Mountainbike-Trail im Erlental abgeräumt

  • Rüdiger Soßdorf
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Wettenberg (so). Das hat für Frust und Ärger gesorgt: Vor ein paar Tagen haben die Gemeinde und die Forstverwaltung eine Mountainbike-Strecke im Wißmarer Erlental beseitigen lassen, die dort wohl schon vor etlichen Jahren von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Eigenregie angelegt worden war. In der jüngeren Vergangenheit soll es dort weitere Ausbauten gegeben haben, soll die Nutzungsfrequenz deutlich gestiegen sein.

»Das war ein richtiger Magnet geworden, die Nutzer kamen längst nicht mehr nur aus Wißmar«, beschreibt ein Insider die Entwick lung.

Die Mountainbiker machten die Angelegenheit mit Info-Blättern öffentlich, die in den sozialen Medien kursieren. Darin wird der Gemeinde das »unangekündigte, unüberlegte und überraschende Zerstören der Strecken« vorgeworfen. Die Gemeinde habe »15 Jahre Mountainbike-Geschichte im Erlental an einem Tag zunichte gemacht und die Arbeit und Begeisterung vieler Kinder, Jugendlicher und Erwachsener zerstört«, wird in dem Schreiben beklagt, das unterzeichnet ist von den »enttäuschten Mountainbike Jungs«.

Vorangegangen war ein Ortstermin von Forst und Gemeinde Ende Juni. Danach wurden die von den jungen Leuten geschaffenen Anlagen umgehend abgeräumt unbrauchbar gemacht.

Jetzt, rund acht Tage nach der Beseitigung der Trails und nachdem die Wogen hochgeschlagen sind, ist man derweil um Schadensbegrenzung bemüht: Man mache sich aktuell Gedanken »über eine vertretbare Alternative für die Jugendlichen«, teilte der Wettenberger Bürgermeister Thomas Brunner auf Anfrage mit. Eingebunden sind der Jagdpächter, der gemeindliche Umweltberater und der Revierförster. Kontakt mit einzelnen Mountainbikern sei hergestellt.

Gemeinde ist Eigentümer

Die Gemeinde habe keine Probleme mit Fahrrädern im Wald, unterstreicht der Bürgermeister. Aber er weist auch auf die Rechtslage hin. Bei der fraglichen selbst gebauten Strecke im Erlental sei schlicht die Haftungsfrage zu sehen. Denn die Gemeinde ist Eigentümer diese Waldstücks. Die einschlägigen Stichworte sind da Gefahrenabwehr und Haftung im Falle eines Unfalles sowie für Eltern von Jugendlichen die Aufsichtspflicht.

Brunner bemüht dazu einen Vergleich mit einem tragischen Vorfall in der jüngeren Vergangenheit in Nordhessen: Die Gemeinde und der Bürgermeister, die das Baden in einem Feuerlöschteich tolerierten, seien so lange bürgernah, bis das erste Kind ertrinkt. Dann wollten die gleichen Bürger, dass der Staatsanwalt tätig wird und die Justiz mit aller Härte über die »Verbrecher« urteilt.

Der Bürgermeister am Donnerstag: »Wir versuchen auch zukünftig die sehr unterschiedlichen Interessen der Waldnutzer und -bewohner sowie der Forstwirtschaft unter einen Hut zu bekommen«. Einen Ansatz in der »geordneten« Freizeitgestaltung sieht er in dem auf Anregung von Jugendlichen beschlossenen »Pumptrack« beim Wißmarer Holztechnikmuseum, der nächstes Jahr entstehen soll.

Der lokale Jagdpächter wusste schon länger von der Anlage und hatte die jungen Leute auch auf drohendes Ungemach hingewiesen. Denn die Entscheidung liege bei der Gemeinde als der Grundeigentümerin. Gleichwohl hatte der Jagdpächter die Anlage geduldet und mit den jungen Mountainbikern »Spielregeln« verabredet: Dazu zählte, dass die Strecke keinesfalls erweitert werden dürfe und dass mit Einbruch der Dämmerung alle aus dem Wald raus sind.

Die vier Wettenberger Bürgermeisterkandidaten haben das Thema aufgegriffen und die Vorgänge umgehend auf Facebook und Co. kommentiert. Interessanterweise alle mit ähnlichem Tenor: Rein rechtlich möge das alles ja okay sein. Aber von der Kommunikation her nicht gut gelaufen. Man hätte das Gespräch mit den Mountainbikern suchen und gemeinsam nach einer Lösung suchen sollen - vorab.

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