert die Sängerin, die für den heutigen Donnerstag einen Auftritt im Awo-Heim in Lollar geplant hat.

Mehr unter ingi@Ingi-Fett.de

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